Pfalz-Ticker Erna-de-Vries-Straße soll Holocaust-Zeitzeugin würdigen

2014 bekam Erna de Vries die Goldene Stadtplakette von Oberbürgermeister Klaus Weichel verliehen.
2014 bekam Erna de Vries die Goldene Stadtplakette von Oberbürgermeister Klaus Weichel verliehen.

Kaiserslautern soll eine nach Erna de Vries benannte Straße bekommen. Die 1923 in Kaiserslautern geborne Holocaust-Überlebende, die als Zeitzeugin vor allem in Schulen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten aufgeklärt hatte, war im Oktober vergangenen Jahres verstorben.

Der Stadtrat von Kaiserslautern sprach sich einstimmig für diese Würdigung aus.

Am 21. Oktober 1923 wurde Erna Korn als Tochter eines Protestanten und einer Jüdin in Kaiserslautern geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1931 lebte sie mit ihrer Mutter allein. Zusammen mit ihr wurde sie im Juli 1943 nach Auschwitz deportiert und entging, anders als ihre Mutter, knapp dem Tod. Nach dem Krieg lebte sie mit ihrem 1981 verstorbenen Mann Josef de Vries im niedersächsischen Lathen.

Letzte Worte der Mutter in die Tat umgesetzt

Erna de Vries bekam die Ehrenbürgerschaft von Lathen verliehen, das Bundesverdienstkreuz und 2014 die Stadtplakette in Gold von Kaiserslautern. Ab 1997 berichtete sie in Schulen, Bildungseinrichtungen und auch Film-Dokumentationen über ihr Schicksal, auch in ihrer Heimatstadt, in der sie so viel Schlimmes erlebt hatte. Damit setzte sie die letzten Worte ihrer Mutter um, die ihr kurz vor der Ermordung sagte: „Du wirst überleben. Und dann wirst du erzählen, was man uns angetan hat.“

Am 24. Oktober 2021 ist Erna de Vries drei Tage nach ihrem 98. Geburtstag in Lathen gestorben.

„Wir sind verantwortlich dafür, was in der Zukunft passiert“

Die Fraktionen SPD, CDU, Die Grünen, FWG, FDP und Die Linke brachten einen Antrag in den Stadtrat ein, nach der Holocaust-Überlebenden eine Straße zu benennen. Janina Eispert (SPD) sagte im Rat: „Sie hat die Schüler nicht für die Vergangenheit verantwortlich gemacht, aber dafür, was in der Zukunft passiert.“ Wo die Straße sein wird, steht noch nicht fest.

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