Pirmasens B10-Ausbau: Gute oder verheerende Idee?
Die Bürgerinitiative „B10 – vier Spuren jetzt“ weist darauf hin, dass es beim Lückenschluss im vierspurigen Ausbau der B10 zwischen Hinterweidenthal und Landau-Godramstein nicht darum gehe, eine neue, vierspurige Straße von Pirmasens nach Landau zu bauen und damit Verkehrsströme anzuziehen. Die B10 sei jetzt schon – bis auf 800 Meter bei der Felsnase Hauenstein und die Tunnelstrecke bei Annweiler – durchgängig dreispurig und werde je nach Abschnitt täglich von 28.000 bis 40.000 Fahrzeugen genutzt. Damit sei die B10 eine der am stärksten frequentierten Bundesstraßen in Rheinland-Pfalz. Durch den Ausbau werde für den Autoverkehr eine sichere und staufrei zu befahrene Straße hergestellt. Der Ausbau dient aus Sicht der Bürgerinitiative der Reduzierung von klimaschädlichem CO2, da etwa die Fahrstrecke von Saarbrücken nach Karlsruhe über die B10 mindestens 40 Prozent kürzer sei, als alle anderen Verbindungen. Ein Transitverbot auf der B10 sei daher kontraproduktiv.
Ganz anders äußern sich die Grünen des Landkreises Südwestpfalz, die gemeinsam mit den Kreisverbänden Südliche Weinstraße und Landau einen offenen Brief ans MAB-Nationalkomitee beim Bundesamt für Naturschutz geschickt haben. Die Grünen weisen auf „die aus unserer Sicht nicht hinnehmbaren“ Folgen für Natur, Mensch und Tiere hin. Der Ausbau der B10 schränke die Biodiversität und Lebensräume von Wildtieren und Insekten ein, „zumal derzeit gerade einmal zwei zusätzliche Wildbrücken für die gesamte Strecke vorgesehen sind“. Die jüngste Ausbaumaßnahme am Teufelstisch bei Hinterweidenthal habe „40 Hektar wertvollste Wald- und Wiesenflächen mitten im Biosphärenreservat Pfälzerwald vernichtet“. Bei den nächsten 35 Kilometern gingen weitere 250 bis 300 Hektar verloren. Zudem befürchten die Grünen mehr Lastwagen und Autos auf der Strecke: Am Ende seien es 10.000 statt bisher 3500 Lkw am Tag. Das belaste das Klima.
Zudem wird nach Meinung der Grünen die regionale Wirtschaft durch Vollsperrungen und Umleitungen über 30 bis 40 Jahre geschwächt. Derweil sei ein „landschaftsverträglicher Ausbau pure Illusion“. Die Grünen fordern eine Stellungnahme des MAB-Komitees, des deutschen Nationalkomitees für das Unesco-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“.