Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Bösbrunnen trocken: Verwaltung sucht nach dem Grund dafür

Seit mehreren Tagen führt der Bösbrunnen im Blümelstal kein Wasser mehr. Die Frage nach dem Warum ist noch offen.
Seit mehreren Tagen führt der Bösbrunnen im Blümelstal kein Wasser mehr. Die Frage nach dem Warum ist noch offen.

Die Natur hat’s gegeben – die Natur hat’s genommen. Zumindest vorerst. Denn der Bösbrunnen, ein Naturdenkmal im Blümelstal, führt aktuell kein Wasser mehr. Woran das liegt, sei noch offen, so die Untere Naturschutzbehörde bei der Stadt.

„Auch die Experten sind über die Tatsache erstaunt, da wir ein insgesamt feuchtes Jahr erleben und zumal die ungefasste Quelle selbst in den vergangenen extrem trockenen Sommern den Bösbrunnen zuverlässig gespeist hat“, antwortet Stadt-Sprecher Maximilian Zwick auf eine entsprechende RHEINPFALZ-Anfrage. Nicht auszuschließen sei, dass es zu Verschiebungen im Untergrund gekommen ist – in Folge des Extremwetterereignisses an Pfingsten und späteren Stürmen. Dabei seien zahlreiche Bäume oberhalb des Brunnens entwurzelt worden. Erste Grabungen von Hand seien ergebnislos geblieben. Jetzt muss voraussichtlich der städtische Wirtschafts- und Servicebetrieb (WSP) mit Baggern ran, sagt Ortsvorsteher Walter Kossin. Die Experten wollen dadurch Erkenntnisse gewinnen, ob sich möglicherweise das Wasser hinter den Felsen staue.

Laut Pressesprecher Zwick sei auch eine Verlagerung des Quellstroms nicht gänzlich auszuschließen. Dies könnte bedeuten, dass der Quelltopf auf unbestimmte Zeit trocken fällt. Ob dies bedeute, dass der Bösbrunnen irgendwann den Status „Naturdenkmal“ verliert, sei noch offen. Naturdenkmäler sind durch Rechtsverordnung festgelegte „Einzelschöpfungen“ der Natur. So definiert das Landespflegegesetz den Begriff Naturdenkmal.

Brunnen lieferte den Hengsbergern Wasser

Der Bösbrunnen lieferte vor 1907 das Trinkwasser für Hengsberg. Außerdem wurde das Vieh hier getränkt, das Trinkwasser geholt und natürlich wuschen die Frauen hier auch ihre Wäsche. Anschließend mussten sie 500 Meter den steilen Berg nach Hengsberg hinauflaufen.

Im Jahr 1907 wurde der heutige Pirmasenser Ortsbezirk an die Trinkwasserversorgung angeschlossen und der Bösbrunnen deshalb kaum noch genutzt. Jahrzehntelang schlummerte der Brunnen unter meterhohem Gestrüpp. Zwei Hengsberger Bürger, Walter Kossin und Michael Hoffmann, ergriffen im Jahr 2012 die Initiative und erweckten den Brunnen mit wechselnden Helfern aus seinem Dornröschenschlaf. Zwei Jahre schufteten die beiden, haben das völlig verwilderte Areal gerodet. Die Randbereiche der Wasserfläche wurden mit Sandsteinen befestigt und zwei größere Steinblöcke als „Waschsteine“ platziert. Im Frühjahr 2015 stellte die Stadt eine Sitzbank auf, die sehr gerne benutzt werde, erzählt Kossin. Zudem berichtete im Dezember 2017 das SWR-Fernsehen in der Sendung „Hierzuland“ über das Naturdenkmal. Eine Infotafel, die am Dynamikum-Rad- und Wanderweg steht und zu einem Abstecher an den Bösbrunnen animiert, informiert in drei Sprachen über die Bedeutung des Brunnens für die Hengsberger in früheren Jahren.

Auch in heißen Sommern normalerweise voller Wasser

In der Hengsberger Broschüre „Historischer Rundwanderweg“ beschreibt Michael Hoffmann, profunder Kenner der Ortsgeschichte, dass es in Hengsberg früher mehrere Brunnen gegeben habe. Sie reichten offensichtlich nicht aus, um Menschen und Tiere immer mit Trinkwasser zu versorgen. Der Bösbrunnen hingegen lieferte selbst in extrem heißen Sommern reichlich Wasser. Dort brachten die Hengsberger Frauen die Wäsche zum Reinigen hin. Nach mündlicher Überlieferung sah dieser Ort früher so aus: Das Quellwasser trat aus zwei nebeneinander liegenden Stellen zwischen Sandsteinbrocken aus dem Hang hervor. Im Quellbereich wurde das Trinkwasser entnommen und zumeist von Kindern ins Dorf gebracht.

Der Waschbrunnen befand sich, dem natürlichen Gefälle entsprechend, links davon. Die Vertiefung hatte eine unregelmäßige ovale Form; Länge etwa fünf Meter, Breite bis zwei Meter, größte Tiefe zirka 50 Zentimeter. Mehrere Sandsteinquader im Randbereich dienten als Ablage und zum „Klopfen“ der Wäsche. Die Ableitung des Wassers erfolgte die ersten drei Meter durch Rohre, anschließend führte ein offener Gaben durch die Wiese zum Blümelsbach. Auch der Einbau von Schachtrinnen, Rohren und Betonhalbschalen hatte die ursprünglichen Gegebenheiten verfälscht. Es war geplant, die Wasserfläche wieder zu vergrößern, die Schachtringe zu entfernen und eine kulturhistorische Rekonstruktion der gesamten Anlage vorzunehmen. Der Naturschutzbeirat gab im Januar 2012 seine grundsätzliche Zustimmung. Allerdings müssen die Betonrohre und Schachtringe erhalten bleiben, weil deren Bedeutung nicht geklärt werden konnte, hieß es.

Sowohl von Einheimischen als auch von Wanderer und Radfahrer werde der idyllische Platz gerne besucht, erzählt Ortsvorsteher Walter Kossin. „Mein absoluter Lieblingsplatz ist es sowieso“, fügt er hinzu.

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