Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Alles, was mit Musik zu tun hat

Daniele Squeo ist neuer Generalmusikdirektor des Pfalztheaters Kaiserslautern.
Daniele Squeo ist neuer Generalmusikdirektor des Pfalztheaters Kaiserslautern.

Eigentlich wollte der frisch bestallte Chefdirigent des Pfalztheaters zur Spielzeit-Eröffnung die Oper „Tannhäuser“ dirigieren, die auch vor 25 Jahren zur Einweihung des neuen Hauses gespielt wurde. Corona hat alle Pläne durchkreuzt. Dennoch tritt Daniele Squeo das Amt des Generalmusikdirektors mit Vor- und Spielfreude an.

Hinter den Kulissen hat die coronabedingte Um- und Neuorganisation des Theaterbetriebs zweifelsohne für beträchtliche Arbeit gesorgt. So musste Intendant Urs Häberli wenige Tage vor der Premiere seine mit Spannung erwartete „Salome“-Inszenierung abblasen, die noch der scheidende Orchesterchef Uwe Sandner dirigiert hätte.

Die neue Saison wollte Häberli mit dem „Tannhäuser“ beginnen, der vor 25 Jahren schon einmal auf dem Programm stand. Damals wurde Wagners pompöser Drei-Stunden-Schinken zur Eröffnung des Theater-Neubaus aufgeführt.

Kultur in Zeiten von Corona

Die Jubiläumsfeier fällt jetzt ebenso ins Wasser wie ein aktueller „Tannhäuser“, mit dem sich der neue Generalmusikdirektor Daniele Squeo dem Lauterer Publikum vorstellen wollte. Stattdessen eröffnen Squeo und das Theaterorchester die von Häberli proklamierte „Interims-Saison“ morgen mit einem Konzert vor abstandsgeregelten Stuhlreihen. Das Schauspielensemble hat einige Auftritte auf dem Vorplatz, Chor und Ballett sind per Filmeinspielung mit von der abgespeckten Partie.

Die Kulturarbeit in Zeiten der Pandemie mag Squeo und Häberli an die Zerrissenheit des Ritters Tannhäuser erinnern, der den wahren künstlerischen Ausdruck irgendwo zwischen frommer Verzückung, heidnischer Sinnlichkeit und reiner Liebe zu finden trachtet.

Die erste Gemeinschaftsarbeit des seit acht Jahren amtierenden Intendanten mit dem neu bestallten GMD wird die Mozart-Oper „Die Milde des Titus“ sein, deren Premiere für den 31. Oktober vorgesehen ist.

Bruchlose Erfolgsgeschichte

Außerdem dirigiert Squeo den Liederabend „Und die Welt hebt an zu singen“ und „Die Italienerin in Algier“ seines Landsmanns Giuseppe Verdi. Der Neue am Lauterer Notenpult gilt als Spezialist für italienische Komponisten, hat er doch in den vergangenen Jahren in Moskau die Donizetti-Oper „Lucrezia Borgia“ sowie Rossinis „Cenerentola“ in Basel und den „Barbier von Sevilla“ bei den Bregenzer Festspielen dirigiert.

„Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich die italienische Musik nicht liebe“, sagt er. Der Mann aus Apulien spricht sanft, fast leise, formuliert bedachtsam und nahezu akzentfrei.

Ohne auftrumpfend zu wirken, verweist auf seine erfolgreichen Interpretationen anderer Klassiker der Opern-, Ballett- und Konzertliteratur: Gounod, Debussy und Massenet, Tschaikowski und Adam, auch Mozart, Weber, Wagner und Orff.

Die Biografie des 35-Jährigen aus der Gegend von Bari ist eine Erfolgsgeschichte ohne Brüche: Sohn eines Angestellten aus Terlizzi, Chorsänger, Studium als Pianist und Dirigent in Arezzo. 2008 kam er als Assistent des Leipziger Nikolaikantors nach Deutschland, studierte an der Liszt-Hochschule in Weimar, nahm mit Erfolg an diversen Dirigenten-Wettbewerben teil, bekam ein Stipendium des Deutschen Musikrats.

„Bestgeeigneter Bewerber“

Ab 2009 leitete Squeo mehrere Orchester in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz, mit Beginn der Saison 2013/14 ging er als Studienleiter und Kapellmeister ans Badische Staatstheater Karlsruhe. Bei der Neubesetzung des GMD-Postens in Kaiserslautern machte er im vergangenen Herbst das Rennen unter 87 Interessenten − als „der für unser Haus am besten geeignete Bewerber“, wie der Bezirksverband Pfalz als Träger des Theater verlautete.

Dienst am Orchester

Welche Qualitäten sollte ein guter Chefdirigent mitbringen? Daniele Squeo überlegt nur kurz, schließt die Augen, legt die Hände aufeinander. Dann sagt er: „Er sollte für die Leute im Orchester da sein, Verantwortung übernehmen für alles, was im Theater mit Musik zu tun hat.“

Das nimmt ihm der Gesprächspartner bedenkenlos ab − wiewohl die Beziehung zwischen Orchestern und Dirigenten mitunter ähnlichen Wellenbewegungen unterworfen ist wie eine Liebesbeziehung. Die Musikertruppe des Pfalztheaters hat offiziell 60 Planstellen. Üblicherweise sitzen um die 40 Orchestermitglieder auf der Bühne, in Coronazeiten dürften es knapp 30 sein. Dabei sind Abstandsregeln einzuhalten und gläserne Trennplatten aufzustellen.

Im Verein mit Intendant Häberli, Ballettchef James Sutherland und Chordirektor Gerhard Polifka hat sich Squeo also einiges vorgenommen für seine erste Saison am Lauterstrand. Neben der verschobenen „Salome“ sind zwei Tanzproduktionen, die Händel-Oper „Alcina“ und Verdis „Heilige Johanna“ geplant, außerdem die Operette „Der Vogelhändler“, das Rock-Spektakel „Paradise Lost“ und das Musical „Songs for a new World“.

Rock-Spektakel geplant

Auch eine Reprise des kurz vor der Corona-Pandemie gestarteten Lloyd-Webber-Musicals „Sunset Boulevard“ steht auf dem Programm. „Aber das ist alles noch in der Schwebe“, schiebt Urs Häberli vorsichtshalber ein. „Dennoch freuen wir uns auf unser Publikum und suchen unbedingt den Kontakt.“

Daniele Squeo nickt dazu. Pünktlich zum Amtsantritt am Pfalztheater hat er eine Wohnung in Kaiserslautern gefunden, am Sonntag will er die Schlüssel entgegennehmen. Auf die Frage, was ihn denn neben der Musik interessiere, zögert der Maestro. Er habe eine Freundin in Karlsruhe und verkoste gern Weinsorten: „Auch hier erhoffe ich mir in der Pfalz einige neue Eindrücke.“

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