Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Ballett: Ohne Disziplin geht es nicht

Seit Mitte der 1980er Jahre bildet Gabriele Böhl Balletttänzerinnen in Pirmasens aus.
Seit Mitte der 1980er Jahre bildet Gabriele Böhl Balletttänzerinnen in Pirmasens aus.

Einen Einblick in die Welt des Ballett wurde Oberbürgermeister Markus Zwick gewährt. Am Dienstag besuchte er das Ballettstudio Böhl. Wie Inhaberin Gabriele Böhl berichtet, haben sich nicht nur die Choreografien, sondern auch die Schüler gewandelt.

Die Pirmasenser Ballettschule ist inzwischen 67 Jahre alt, vor zwei Jahren wurde das 65. Jubiläum groß gefeiert. 1954 war es zunächst Gisela von Stosch, die das Studio in Pirmasens, nach einem bereits florierenden Pendant in Kaiserslautern, zunächst in der Mozartstraße gründete. Die Tänzerin Gabriele Böhl wiederum, die das Studio Mitte der 1980er Jahre übernahm, kam nach ihrer professionellen Tanzausbildung in Köln und diversen Engagements zunächst als Ballettlehrerin sowohl nach Kaiserslautern als auch nach Pirmasens. Viel über sich selbst erzählen will sie beim Besuch des Oberbürgermeisters nicht, für sie stehen ihre Schüler im Vordergrund, wie sie mehrfach betont.

Im großen Ballettsaal ausgebildet werden Kinder ab dreieinhalb Jahren bis ins Erwachsenenalter. „Dass Ballett heute noch ausschließlich mit Disziplin zu tun hat, bei der die Lehrer des Öfteren schreien, stimmt nicht mehr. Vielmehr ist Ballettunterricht heute eine gesunde Mischung aus Freude am Tanz und eben der Disziplin, mit der man dem Ganzen zwangsläufig begegnen muss“, sagt Böhl. Zu klassischer Musik haben ihre größeren Ballettschülerinnen einen Tanz einstudiert, den sie Markus Zwick darbieten. Auch die Kleinsten haben sich schon ihre Ballettschläppchen und rosa Kleidchen angezogen und warten aufgeregt auf ihren Einsatz.

Keine Luft für zeitaufwendiges Hobby

„Bei den ganz Kleinen steht noch das Spiel im Vordergrund, bei den Größeren wird es nach und nach durch Konzentration abgelöst. Es gibt in der heutigen Zeit durchaus Kinder, die bereits damit Probleme haben“, hat die langjährige Ballettlehrerin festgestellt. Hinzu kämen Bewegungsmangel und ein dadurch verloren gegangenes Körpergefühl. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als jedes Mädchen davon träumte, als Prima Ballerina auf der Bühne zu stehen, seien es mittlerweile vielleicht noch ein Drittel der Kinder, die professionellen Ballettunterricht möchten. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass es für Kinder und Jugendliche heutzutage viel mehr Angebote gibt als früher. Die Eltern arbeiten zudem inzwischen oft beide und sind auf Ganztagsschulen angewiesen. Da bleibt für die Kinder oft keine Luft für ein zeitaufwendiges Hobby“, so Böhl weiter.

Die Corona-Pandemie und der lange Lockdown haben nicht zuletzt auch ihrem Ballettstudio zugesetzt. Dennoch seien viele ihrer aktuellen Schülerinnen – derzeit sei „leider“ kein Junge dabei – schon lange in der Arnulfstraße präsent und mit Freude bei der Sache. „Die Krux am Ballett ist eben, dass man den Fortschritt, den man macht, erst spät sieht. Das erfordert natürlich Geduld, die meine aktuellen Schülerinnen aber durchaus mitbringen“, so die gebürtige Mannheimerin, die inzwischen im Landkreis Kaiserslautern lebt, weiter.

Keine Wartelisten

In die hellen und offenen Räumlichkeiten mit Schwingboden, Spiegelwand und Ballettstangen in der Arnulfstraße kommen aber nicht nur Mädchen, sondern auch erwachsene Frauen, die den Tanz vorwiegend als sportliche Betätigung ansehen anstatt als Vorbereitung für ein klassisches Training. „Damit fördern sie ihre körperliche Koordination“, wie die professionelle Tänzerin weiß.

Wie Böhl weiter verdeutlicht, gibt es in ihrem Ballettstudio keine Wartelisten. Wer sich für Ballettunterricht interessiere und neu hinzustoße, könne einfach in bestehende Gruppen integriert werden. „Gerade die Kleinen lernen so schneller, als wenn man sie ausschließlich mit anderen Anfängern trainieren lässt“, sagt sie.

Info:

Das Ballettstudio Böhl in der Arnulfstraße 54 ist telefonisch unter 06331 97316 sowie unter www.ballettstudio-boehl.de zu erreichen.

x