Bundeswehr RHEINPFALZ-Interview: Militärexperte für Aktivierung der Wehrpflicht
Angesichts der wachsenden Bedrohung insbesondere durch Russland fordert der Militärexperte Christian Richter eine Rückkehr zur Wehrpflicht. Der Bundeswehr fehlten derzeit rund 100.000 Soldaten, sagte der Referent am German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), einer Denkfabrik der Bundeswehr, der RHEINPFALZ. Finanzielle Anreize allein reichten nicht aus, um ausreichend Freiwillige zu gewinnen. Trotz vergleichsweise hoher Besoldung mangele es beispielsweise auch am gesellschaftlichen Ansehen des Soldatenberufs. Eine Reaktivierung der Wehrpflicht könnte hier zu einem Imagewandel beitragen. Sie sei ein bewährtes Mittel, um sowohl den aktiven Truppenumfang als auch eine starke Reserve sicherzustellen.
Richter plädierte für das sogenannte skandinavische Wehrpflicht-Modell. Dort werden junge Erwachsene auf Eignung und Motivation geprüft; anschließend wird derzeit nur ein Teil von ihnen tatsächlich eingezogen. Eine Dauer von sechs Monaten wie in Deutschland vor der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 sei wohl das Minimum; aus militärischer Sicht effektiver wäre jedoch ein Dienst von elf Monaten.
Zugleich mahnte Richter schnelle Entscheidungen der Politik an. So wisse man aus Schweden, dass nach der Aktivierung der Wehrpflicht bis zu einem Jahr bis zur Einberufung der ersten Rekruten vergehen könne.
Lesen Sie hier das vollständige Interview: „Uns fehlen 100.000 Soldaten“