Pirmasens 19 Schüler verbessern an der Volkshochschule ihre Deutschkenntnisse
Für zwei Wochen studieren 19 Schüler aus unterschiedlichen Nationen bei der Volkshochschule in der Hans-Sachs-Straße die deutsche Sprache. Das Gastgeschenk des Oberbürgermeisters an die Jungen und Mädchen: russisches Brot in ABC-Buchstaben. Sie kommen aus Marokko, dem Sudan und Syrien, aus Mazedonien, Moldawien und Italien, aus China, Eritrea, dem Iran und Russland, informiert Margit Nuss, Leiterin der Volkshochschule. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie seien nicht länger als ein Jahr in Deutschland.
19 Kinder mit Migrationshintergrund haben sich für den Feriensprachkurs der VHS angemeldet. Die acht Jungen und elf Mädchen sind in zwei Klassen aufgeteilt. Eigentlich gehen sie an ganz normale Schulen: an die Gymnasien Immanuel-Kant (1) und Leibniz (3), die Landgraf-Ludwig-Realschule plus Husterhöhe (4) sowie die Realschule in Dahn (2). Neun Schüler sind bei Pirmasenser Grundschulen eingeschrieben. „Die Altersspanne war wegen der didaktischen Methodik anfangs die größte Herausforderung für die Lehrer“, erzählt Nuss. Denn die jüngsten Schüler seien gerade mal sieben, der älteste 23 Jahre alt. „Doch warum soll der Berufsschüler nicht die Möglichkeit bekommen, besser Deutsch zu lernen, wenn noch Platz ist und alles passt“, findet Nuss, denn immerhin habe die Berufsbildende Schule Pirmasens händeringend darum gebeten.
Schwerpunkt des Unterrichts liegt im gesprochenen Wort
Circa 1000 Euro koste ein Kurs, der in Deutsch abgehalten werde und für den drei Honorarkräfte eingestellt sind, informiert Nuss. Achim Ropers, ehemaliger Lehrer am Immanuel-Kant-Gymnasium, Kristin Christ, Förderschullehrerin, und der Grundschullehrer Sascha Böttcher teilen sich die 50 Unterrichtsstunden auf. „Jeder Schüler hat sich am Anfang vorgestellt und von sich und seiner Familie erzählt“, erklärt Nuss. Denn erst mal war wichtig: Was kann das Kind schon? Anhand des Alters und der Sprachkenntnisse wurden die Schüler anschließend in Gruppen eingeteilt. Das Ziel des Kurses? Das Kind solle sich mitteilen können: Wie es ihm geht, was es braucht, präzisiert Nuss. Auch soll es im Supermarkt einkaufen können, ohne an der Sprachbarriere zu scheitern. Deswegen liege der Schwerpunkt des Unterrichts im gesprochenen Wort.
Alle lieben das Plub
Um das zu erreichen, arbeitet Grundschullehrer Böttcher mit Kärtchen und Symbolen. Er hebt eines davon in die Höhe und die Schüler reagieren im Chor. Was ist das? Eine Turnhalle. Was macht man dort? Sport. Und was macht der OB dort? Er turnt. Alle lachen. Auch Konjungieren lernen sie auf diese Art und Weise. Böttchers Methode funktioniert und macht den Kindern offensichtlich Spaß. In den ersten Tagen habe er seine Schüler, die ja aus ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen stammen, Steckbriefe formulieren lassen, um etwas von sich preiszugeben. „Alle lieben das Plub“, ergeben die sonst sehr individuellen Beschreibungen – und ihren Lehrer auch, erzählt er erfreut. Kein Wunder. Es herrscht eine gelöste Stimmung im Saal. Der engagierte Lehrer versteht es, mit seinen Schülern umzugehen und sie zu motivieren.
Finanzierung läuft über das Ministerium für Bildung
Achim Ropers hatte es am Montag schwerer. Er brachte den Kindern unregelmäßige Verben bei, danach waren Subjekt-Objekt-Prädikat-Übungen angesagt. „Die Ergebnisse sind hier deutlich noch an der Grenze“, findet der Studiendirektor in Ruhestand. Dass die Kinder und deren Familien nichts bezahlen müssen, freut die VHS-Chefin besonders. Denn die Finanzierung läuft über das Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz. Auch war ihr wichtig, dass der Kurs zum Ende der Sommerferien stattfindet. Immerhin sei der Schulalltag für sechs Wochen unterbrochen gewesen. Vieles würden die Schüler in dieser Zeit vergessen. Einziges Manko des Angebots: Wegen Corona gibt es Frontalunterricht – wie früher. Die Lehrer müssen auf kleine Arbeitsgruppen verzichten, verkündet Nuss. Erstaunlich findet die VHS-Chefin, dass letztendlich nicht unbedingt das Alter maßgeblich sei, wenn es um einen bestimmten Kenntnisstand gehe. „Nach zwei Tagen haben wir die Kurse noch mal umsortiert, um das Niveau des Kurses auszubalancieren“, erzählt sie: Jüngere Schüler seien so in die Sekundarstufe aufgerückt.