Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Über die Geschichte des Bildungswesens der Stadt

Stadtführer Wolfgamg Brendel (links) und seine Gruppe in der Pirminiusstraße.
Stadtführer Wolfgamg Brendel (links) und seine Gruppe in der Pirminiusstraße.

Viel Interessantes über die Anfänge des Schulwesens in Pirmasens wusste Gästeführer Wolfgang Brendel bei der offenen Stadtführung am Samstag zu berichten. Dabei ging es auch um die Ursprünge des heutigen Immanuel-Kant-Gymnasiums

Einen Schub erfuhr die Bildung durch die Reformation und den Augsburger Religionsfrieden von 1555. Luther und Philipp Melanchthon verfolgten mit der Alphabetisierung das Ziel, dass auch der Nicht-Klerus die Bibel lesen und verstehen konnte. Während des Dreißigjährigen Krieges aber war Nahrung wichtiger als Bildung. Preußen führte 1770 die allgemeine Schulpflicht für seine Staatsdomänen ein. Landgraf Ludwig IX., der Stadtgründer von Pirmasens, nahm diese Entwicklung als begeisterter Preuße auf: Er gründete neben der Lutherkirche eine Garnisonsschule als vierjährige Elementarschule ab dem fünften Lebensjahr.

„Für die meisten Kinder war es das“, berichtete Brendel. Danach konnte man zwei Klassen Lateinschule (bis 1805) besuchen. Wollte man Abitur machen, musste man auf das Herzog-Wolfgang-Gymnasium in Zweibrücken wechseln. Diesem war von 1826 bis 2003 ein Internat für Jungen angeschlossen.

In der Elementarschule unterrichteten altgediente Grenadiere, in der Lateinschule Pfarrer und Freiprediger. Als die Pfalz zu Bayern kam, unterrichteten ab 1816 qualifizierte Lehrer, ausgebildet im Seminar in Kaiserslautern. An höheren Bildungsanstalten, also an Latein- und Realschulen, unterrichteten Fachlehrer, die in Würzburg oder München studiert hatten.

Der Anfang von Bildung war in den Klöstern

Ab 1836 gab es wieder eine Lateinschule neben der Lutherkirche; es war der Ursprung des heutigen Kant-Gymnasiums (ab 1962 in der Wörthstraße). Ein Jahr später erweiterte man um einen Realschulkurs für den theoretischen Unterricht der Lehrlinge. Bis 1894 kamen weitere Kurse hinzu – in Richtung Progymnasium. Erst ab 1911 gab es ein Humanistisches Gymnasium in Pirmasens, das heutige Kant-Gymnasium. Bis dahin hatte immer das Geld gefehlt, wusste Gästeführer Brendel zu berichten.

Bis 1892 befand sich die Realschule im ersten Obergeschoss neben der Lutherkirche. 1893 zog sie in die Luisenstraße (früher: Schulstraße), neben die Ober-Realschule. Die Elementarschule blieb bis 1905 neben der Lutherkirche – bis die Horebschule eröffnet wurde.

In der Pirminiusstraße, wo heute der Parkplatz von Wölfling ist, stand einst der Pirminiushof, ein Außenposten des Klosters Hornbach und der Ursprung von Pirmasens. Dort konnten Bauernkinder, die nichts erben würden, als Novizen abgegeben werden. Im Kloster konnten sie Bildung erwerben und in hohe Stellungen aufsteigen. Der Anfang von Bildung war in den Klöstern.

Wo heute der Park am Wedebrunnen ist, stand früher eine Berufsschule. Die Weimarer Verfassung gab allen Jugendlichen ein Recht auf Bildung in einer Berufsschule. 1951 kam eine Handelsschule, 1953 eine Oberhandelsschule und 1958 eine Berufsaufbauschule hinzu. Ab 1968 zog man in den heutigen Bau in der Adlerstraße.

Ab 1891 gab es in der Luisenstraße auch eine Schuhmacherschule, die 1927 in die Kaiserstraße 12 und 12 a umzog und 1936 in die Lemberger Straße. Die ehemalige Landwirtschaftsschule in der Adam-Müller-Straße entstand nach dem Ersten Weltkrieg.

Aus jüdischer Grundschule wird Sabbatschule

Die Teilnehmer der Stadtführung gelangten weiter die Treppen hoch zur Nagelschmiedsbergschule. 1891 wurde Pirmasens erweitert, die Berge wurden bebaut. Um die ehemalige Stadtmauer wurden Knotenpunkte gelegt mit neuen Schulgebäuden: Germania-Schule (heute: Matzenbergschule), Wittelsbachschule, Luitpoldschule (heute: Nagelschmiedsbergschule), Kaiserschule (neben Finanzamt), Horebschule, Exerzierplatzschule.

Weiter ging es zur Synagogengasse. Dort stand ab 1780 eine Synagoge mit einer Talmudschule, einer jüdischen Grundschule. Später war es nur noch eine Sabbatschule. Die Juden durften im Mittelalter – im Gegensatz zu den Christen – Zinsen nehmen und Handel treiben, aber kein Handwerk ausüben. Dazu mussten sie allerdings lesen, schreiben und rechnen können. „Dadurch war ihre Bildung meilenweit über der der Christen“, erläuterte Brendel.

Weiter ging es zum ehemaligen Lyzeum. 1867 gründete Karoline Hauffe im Bechthold-Bau in der Alleestraße eine höhere Töchterschule, die zur mittleren Reife führte. 1907 zog sie gegenüber in ein größeres Gebäude. 1952 wurde daraus das Neusprachliche Gymnasium. 1967 folgte der Umzug in den Fahr’schen Wald und 1977 die Umbenennung in Hugo-Ball-Gymnasium. In der Alleestraße zog die Landgraf-Ludwig-Realschule ein.

Das Gebäude des Leibniz-Gymnasiums entstand 1888 als Realschule, später Ober-Realschule. Im Krieg zerstört, wurde das Gebäude 1953/54 wieder aufgebaut. 1960 wurde es zum Leibniz-Gymnasium. Das Rathaus am Exerzierplatz wurde 1879 als erstes Schulhaus nach der Garnisonsschule gebaut. Ab 1962 konnte sich die Stadtverwaltung in dem Gebäude ausbreiten.

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