Pirmasens
Bauunternehmen Peter Gross: Brückenbau gewinnt an Bedeutung
Vor neun Jahren hat Peter Gross das Pirmasenser Traditionsunternehmen Theysinger & Probst übernommen, das seit 1933 vor allem für Straßenbau und Ingenieurbau in der Region steht. Theysinger & Probst war seit 1994 beim B10-Ausbau immer wieder beauftragt worden und seit der Übernahme nun Peter Gross. 70 Prozent der Ingenieurbauleistungen und 60 Prozent des Asphaltbaus kamen von Theysinger und Peter Gross, erzählt Mike Krummet, Technischer Leiter der Ingenieurbauabteilung bei Peter Gross in Pirmasens.
Peter Gross Bau in Pirmasens hat den früheren Theysinger-Firmensitz auf der Ruhbank aufgegeben und ist in das Baukompetenzzentrum in der Marie-Curie-Straße umgezogen. Die anderen Theysinger-Standorte wurden beibehalten. In Lemberg ist das Bauhofgelände gemietet, Peter Gross gehört das Außenlager mit Recyclinganlage an der K36 gegenüber des Wasgau-Marktes Lemberg und das Tochterunternehmen Asphaltwerk Pirmasens (AWP) auf der Biebermühle gehört ebenfalls noch dazu.
Auch wegen des Asphaltwerks liegt ein Schwerpunkt von Peter Gross Bau in der Region auf dem Straßenbau. Als eines der Großprojekte neben der B10 nennt Ulrich Blaser die Sanierung der Fahrbahn der A61 über eine Strecke von 7,4 Kilometer, die im vergangenen Jahr erledigt wurde. Ein neuer großer Auftraggeber sind die Pfalzwerke, die drei 110-Kilovolt-Hochspannungsleitungen über eine Länge von elf Kilometern durch den Pfälzerwald legen lassen. „Einen solchen Auftrag haben wir noch nie zuvor realisiert“, freut sich Blaser über die Herausforderung.
Probleme sehen er und Krummet durch die Preissteigerungen im Baubereich, die jedoch nicht aus dem Bauen an sich resultierten. „Bauen wird eher günstiger, da immer mehr Maschinen zum Einsatz kommen“, meint Mike Krummet. Die trotzdem sehr großen Preissteigerungen bei öffentlichen Ausschreibungen erklären Krummet und Blaser mit neuen behördlichen Auflagen. Eine davon betreffe den Erdaushub. „Aushub ist jetzt Abfall“, moniert Blaser. Versenke eine Baggerschaufel ihre Zähne in der Erde, müsse diese immer analysiert und klassifiziert werden. Je nach Aushubklasse wird dann eine entsprechend teure Aushubdeponie nötig.
Solch eine Deponie gibt es derzeit nicht in der Region, was neben den Deponiekosten Fahrtkosten verursache. Peter Gross versucht über die Tochterfirma Teralis in Lemberg eine solche Deponie einzurichten, wobei Blaser und Krummet grundsätzlich eine Änderung beim Umgang mit unbelastetem Erdreich anmahnen.
Ein weiterer Grund für die Verteuerung auf dem Bau sei die Kampfmittelbeseitigung. Vor fünf Jahren seien die Auflagen geändert worden. Jetzt müsse für jeden kleinen Eingriff im Erdreich zuvor eine aufwändige Sondierung erledigt werden, um zu klären, ob da nicht eine Bombe, Granate oder Gewehrkugel im Boden lauert.
Die Ukrainekrise sorge natürlich auch für höhere Preise. Bitumen sei aktuell dreimal so teuer als noch vor dem Krieg. Ein Öl-Embargo gegen Russland werde die Baubranche empfindlich treffen, da für Bitumen nicht jedes Erdöl genommen werden könne, erläutert Blaser. Nur Öle aus Russland und Südafrika eigneten sich dazu.
Weitere Teuerungsfaktoren durch den Ukrainekrieg seien Stahl, Kunststoffe, Harze und Beton. Hier schlage oft der Preisaufschlag für Dieselkraftstoff durch. „In drei Monaten hatten wir beim Beton drei Teuerungen“, nennt Blaser ein Beispiel.
In der Zukunft werde Peter Gross Bau von Pirmasens aus mehr Aufträge im Brückenbau erledigen, glaubt Mike Krummet. Projekte bis Alzey, an den Rhein oder Idar-Oberstein stehen an. 2017 hat das Unternehmen noch die Zulassung für Bahnprojekte erhalten. Die kommunalen Straßenbauprojekte hingegen würden weniger werden.
Trotzdem sprechen Blaser und Krummet von einer guten Auftragslage. Die aber auch entsprechend Mitarbeiter benötige. 177 Mitarbeiter zähle die Pirmasenser Niederlassung von Peter Gross Bau. „Wir haben diese Woche wieder fünf eingestellt“, erzählt Blaser. Jeden Samstag erscheine eine Annonce für weitere Stellenangebote. Neun Azubis werden ausgebildet. Blaser und Krummet hätten gerne mehr. Die Bewerberzahl gehe aber zurück. „Vor zehn Jahren hatten wir jedes Jahr 30 Bewerbungen. Jetzt sind es noch fünf“, beklagt Blaser das Desinteresse der Jugend.
Peter Gross Bau freue sich zwar über viele Jubilare, die jedes Jahr geehrt werden könnten. Das zeige aber auch, dass die Belegschaft schon in einem gewissen Alter sei. „Wir brauchen junge Fachkräfte“, so Blaser.
Jubilare
Im Bereich Straßen- und Tiefbau konnte Peter Gross Bau für zehnjährige Betriebszugehörigkeit Marko Nikolaus, Jonas Kowatzki, Frederic Reeb, für 25 Jahre Oliver Knörr und für 40 Jahre Andreas Weber ehren.