Pirmasens 63 Minuten souverän, 27 Minuten katastrophal
. Eine Mischung aus Ratlosigkeit und Enttäuschung stand im Gesicht von Alexander Heinze geschrieben, als er am Samstagnachmittag vom Rasen des schmucken Stadions auf der Waldau ging. Gerade hatte der Innenverteidiger mit dem FK Pirmasens das seltsame letzte Fußball-Regionalligaspiel vor der Winterpause beim VfB Stuttgart II mit 1:4 (1:0) verloren – RHEINPFALZ am SONNTAG informierte. „Dass man 60 Minuten so und 30 Minuten so spielt, habe ich in dieser Ausprägung wohl noch nicht erlebt“, sagte Heinze. Seine Mannschaft hatte die Begegnung unterm Stuttgarter Fernsehturm, der in der tief stehenden Wintersonne seinen Schatten übers ganze Spielfeld warf, lange im Griff gehabt, verdient 1:0 geführt und dem VfB erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die erste echte Torchance gestattet, bei der FKP-Keeper Daniel Kläs gegen Max Besuschkow parierte. Heinze: „Wir standen gut, waren aggressiv und hätten 2:0 oder 3:0 führen müssen.“ Eine völlig korrekte Feststellung. Es stimmte zunächst alles beim Pirmasenser Auftritt. Aus einer sehr sicheren, konzentrierten Abwehr heraus fuhren die Pirmasenser immer wieder zügige Angriffe über Patrick Freyer (links) und Felix Bürger (rechts), der den Vorzug vor Dominik Rohracker bekommen hatte. Charlie Rugg gab in Vertretung des verletzten Benjamin Auer einen sehr präsenten, beweglichen Mittelstürmer. Es ergaben sich Chancen, aber nur ein Tor durch Freyers knallharten Elfmeter (45.). Mal klärte der lange VfB-Verteidiger Stjepan Radeljic bei Freyers Top-Chance auf der Linie (41.), mal pfiff der Schiedsrichter Abseits, als Rugg das 1:0 erzielt zu haben schien (29.), mal wurden die Schüsse von Bürger und Salif Cissé (11.) geblockt. Tretter: „Uns hat auch ein bisschen das Glück gefehlt.“ Und dann diese unfassbare Szene in der 56. Minute, als erst Rugg und im Nachschuss Freyer in 1a-Position den Ball nicht im VfB-Tor unterbrachten. „Wenn wir da das Tor machen, kommen die Stuttgarter nicht mehr zurück“, schätzte FKP-Präsident Jürgen Kölsch. Vermutlich wär’s so gewesen. Doch das 2:0 blieb aus, und sieben Minuten später gelang dem Stuttgarter Max Besuschkow das 1:1. „Ein Sonntagsschuss“, wie Heinze meinte. Nun, man hatte da aber schon den Eindruck, dass der 28-fache Juniorennationalspieler den Ball genau da haben wollte, wo er ihn recht ungestört hinzirkelte. „Ein Weltklassetor“, fand daher FKP-Mittelfeldspieler Can Özer. Als nur drei Minuten später FKP-Ersatzkapitän David Becker einen Schuss von Pascal Breier so abfälschte, dass der Ball unhaltbar zum 2:1 für Stuttgart einschlug, war die Partie gedreht. Der FKP war geschockt, zu keiner Reaktion mehr fähig, das Team brach auseinander. Heinze: „Wir haben völlig die Ordnung verloren.“ Warum dies so war, konnte er sich nicht erklären. Die jungen Hochbegabten des VfB spielten nun groß auf, stießen allerdings auf fast keinen Widerstand mehr. Der bis zur 63. Minute so souveräne FKP kassierte noch die Gegentore drei und vier durch den Kanadier Caniggia Elva und den US-amerikanischen U20-Nationalspieler Joel Sonora – und musste „letztlich sogar froh sein, nicht noch höher verloren zu haben“, wie Trainer Peter Tretter einräumen musste. Trotz des 1:4, das ein Torverhältnis von minus 17 bescherte, überwintert der FKP auf dem siebtletzten Platz, dem ersten ganz sicheren Nichtabstiegsrang. Deshalb blickt auch Özer zuversichtlich in die Zukunft: „Natürlich wären wir lieber mit 28 als mit 25 Punkten in die Pause gegangen, aber wir stehen über dem Strich und Stuttgart II ist jetzt auch nur einen Punkt vor uns – das ist keine Welt ...“