Hauenstein / Lemberg / Landau
Albrecht Vogelsgesang: Autor und Kulturförderer mit 80 Jahren gestorben
Albrecht Vogelsgesang, Jahrgang 1943, wohnte viele Jahrzehnte in Hauenstein, wo er die Wasgau-Schule leitete. Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule Landau in den 1960er Jahren kam mit seiner Frau Traudel, die ebenfalls Lehrerin war, zunächst nach Hinterweidenthal, wo schon frühzeitig das Talent des Junglehrers auffiel.
Nach der Versetzung nach Hauenstein war er bald Hauptseminar-Leiter in der Lehrerfortbildung und avancierte zum Konrektor. Die Rektorenstelle übernahm er wenige Jahre später. Nach vielen Jahren als Rektor in Hauenstein wagte er 1992 den Sprung nach Lemberg, wo er bis zu seiner Pensionierung 2003 in Personalunion Rektor der dortigen Grund- und Hauptschule war.
Das Projekt „Kunst und Schule“
Es ist wohl das Markenzeichen von Albrecht Vogelsgesang, dass seine Pädagogik nicht in der Schule aufhörte, sondern sich ganzheitlich öffnete in alle kulturellen Nuancen. Er entwickelte als erster Schulleiter in der Pfalz überhaupt das Projekt „Kunst und Schule“ in Hauenstein und führte junge Menschen an Kunst jeglicher Art heran. Vogelsgesang, der als Literat und Autor schon einen pfalzweiten Namen hatte, holte damals auch überregional bekannte bildende Künstler und Literaten in die Schule. Die Ausstellungen, Lesungen und Konzerte machten die Wasgau-Schule landesweit bekannt.
Für Hauenstein war Vogelsgesang ein Glücksfall. Als die Gemeinde 1989 die ehemalige Schuhfabrik Hengen zum Kulturtreff „In der Fabrik“ umwandelte, fand man in Rektor Vogelsgesang einen dynamischen Motor, der ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite stand. Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen, einen überregionalen literarischen Wettbewerb des Literarischen Vereins der Pfalz zum Thema „Fabrik“ nach Hauenstein zu holen. Das von Vogelsgesang mitgegründete Hauensteiner Modell „Kultur im Dorf“ erfreut sich derzeit in der dritten Generation wachsender Beliebtheit: und ist ein gelungenes Beispiel, wie ein Dorf seine Kulturszene weiterentwickelt. Nicht zu vergessen bei seiner Arbeit in Vereinen und Verbänden ist auch die dynamische jahrelange Leitung der Volkshochschule Hauenstein, bei der er auch als profunder Reiseleiter zu vielen Kulturzielen in Aktion war.
Fröhlicher, optimistischer Textemacher
Schon als Jugendlicher griff Vogelsgesang zur Feder und reflektierte seine nach eigener Aussage „ärmliche und entbehrungsreiche Kindheit in Vorderweidenthal“. Die späteren Arbeiten in Lyrik und Prosa zeigen auch den zeitkritischen Beobachter Vogelsgesang. Dennoch blieb der fleißige Autor vor allem der fröhliche und optimistische Textemacher, der sich an Eduard Mörike orientierte. Seit der Ersterscheinung der Pirmasenser und Zweibrücker Heimatkalenders in den 1960er Jahren saß Vogelgesang in der Redaktion und veröffentlichte jedes Jahre zahlreiche Kurzgeschichten und Lyrik.
„Einfach schön“ heißt eines seiner viel gelesenen Bücher – und „einfach schön“ ist überwiegend die Lebenswahrnehmung des naturverbundenen und tierliebenden Albrecht Vogelsgesang. Seine Kraft schöpfte der Pädagoge und Literat aus seinem Glauben und seiner Eingebundenheit in die protestantische Kirchengemeinschaft. Er war lange Jahre Presbyter, aktiver Gottesdiensthelfer und Prädikant. Noch lange nach seiner Pensionierung bis zu seiner langen Krankheit predigte er immer wieder in Hauenstein, das ihm zur zweiten Heimat geworden war.
Die Beerdigung von Albrecht Vogelsgesang findet am Donnerstag, 28. September, 12 Uhr, auf dem Hauptfriedhof in Landau statt.