Pirmasens
Auftragskiller und Todesspiele in Pirmasens: 19-Jähriger leidet unter Wahnvorstellungen
Anfang des Jahres hat ein junger Mann aus Pirmasens versucht, seinen Nachbarn umzubringen. Der 19-Jährige muss sich vorm Zweibrücker Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.
Der Teenager verbrachte den Abend des 19. Januar in der Wohnung seines 64-jährigen Nachbarn. Sie plauderten über Geschichte und Katzen, ehe der Jüngere seinen Nachbarn hinterrücks attackierte, würgte und versuchte, das Genick des Rentners zu brechen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der junge Mann nur vermindert schuldfähig ist, da er an einer akuten paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie leide. Bereits jetzt wird der 19-Jährige in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Dort könnte er im Falle einer Verurteilung bleiben, anstatt inhaftiert zu werden.
Auftragskiller soll im Keller leben
Beim Prozessauftakt am Donnerstag nannte der Angeklagte seine Motive. Er sprach davon, dass er schon lange Angst um seine Familie habe. Er berichtete von Männern, die seine Eltern und Brüder töten wollen. Einer von ihnen sei ein Auftragskiller, der über eine längere Zeit im Keller des Mehrfamilienhauses auf der Husterhöhe gelebt haben soll. In diese Pläne sei auch sein 64 Jahre alter Nachbar verwickelt. Deshalb habe er Anfang Januar einen Entschluss gefasst: „Ich muss ihn ausschalten.“
Schon bevor er seinen Nachbarn angriff, geriet der 19-Jährige mit dem Gesetz aneinander: unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung. Er musste bereits einige Zeit im Jugendarrest verbringen und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Medikamente eigenständig abgesetzt
Als der Prozess am Freitag fortgesetzt wurde, trat die Bewährungshelferin des jungen Mannes in den Zeugenstand. Sie berichtete der Kammer, dass der 19-Jährige ihr von seinen psychischen Problemen erzählte. „Er sagte mir, dass er Schlafstörungen habe und dass er beobachtet und abgehört werde“, so die Bewährungshelferin. Das sei so weit gegangen, dass der Teenager in die Psychiatrie eingewiesen werden musste. „Das brachte eine Besserung, aber nach seiner Entlassung setzte er seine Medikamente eigenständig wieder ab“, ergänzte sie.
Ohne eine kontinuierliche Behandlung kam es zu wiederkehrenden Wahnvorstellungen. „Er begann von Tötungen in Pirmasens zu sprechen“, sagte die Zeugin. Er habe ihr erzählt, dass es ein Spiel gäbe, bei dem immer nur einer überlebt. „Aber er sagte, das seien keine Menschen. Er bezeichnete sie als Sexualstraftäter und Pädophile“, schilderte die Bewährungshelferin dem Gericht.
Todesstriche oder Rotznasen?
Für dieses vermeintliche Todesspiel habe der Angeklagte Beweise entdeckt. In einem Gebäude in Pirmasens will er 100 Striche gesehen haben. Jeder davon stehe für eine getötete Familie. Auch im Mehrfamilienhaus, wo der junge Mann mit seinen Eltern und Brüdern lebte, dokumentierte er mit einem Handyvideo Striche im Treppenhaus. Elf Stück sind in der kurzen Aufnahme zu sehen. Dementsprechend sollen elf Familien in dem Gebäude umgekommen sein. Der Plan der Auftragskiller sei, dass die Familie des 19-Jährigen als zwölfter Strich dazukommt.
Der Vorsitzende Richter Michael Schubert führte die Striche im Treppenhaus auf unsaubere Malerarbeiten zurück. Es seien „Rotznasen“ von der Wandfarbe, die auf die Fliesen gelaufen sind.
Der Prozess wird am Donnerstag, 18. Juni, ab 9 Uhr fortgesetzt. Bei diesem Termin soll der psychologische Gutachter seine Ergebnisse vorstellen. Außerdem werden die Plädoyers erwartet.
