Pirmasens „Vandalismus ohne Ende“
Der Finkengarten liegt wahrlich nicht zentral. Vom Kiebitzmarkt in der Blümelstalstraße sind es noch 500 Meter bis zu den vier Wohnblöcken der Bauhilfe. Einziger Nachbar der entlegenen Wohnblocks ist die Kläranlage Blümeltal. Der Finkengarten gilt nicht als Top-Wohngegend in Pirmasens. Seit Mai 2013 hat die Stadt im Anwesen Finkengarten 1 Obdachlose untergebracht. Das ist nun unwiderruflich vorbei, wie die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mitteilt. Im März brannte es binnen einer Woche gleich zwei Mal im Finkengarten. Die Polizei schnappte nach wenigen Tagen einen 33-Jährigen, der die Brände gelegt haben soll. Offenbar war das der Anlass, das Obdachlosenheim dicht zu machen. Die Wohnblocks gehören der Bauhilfe. Deren Geschäftsführer Ralph Stegner berichtet, dass die Wohnungen nicht nur durch die Brände gelitten haben. Er spricht von „Vandalismus ohne Ende“, es habe dort teils ausgesehen „wie nach dem Krieg“. Unter anderem seien etliche Fenster zerstört gewesen. Mittlerweile habe die Bauhilfe den Wohnblock 1 komplett zu gemacht, Fenster und Türen sind verrammelt. Was soll mit den nun leeren Wohnungen im Finkengarten passieren? Da sei noch keine Entscheidung getroffen, sagt Stegner. Er verweist darauf, dass die Wohnblocks 3,5 und 7 noch teilweise bewohnt seien. Er räumt jedoch ein, dass sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der gesamten Wohnblocks stelle. Nachdem mittlerweile auch die städtische Lern- und Spielstube ausgezogen sei (siehe Bericht unten) habe sich die Situation verändert. Sollte die Bauhilfe die noch bewohnten Wohnungen im Finkengarten jedoch aufgeben, würde den Bewohnern auf jeden Fall anderer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, verspricht Stegner. Er kündigt auch Hilfe beim Umzug an. Interessenten gebe es jedoch bislang keine für die Häuser im Finkengarten. Es stelle sich mit Blick auf die abseits gelegene Lage die Frage, ob dort überhaupt Wohnstruktur aufrecht erhalten bleibe. Neben den Bränden im Frühjahr geriet das Obdachlosenheim noch mal vor Kurzem ins Visier der Öffentlichkeit. Ein Protagonist der RTL-II-Sozialreportage „Hartz und herzlich“ war dort zeitweise untergebracht. Er lebt nach Informationen der RHEINPFALZ mittlerweile in einer Wohnung in einem anderen Teil von Pirmasens. In dem Fernsehbeitrag waren teils erschreckende Bilder aus der Anlage zu sehen. Ursprünglich standen im Finkengarten laut Stadtverwaltung vier Wohnungen mit insgesamt zwölf Zimmern für Obdachlose zur Verfügung. Die Stadt ist dazu verpflichtet, Menschen, die unfreiwillig ihren Wohnsitz verloren haben, Obdach zu gewähren. Diese Pflicht besteht jedoch nicht, wenn die Betroffenen das nicht wollen oder nicht dazu in der Lage sind. Laut Stadtverwaltung ist das unter anderem der Fall, wenn die zur Verfügung gestellte Unterkunft in einen derartigen Zustand versetzt wird, dass durch abgelagerte Gegenstände eine Gefahr für andere Hausbewohner (Gesundheitsgefährdung, Brandlast) entsteht, beziehungsweise, wenn an den dortigen Feuerungsanlagen manipuliert wurde. In solchen Fällen werden die Betroffenen laut Stadt aufgefordert, den Zustand zu beseitigen. Für den Fall, dass sich der Zustand nicht ändert, wird die Obdachlosenunterbringung beendet. Zuschauer der RTL-II-Sendung konnten das im Fall eines jungen Mannes beobachten. Im vergangenen Jahr haben nach Auskunft der Stadtverwaltung noch 43 Personen die Obdachlosenunterkunft im Finkengarten in Anspruch genommen. Dies beruhe auf der Tatsache, dass die Obdachlosenunterbringung grundsätzlich nur der Überbrückung einer kurzfristigen Notlage diene und deshalb eine hohe Fluktuation herrsche. Es gibt Personen, die die Unterkunft lediglich wenige Tage nutzten, andere blieben hingegen zum Teil länger als sechs Monate.