Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Auch junge Kunden wollen persönliche Beratung

Wie sieht die Zukunft der Sparkasse Südwestpfalz aus? Vorstandsvorsitzender Peter Kuntz spricht mit Redakteur Guido Glöckner übe
Wie sieht die Zukunft der Sparkasse Südwestpfalz aus? Vorstandsvorsitzender Peter Kuntz spricht mit Redakteur Guido Glöckner über die aktuellen Entwicklungen.

Wie sieht die Zukunft der Sparkasse Südwestpfalz aus? Dieser Frage ist Redakteur Guido Glöckner im Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Kuntz nachgegangen.

Herr Kuntz, wie sieht es um junge Kunden bei der Sparkasse aus: Wandern sie zu hippen Online-Banken und Internet-Brokern ab? Droht die Sparkasse zur „Bank der Senioren“ zu werden?
Wir kommen inzwischen auf eine Quote von 80 Prozent bei der Nutzung des Online-Bankings und der Sparkassen-App, sind also erfolgreich online unterwegs – auch bei jungen Kunden. Für sie haben wir im Wertpapiergeschäft den Sparkassen-Broker plus, der Trend-Anbietern wie „trade republic“ nichts nachsteht. Und ich kann auch bestätigen, dass wir nicht viele junge Erwachsene als Kunden verlieren.

Allerdings muss ich zugeben: Es gelingt uns als Sparkassen nicht, unsere Angebote für junge Kunden besser bekannt zu machen, obwohl sie mit trendig erscheinenden Online-Mitbewerbern mithalten können. Aus diesem Grund haben wir bei der Sparkasse Südwestpfalz eine Arbeitsgruppe, bestehend aus jungen Mitarbeitern, ins Leben gerufen, um ein eigenes Konzept für junge Erwachsene auf die Beine zu stellen. Im dritten Quartal sollen erste Ergebnisse vorliegen, danach wollen wir schauen, was wir machen wollen.

Die Genossenschaftsbanken setzen in jüngster Zeit konsequent auf ein Bonussystem, das für Stammkunden günstigere Kontogebühren bietet, wenn sie möglichst viel mit ihnen zusammenarbeiten – und sie noch stärker binden soll. Braucht die Sparkasse auch ein solches Modell?
Ich bin ein Freund von Transparenz – und daher auch von einer sauberen Bepreisung der Konten, die nachvollziehbar ist. Denn Modelle mit einer Belohnung von Stammkunden sind nichts anderes als eine Quersubventionierung, wie wir sie schon einmal in größerem Rahmen hatten, als die Kontoführung kostenlos war. Und ich bezweifle, ob es gut ist, wenn Kunden auf Teufel komm raus noch zusätzliche Produkte abschließen müssen, nur um Kontogebühren zu sparen. Wir bleiben bei unserem Modell der Kontogebühren und geben lieber auf Geldanlagen wie die Sparkassenbriefe ein wenig mehr Zinsen – auch davon profitieren Kunden.

443 Mitarbeiter: Sparkasse hat wieder mehr Personal

Auch bei der Sparkasse Südwestpfalz gehen viele „Babyboomer“ in den Ruhestand – bekommt die Sparkasse ein Personalproblem? Gelingt es Nachwuchs zu finden – oder kann die Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze überflüssig machen?
Wir hatten im vergangenen Jahr tatsächlich einen Tiefststand mit 403 Mitarbeitern, momentan haben wir jedoch wieder 443 Beschäftigte. Es gelingt uns seit einigen Monaten sehr gut, neue Mitarbeiter zu akquirieren. Gerade im Kundenservice machen wir gute Erfahrungen mit branchenfremden Beschäftigten, die aus dem Verkauf in anderen Branchen kommen – und daher auch schon vertriebsorientiert denken. Sie werden bei uns ein halbes Jahr geschult – einige machen aber auch berufsbegleitend sogar die Sparkassenkauffrau beziehungsweise den Sparkassenkaufmann. Zum anderen gelingt es uns aber auch immer wieder, Fachkräfte von benachbarten Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu bekommen.

Seit sieben Jahren betreiben wir eine konsequente Personalplanung, die weit in die Zukunft blickt. Bis 2035 wissen wir, wer wann in Ruhestand geht, sodass wir auch schon perspektivische Einstellungen vornehmen und Nachfolger aufbauen können, gerade wenn es um Führungskräfte geht. Wir sind sogar in der feudalen Situation, dass wir – obwohl sie aus dem Tarifvertrag gestrichen wurde – bei der Sparkasse Südwestpfalz unseren langjährigen Mitarbeitern Altersteilzeitregelungen anbieten können.

Aber natürlich spiel die Künstliche Intelligenz auch eine Rolle: Bei Standardprozessen im Backoffice geht es gar nicht mehr ohne KI-Lösungen – das wäre von Menschenhand überhaupt nicht mehr machbar. Auch im Kundenservice kommt sie mehr und mehr zum Tragen, so können wir den digitalen Chatbot in unserer Internet-Filiale inzwischen in zehn Sprachen anbieten.

Auch beim Kundenservice in der Hauptstelle in Pirmasens bieten Sie inzwischen eine automatisierte Lösung an…
Wir haben festgestellt, dass sich zu Stoßzeiten längere Warteschlangen bilden, in denen auch Kunden warten, die einen festen Beratertermin haben. Mit einer neuen Lösung wollen wir diese Situation entzerren: An zwei Terminals können sich Kunden Nummern ziehen. Wer einen Beratertermin hat, kann seine Sparkassenkarte scannen lassen, sodass der Berater eine Meldung bekommt und den Kunden abholt. Zusätzlich haben wir einen speziellen Online-Schalter eingerichtet, an dem es nur um Probleme mit Online-Banking und der App geht.

Gefährdete SB-Stelle Trulben wird geschlossen

Seit einigen Monaten scheint Ruhe eingekehrt: Geldautomatensprengungen wurden in den vergangenen Monaten nicht mehr verzeichnet. Ist das ein Erfolg der verstärkten Sicherheitsmaßnahmen?
Ja, es ist Ruhe eingekehrt, aber dafür haben wir verdammt viel gemacht und verdammt viel Geld investiert. Wir haben vor jedem Geldautomaten inzwischen Rollläden, damit wir es den Automatensprengern schwer machen und diese Zeit verlieren, wir sind dabei, an allen Automaten eine Künstliche Intelligenz zu installieren, die Personen anspricht, die einen Helm aufhaben oder sich seltsam verhalten. Wir hatten diese Sicherheits-KI in Zweibrücken am Schloßplatz als eines von zwei bundesweiten Modellprojekten mit unserem Geldautomaten-Partner Keba getestet und führen sie nun flächendeckend ein. Inzwischen haben wir wirklich höchste Sicherheitsstandards, die uns aber auch eine halbe Million Euro gekostet haben.

In diesem Zusammenhang: Wir haben noch einen Standort, der uns Sorgen macht und den wir daher schließen: Die SB-Stelle in Trulben. Weil sie direkt mit der Kindertagesstätte verbunden ist, sehen wir ein hohes Risiko auch für die Kinder, wenn Geldautomatensprenger zuschlagen sollten. Diese nehmen keine Rücksicht auf Menschenleben, das hat die Vergangenheit gezeigt. Auch sieht die Polizei diesen Standort als besonders gefährdet an. Daher geben wir diesen Standort auf, stattdessen kommt künftig die fahrbare Geschäftsstelle nach Trulben, zudem befindet sich im Nachbarort Vinningen ja eine Geschäftsstelle.

Wie entwickelt sich bislang das Geschäftsjahr 2025? Welche Auswirkungen haben die erneuten Leitzinssenkungen und der wirtschaftliche Stillstand in Deutchland?
Wir sind mit dem bisherigen Verlauf des Jahres 2025 sehr zufrieden. Zwar ist erkennbar, dass wir das Betriebsergebnis der vergangenen beiden Jahre nicht ganz halten können, was aber der Zinssenkungspolitik der Europäischen Zentralbank geschuldet ist.

Wir als Sparkasse Südwestpfalz halten aber unsere Kundenanlagen und schichten um: Erhebliche Beträge gehen in Sparkassenbriefe. Gegen den Trend gelingt es uns sogar, das Kreditgeschäft mit Firmenkunden auszubauen, da ist ein moderates Wachstum vorhanden. Und selbst bei der Baufinanzierung ist eine leichte Steigerung vorhanden. Wenn sich das Jahr weiterentwickelt wie bisher, sind wir wirklich zufrieden.

Wir werden wieder eine Ausschüttung an unsere Träger Landkreis und Stadt Zweibrücken vornehmen, und über Stiftungen, Spenden und Sponsoring fließen 1,8 Millionen Euro in die Südwestpfalz – das darf nicht vergessen werden. Dazu gehört auch der Ausbau der Verbandsgemeinde-Stiftungen, die auf ein Volumen von einer halben bis zu einer Million Euro kommen sollen, damit die Verbandsgemeinden auch etwas mit den Erlösen anfangen können.

Bildschirmberatung ist immer stärker gefragt

Wie sieht die Zukunft des Geschäftsmodells „Regionalbank“ aus – wird die Sparkasse auch in 10 oder 20 Jahren noch so aussehen wie heute?
Vor 20 Jahren gab es schon den Abgesang auf die Sparkassen – und es gibt uns heute immer noch. Ich bin überzeugt, es wird uns auch noch in 20 Jahren geben, mit den gleichen Grundthemen wie heute. Es wird die volle Präsenz in der Fläche geben, denn viele Kunden – übrigens auch junge – wollen persönliche Beratung. Was ausgebaut wird, ist die Bildschirmberatung, da gibt es eine große Nachfrage. Und natürlich wird auch Online-Banking und Sparkassen-App ausgebaut. Was ebenfalls verstärkt gefragt ist: Beratung zuhause beim Kunden.

Um die Kundenströme in der Hauptgeschäftsstelle in der Pirmasenser Bahnhofstraße besser lenken zu können, müssen Kunden an zwei
Um die Kundenströme in der Hauptgeschäftsstelle in der Pirmasenser Bahnhofstraße besser lenken zu können, müssen Kunden an zwei Terminals im Eingangsbereich Nummern ziehen.
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