Pirmasens
Autokino auf dem Messplatz
Kino geht nicht, aber beim Autokino sei doch jeder in einem eigenen Käfig drin, ermunterte Tankstellenbetreiber Andreas Gußenbauer aus Landau die Macher vom Lager 14. Jonas Heinemann, Manuel Bohrer und Frederik Rößler waren von der Idee ihres Freundes auf Anhieb begeistert. Und die Stadt Pirmasens auch. Eine Nachfrage in Mainz war zwar nötig. Doch von dort kam die Nachricht, dass jede Kommune für derartige Projekte eigenverantwortlich entscheide. Das bedeutete: grünes Licht.
Infektionsschutz gilt auch im Autokino
Die Infektionsschutzmaßnahmen gelten natürlich auch für Cineasten. Pro Auto sind nur zwei Personen gestattet, die nicht demselben Haushalt angehören. Bei mehr als zwei Personen in einem Auto wird anhand des Personalausweises geprüft, ob das Auto Corona-tauglich ist, erläutert Rößler das Prozedere.
Natürlich brauchten die Organisatoren einen Moment, um sich auf das Projekt einzulassen. Denn die Soforthilfe, die sie für ihren Club beantragt haben, ist noch nicht eingetroffen. Dafür haben sie Sponsoren aufgetan, darunter die Sparkasse Südwestpfalz, die das Kino auf dem Messplatz finanziell unterstützen.
Platz für 300 Autos
300 Autos sollen auf dem Messplatz ins Autokino passen. Die entsprechenden Parkflächen werden markiert. „Mit einem Kreidespray wie bei der Bundesliga, um Strafraum und Mittelkreis auf Fußballplätzen einzuzeichnen“, erzählt Frederik Rößler vom Lager 14 mit einem Augenzwinkern.
Probleme von genervten Anwohnern erwarten die Organisatoren nicht. Autokino sei ja wie Stummfilme gucken, meint Rößler. Der Ton zum Film werde über das Autoradio empfangen, erklärt der Organisator. Deswegen sei es notwendig gewesen, eine Funklizenz zu beantragen. Und die sei jetzt erst erteilt worden, sonst hätte das Kinoevent schon vergangene Woche stattgefunden.
Sondergenehmigung notwendig
An Initiativen, die für alle Filmfans die abstandssichere Form des Autokinos wiederbeleben möchten, vergibt die rheinland-pfälzische Medienanstalt laut einer Mitteilung derzeit kostenfrei die notwendige rundfunkrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung. „Wir freuen uns über die kreative Dynamik, die der Lockdown im Land ausgelöst hat. Wir unterstützen gerne alle, die sich dafür einsetzen, den kulturellen Hunger in der coronabedingten Schließungszeit per Internet-Liveübertragung oder in der guten alten Form des Autokinos zu stillen,“ begründet Marc Jan Eumann, Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation, die aktuell vereinfachten rundfunkrechtlichen Verfahren. Entsprechende Anträge werden in der Medienanstalt ohne Erhebung von Kosten bearbeitet.
Es werden fünf Filme gezeigt
Um die Filme auszusuchen, haben sich die Pirmasenser Initiatoren unter den Kinostarts umgesehen. „Klar waren sofort die Känguru-Chroniken, weil der Film in Pirmasens nur ein paar Tage lief“, erzählt Rößler, der sogar „Star Wars“ als Highlight im Blick hatte. Doch da machte der Verleiher nicht mit. Deswegen gibt es jetzt „Bad Boys“ als Actionfilm. Wichtig war dem Team, dass für alle etwas im Programm ist. Autorenkino, Blockbuster, eine deutsche Produktion und etwas für die Kinder werden über eine 128 Quadratmeter große Leinwand flimmern. Im Programm sind „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“, Simon Verhoevens „Nightlife“ und „Once upon a time in Hollywood“ von Quentin Tarantino.
Popcorn und Cocktails gebe es nicht. „Wir wollten eigentlich ein Snackpaket anbieten, doch das war nicht möglich“, berichtet Rößler ein wenig enttäuscht. Aber so bleibe alles absolut kontaktlos. Die Kinokarten gebe es online, deren Code werde durch die geschlossene Beifahrerseite gescannt. Sogar für sanitäre Anlagen ist gesorgt, die regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Abstandsregelungen würden auch hier vom Ordnungspersonal überwacht.