Pirmasens Aus Syrien zur Sparkasse

Derzeit durchläuft Mahmoud Barazi wie seine deutschen Kollegen die unterschiedlichen Abteilungen der Sparkasse Südwestpfalz.
Derzeit durchläuft Mahmoud Barazi wie seine deutschen Kollegen die unterschiedlichen Abteilungen der Sparkasse Südwestpfalz.

Zwei Dinge sind für Mahmoud Barazi wichtig: Hier in Deutschland in seinem Traumberuf zu arbeiten und seine Mutter und Schwester möglichst schnell wiederzusehen. Das erste Ziel hat der 29-jährige Syrer inzwischen geschafft. Zurzeit absolviert er eine Ausbildung zum Sparkassen-Kaufmann bei der Sparkasse Südwestpfalz. Am Besuchervisum für die Familie arbeitet er ebenfalls mit Nachdruck.

Barazi hat in Syrien Betriebswirtschaft studiert und danach zwei Jahre lang in der Risikoabteilung einer Bank gearbeitet. Er sei „ein Zahlenmensch“, das liege ihm, erzählt er. Sein Bachelor-Abschluss ist in Deutschland anerkannt, dennoch schien der Weg zu einer Stelle bei der Bank unerreichbar. Seine Freunde und auch die Berufsberater hätten ihm abgeraten. Die Systeme seien dafür zu unterschiedlich. „Such dir etwas anderes“, lautete der Rat. Aber genau das wollte Barazi nicht. 2015 kam er nach eigenen Worten über die Türkei und die Balkan-Route nach Deutschland. Nach Frankfurt oder Köln wollte er, wo die Banken sind. Gelandet ist er in Münchweiler. Schnell habe er versucht, sich die unbekannte Sprache selbst beizubringen, berichtet er. Er suchte Kontakt zu Einheimischen, spielte Fußball, hat sich einen Freundeskreis aufgebaut. Nach einem Jahr wurde er offiziell als Flüchtling anerkannt. Beim Spracheinstufungstest erreichte er damals bereits das Niveau B1. Das bedeutet, dass er die meisten Situationen, denen er im Alltag begegnete, schon damals in deutscher Sprache bewältigen konnte. Neben den Sprachkursen hat sich der ehrgeizige junge Mann zugleich fachlich weitergebildet, hat eine Woche an der Hochschule Kaiserslautern ein betriebswirtschaftliches Seminar besucht. Die Bewerbung um ein sechswöchiges Praktikum bei der Bank war für ihn eine logische Folge. Dort kümmerte sich Thomas Belzer, Filialdirektionsleiter, um den jungen Syrer. „Wir haben ein Sonderprogramm für ihn erstellt, damit er die Sprache noch besser lernt“, erzählt er. Dazu gehörte unter anderem die tägliche Lektüre der Zeitung. Belzer sah schnell das Potenzial des jungen Mannes, und so wurde das Praktikum auf drei Monate verlängert. „Wir wollten ihm eine Perspektive bieten“, sagt er. Die hat sich für Barazi inzwischen ausgezahlt. Seit Mai absolviert der Syrer nun eine Sparkassen-interne, einjährige Ausbildung. „Sein Studium wurde in Deutschland zwar anerkannt, es fehlen ihm aber die spezifischen Bank- und Sparkassenkenntnisse“, erläutert Belzer. Für die Ausbildung pendelt Barazi nun mit einem Arbeitskollegen nach Mainz. Die erste Zwischenprüfung habe er mit 90 Prozent geschafft, lobt der Mentor seinen Schützling. Nach dem Ende der Ausbildung habe Barazi dann die gleichen Perspektiven wie seine deutschen Kollegen auch, erläutert Belzer. Für die Bank sei er bereits jetzt eine Bereicherung. Nicht zuletzt, weil er arabisch spreche und zudem fachkundig sei. So habe er schon viele Unklarheiten und Fragen direkt am Info-Schalter lösen können. Barazi ist sichtlich begeistert von der Möglichkeit, in Deutschland in seinem Traumberuf Fuß fassen zu können. „Ich habe mein Leben gefährdet für diese neue Chance“, daher wolle er sie unbedingt nutzen. Seine Arbeit erfülle ihn, er fühle sich bei den Kollegen zu Hause, sagt er. Beim TuS/DJK Pirmasens hat er in der Fußball-Mannschaft zudem seine sportliche Heimat gefunden. Was ihm nun noch fehlt, ist das Wiedersehen mit Mutter und Schwester. Beide lebten in Damaskus, täglich stehe er mit ihnen in Kontakt. Gesehen aber hat er sie seit seiner Flucht nicht mehr. Alle Versuche, für die beiden ein Besuchervisum zu erhalten, seien bislang gescheitert. „Ich habe alle Auflagen der Behörden erfüllt, alle Dokumente geliefert“, berichtet er. Dennoch habe sich nichts getan. Nun hofft er, dass es vielleicht doch über die Weihnachtsfeiertage klappt und seine Familie für ein paar Wochen bei ihm sein kann. In der Zwischenzeit hat ihm seine Mutter einen großen Gefallen getan: Damit er bei seiner beruflichen Tätigkeit immer gut angezogen ist, hat sie ihm seine Anzüge aus Syrien zukommen lassen.

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