Pirmasens Ausstellung im Alten Rathaus widmet sich den „Malweibern“

 "Das Tal" von Franz Hein, dem Gründer der Künstlerkolonie Obersteinbach, ist in der Sonderausstellung zu sehen.
»Das Tal« von Franz Hein, dem Gründer der Künstlerkolonie Obersteinbach, ist in der Sonderausstellung zu sehen.

Der Künstlerinnenkolonie im elsässischen Obersteinbach widmet das Museum Altes Rathaus in Pirmasens die Sonderausstellung „Der Wasgenwald: Waldbilder, Märchen und Idyllen“. Ab Samstag, 17. September, können Kunstwerke, Fotografien und Dokumente der sogenannten Malweiber besichtigt werden.

Begeistert von der bunten Hügellandschaft und den Sandsteinburgen, darunter Fleckenstein und Wasigenstein, gründete der Karlsruher Professor Franz Hein 1896 in Obersteinbach eine kleine Kunstschule, die bald regen Zulauf fand. Er gab Frauen Unterricht, weil diese damals nur in Ausnahmefällen an Kunstakademien studieren durften. Es entstand ein „Worpswede der Nordvogesen“, dessen Erzeugnisse sich später unter anderem in Galerien in München, Halle, Karlsruhe und Wien wiederfanden.

Im Besonderen waren es Künstlerinnen, die jenseits der starren Akademien nach künstlerischer Freiheit und Selbstbestimmung suchten. Zu ihren Sujets gehörten blühende Bäume, Waldstücke und Gebäude – alles Motive, die seinerzeit an den Kunstakademien als „malunwürdig“ galten.

Dokumentiertes Leben

Nicht wenig verwundert waren die Dorfbewohner über die mondänen Damen, die ausgerüstet mit Staffelei und Sonnenschirm in die Landschaft zogen. Die Bezeichnung Malweiber war durchaus etwas abschätzig – und doch ergab sich aus diesem Spannungsfeld städtischen Lebens und dörflicher Beschaulichkeit eine Belebung, die sich vor allem in einer sich verändernden Infrastruktur niederschlug – mit Cafés und Hotels, die zum Teil bis heute erhalten sind. Die touristische Bedeutung zeigt sich auch daran, dass es kaum einen Ort im Nordelsass gibt, der sich auf derart vielen Ansichtskarten wiederfindet wie Obersteinbach.

Neben den 25 Kunstwerken, zum überwiegenden Teil Originale, dokumentiert die Ausstellung insbesondere das Leben der Malerkolonie, sowohl in Fotografien als auch in Briefen, Lithografien, Skizzenbüchern, Holzschnitten und Kunstmappen. Besonders beeindruckend ist ein Gästebuch mit Zeichnungen und zahlreichen Aufnahmen des Lebens vor Ort. Neben der Malerei nutzten die Künstlerinnen auch Gedichte, um ihr starkes Gefühl für die Landschaft auszudrücken.

Ein idyllisches Flecken Erde

Der Wasgenwald galt insbesondere dem Gründer der Malerkolonie, Franz Hein, als ein Ort des Märchens und der Idylle. Lange Zeit schon war er auf der Suche, hatte Studienreisen an mehrere Orte unternommen, als er auf einer Durchreise dieses idyllische Fleckchen Erde entdeckte. „Wasgenwald“ gilt als eine alte Bezeichnung der Mittelgebirgslandschaften Wasgau und Vogesen. Nachdem Hein in Obersteinbach Rast gemacht hatte, war es für ihn entschieden, dass er nun endlich, am Fuße des Wasigensteins, das „Land des Märchens“ gefunden hatte. Dieser sagenhafte Charakter mag auch damit zusammenhängen, dass die Burg Wasigenstein bereits im damals populären Waltharilied eine Rolle spielt. So soll sie der Schauplatz einer in der Heldendichtung erzählten Schlacht gewesen sein.

Der zufällige Fund eines Korbs

Insgesamt zwölf Jahre blieb Obersteinbach Anlaufpunkt für Kunstschaffende, bis 1918, zum Ende des Ersten Weltkriegs, als aus der damaligen Bezirks- eine Staatsgrenze wurde, die Einreise und Aufenthalt erschwerte. Obwohl noch manche der Kunstwerke in Museen ausgestellt waren, geriet die Malerkolonie in Vergessenheit. Der zufällige Fund eines Weidenkorbs mit Lithografien der ehemaligen Schülerinnen auf einem Speicher entpuppte sich als Glücksfall. Durch das Engagement des ansässigen Heimatvereins, darunter Christelle Ullmann, sowie durch die Bemühungen von Bernhard Bonkhoff, der sich auf Spurensuche begab, kamen immer mehr Dokumente, Bilder und Kunstwerke zum Vorschein, die inzwischen in den zwei Bänden „Die Malerkolonie Obersteinbach, Colonie des Peintres, 1896-1918“ zusammengefasst sind.

Auf Bonkhoffs Recherchen sowie auf die Leihgaben des Heimatvereins Obersteinbach gründet sich die Sonderausstellung im Alten Rathaus.

Info

Die Ausstellung „Der Wasgenwald: Waldbilder, Märchen und Idyllen. Die Malerkolonie in Obersteinbach“ ist vom 17. September bis zum 28. Februar im Museum Altes Rathaus, Hauptstraße 26, zu sehen. Die Einrichtung ist dienstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Die Eintrittskarte berechtigt auch zum Besuch der Dauerausstellung „Wald, Schloss, Schuh – die Geschichte der Siebenhügelstadt Pirmasens“ sowie des Scherenschnittkabinetts der Papierkünstlerin Elisabeth Emmler. Infos gibt’s beim Stadtarchiv, Telefon: 06331 842299, E-Mail: stadtarchiv@pirmasens.de.

Amelie de Dietrich stieß mit 20 Jahren zu den „Malweibern“.
Amelie de Dietrich stieß mit 20 Jahren zu den »Malweibern«.
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