Pirmasens Adventskalender (2): Nase an der Scheibe platt gedrückt

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„Als ich Kind war, hatte man noch keine üppige Weihnachtsdeko. In der Allee- und der Hauptstraße hing festliche Beleuchtung, aber dass die Leute ihre Fenster dekorierten, war nicht üblich. Am Tag vor dem ersten Advent wurde der Adventskranz aufgestellt – und das war alles“, erinnert sich die gelernte Physiotherapeutin Ortrud Weimann, die in der Pirmasenser Hauptstraße aufgewachsen ist, als diese noch keine Fußgängerzone war. „Ein Höhepunkt der Vorweihnachtszeit war für mich immer, wenn mein Vater mich ins Auto packte und wir abends auf die Husterhöhe gefahren sind, um die bunte Fensterdekoration der Amerikaner zu bestaunen. Da habe ich mir dann die Nase an der Scheibe platt gedrückt und gewusst, dass es nicht mehr lange dauert, bis das Christkind kommt“, sagt die Mittfünfzigerin, die seit vielen Jahren in Ruppertsweiler wohnt. „Fast jeder hat heute Weihnachtsdeko an den Fenstern, aber damals war das etwas, das man nur da sah, wo Amerikaner wohnten.“ Als jüngstes von vier Kindern genoss sie die besondere weihnachtliche Aufmerksamkeit der Eltern, zumal die Geschwister alle wesentlich älter waren. Die Großeltern wohnten mit im Haus und unterhielten sie, bis endlich Zeit für die Bescherung war.„Ich war tagelang schon immer so aufgeregt, dass ich regelrecht krank geworden bin und Fieber hatte. Wenn das Glöckchen im Treppenhaus die Bescherung einläutete, war ich glückselig. Es gab ein oder zwei neue Puppenkleider und ein bisschen Krimskrams, das reichte vollkommen aus. Am Heiligabend wurden der Kaufladen und das Puppenhaus vom Speicher geholt, bis zum Drei-Königs-Tag konnte man damit spielen. Das traditionelle Weihnachtsessen bestand aus Lakcervelat, Püree und Sauerkraut. Wenn mir heute irgendwo der Geruch dieses Essens in die Nase steigt, verbinde ich das sofort mit Weihnachten, mehr noch als Plätzchenduft und Kerzenwachs.“ (rezi)

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