Münchweiler
100 Jahre Kindergarten St. Georg: Münchweiler feiert Geschichte
Die Geschichte des Kindergartens in Münchweiler ist untrennbar mit dem Elisabethenverein verbunden, wie Heimatforscher Werner Dillenkofer in der Ortschronik festhält. Die Anfänge reichen von Krankenpflege über Koch- und Handarbeitsunterricht bis zur Betreuung von Kleinkindern.
Sie erzählen zudem von Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, vom Wiederaufbau und von der wachsenden Bedeutung eines Kindergartens in einer zunehmend industrialisierten Gemeinde. Prägend waren auch die Ordensschwestern, die dem Dorfnachwuchs religiöse und handwerkliche Grundlagen vermittelten.
Alles beginnt mit dem Elisabethenverein
1922 gründete Pfarrer Jakob Lauer den Elisabethenverein. Ziel war eine geordnete Krankenpflege durch ausgebildete Schwestern, die Einrichtung eines Kindergartens für nicht schulpflichtige Kinder sowie Koch- und Handarbeitsunterricht für Mädchen. Fast alle Familien (360 von 400 lebten damals im Ort) traten dem Verein bei. Eine Rücklage von 16.000 Mark konnte gebildet werden, die jedoch durch den Ersten Weltkrieg verloren ging.
Pfarrer Johannes Mann belebte die Vereinsziele neu und dachte sogar an einen späteren Ausbau zu einem Krankenhaus. 1925 kamen drei Schwestern aus dem Institut der Armen Schulschwestern in Speyer, darunter Schwester Franka (Krankenpflege) und Schwester Longina (Handarbeitsunterricht). 1926 folgten vier weitere Schwestern. Für den nun möglichen Kindergarten wurde ein leer stehender Fabrikraum im Anwesen Alois Ernst in der Schulstraße angemietet. Die erste Kindergartenschwester war Schwester Armella.
Behörden stellen Forderungen
Die Behörden genehmigten den provisorischen Betrieb für 100 bis 120 Kinder und die Handarbeitsschule nur unter der Auflage, bald ein geeignetes Haus zu errichten. Unter großem Einsatz Pfarrer Manns erwarb man ein Grundstück in der Schulstraße. 1928 begann der Bau: zwei Kindersäle, ein Handarbeitssaal, ein Nähsaal, eine Lehrküche und Wohnungen für fünf bis sechs Schwestern waren geplant. Die Kosten lagen bei 80.000 Mark, die Gemeinde steuerte 13.500 Mark bei. Im Juni 1930 weihte Ludwig Sebastian, der damalige Bischof von Speyer, das Haus ein.
Auf Schwester Armella folgte Schwester Edelgundis. Ab 1935 prägte Schwester Luzina den Kindergarten über 32 Jahre bis 1967. Dillenkofer schreibt: „In all diesen Jahren leistete sie Unvorstellbares.“ Im Winterhalbjahr besuchten 100 bis 140 Kinder den Kindergarten. Luzina beaufsichtigte sie allein, reinigte nach Schulschluss den Saal, probte Theaterstücke und versah den Kirchendienst. 1979 wurde sie für ihre Verdienste zur Ehrenbürgerin ernannt.
Bombe trifft Schwesternhaus und Kindergarten
Der verheerendste Tag für die Einrichtung war der 16. November 1944. Kurz nachdem Schwester Luzina um 16 Uhr die Kinder nach Hause geschickt hatte, folgte Fliegeralarm. Um 16.20 Uhr wurde das Schwesternhaus mit integriertem Kindergarten getroffen und stürzte ein. 13 Menschen starben, darunter zwei Schwestern. Luzina und weitere Ordensfrauen wurden verletzt aus dem Keller geborgen. Vorübergehend bezogen die Schwestern eine Notwohnung in der Rotensteiner Straße.
Als erster Helfer am Unglücksort ist der damals 16-jährige Soldat Rudolf Fick in Dillenkofers Ortschronik vermerkt, der Sonderurlaub hatte. Er sah zwei amerikanische Thunderbolt -Maschinen tief aus Südwesten anfliegen und erkannte an der Unterseite je drei Bomben. Zunächst glaubte er, Ziel sei die Bahnlinie, doch die Maschinen lösten ihre Bomben über der Schulstraße aus.
Nach Kriegsende diente eine große Holzbaracke auf der Kurzel, zuvor Unterkunft für Soldaten und Produktionshalle einer Flugzeugfirma, vier Jahre lang als Kindergarten. Unter Pfarrer Peter-Joseph Oberhauser begann der Wiederaufbau als Gemeinschaftsleistung der Bevölkerung. Bereits am Montag, 1. August 1949, konnten die Schwestern in ihr Haus zurückkehren. 1951/52 kam unter Pfarrer Karl Funk ein weiterer Raum für Kindergarten und Jugendgruppen hinzu. Pfarrer Emil Damm ließ 1964 um einen Jugendraum und neue sanitäre Anlagen erweitern.
1985 wird Pfarrheim eingeweiht
Mit einem neuen Kindergartengesetz änderte sich die Arbeit grundlegend. Pädagogisch ausgebildete, weltliche Fachkräfte übernahmen die Aufgaben der Ordensschwestern, die Gruppen wurden kleiner. Wegen Platzmangels stand die Entscheidung zwischen Neubau und Renovierung an. Aus Kostengründen wurde das 1949 in Betrieb genommene Gebäude saniert. Im September 1985 waren die Renovierung und der Umbau abgeschlossen, das Ensemble wurde als Pfarrheim eingeweiht. Der Kindergarten befindet sich im Erdgeschoss mit drei Gruppenräumen, einem Mehrzweckraum und Sanitäranlagen.
Aktuell betreut die Kindertagesstätte 78 Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren, berichtet Erzieherin und stellvertretende Kita-Leiterin Bianca Schwinzer. Es kommen auch Kinder aus der Pfarrei Maria Königin. Zwei Kindergartengruppen, eine Hortgruppe und seit Oktober 2025 eine Krippengruppe für Kinder ab einem Jahr werden von zehn pädagogischen Fachkräften (neun Frauen, ein Mann), darunter ein Auszubildender, betreut. Hinzu kommen zwei Mitarbeiterinnen in der Hauswirtschaft und eine Reinigungskraft.
Ziel sei es, so Schwinzer, Kinder in allen Belangen zu unterstützen und ihre Talente zu fördern, damit sie Schritte in Richtung Erwachsenenleben gehen können. Gleichzeitig sollen sie in der Kita noch Kind sein dürfen, bevor mit dem Schuleinstieg der Ernst des Lebens beginnt. Schwinzer dankt dem Förderverein, der Anschaffungen wie zuletzt ein Spielschiff ermöglicht. Der Förderverein organisiert zudem Kinderfasching, Seniorennachmittage und Babybasar. Der Kindergarten beteiligt sich am Lichterfest.
Info
Der katholische Kindergarten Sankt Georg feiert sein 100-jähriges Bestehen. Die Gemeinde würdigt das Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 14. Juni, 10 Uhr, in der Pfarrkirche. Anschließend gibt es Grußworte und ein buntes Programm auf dem Kindergartengelände.