Bayern AKW Grafenrheinfeld: Mann stört Sprengung – Festnahme

Da ein Mann im Sperrbereich entdeckt wurde, verzögerte sich die Sprengung.
Da ein Mann im Sperrbereich entdeckt wurde, verzögerte sich die Sprengung.

Die Kühltürme des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld sind am Abend gesprengt worden. Aber dann wird ein Mensch im Sperrbereich entdeckt.

„Wir haben an den Dampfschwaden immer genau gewusst, woher der Wind weht.“ Christian Keller (CSU), geboren 1979 und heute Erster Bürgermeister von Grafenrheinfeld, kennt die Gemeinde gar nicht ohne die markanten Kühltürme des Atomkraftwerkes. „Die Zwillinge waren für mich und sicherlich auch für viele Menschen aus der Region immer auch ein optischer Ankerpunkt.“ Fragten Kinder ihre Eltern auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub, wann man denn endlich daheim sei, hieß es häufig: „Wenn Du die Türm„ siehst, noch eine halbe Stunde“, erzählte Keller. Doch nun sind die Kolosse Geschichte.

Donnernde Knallgeräusche – und binnen 30 Sekunden sackten die Kühltürme des stillgelegten AKW am Abend in sich zusammen. 50 Jahre nach dem Baubeginn der Anlage waren von den auffälligen Zeichen der einstigen Hochrisikotechnologie nur noch zwei relativ kleine Schutthaufen unweit der fränkischen Industriestadt Schweinfurt zu sehen.

Wegen einer Störaktion verzögerte sich das Spektakel um mehr als eine Stunde. Ein Mann war auf einen Strommast geklettert, die Polizei schritt ein und nahm ihn in Gewahrsam. Die Polizei rechnete den Mann zum Lager der Atomkraftbefürworter. „Es werden erhebliche Kosten auf ihn zukommen“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei hatte den Mann nach eigenen Angaben auf einem Strommast im Sperrbereich entdeckt. Die Feuerwehr rückte mit einer Drehleiter an. Die Sprengung war deshalb zunächst verschoben worden. Ursprünglich war sie für 18.30 Uhr geplant gewesen.

Viele Zuschauer verfolgen das Spektakel

Als die beiden Bauwerke im Abendlicht gesprengt wurden, schauten Tausende Menschen auf den Wiesen und Feldern rund um das Gelände nahe dem Main zu. Das Areal war aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt. Wer besonders nah ran wollte, kam zu Fuß oder per Rad, weil die Polizei Zufahrtsstraßen gesperrt hatte.

Das AKW war bis zu seiner Abschaltung das älteste noch aktive Atomkraftwerk in Deutschland. 1974 begann der Bau des Kraftwerks. Die erste Kettenreaktion wurde Ende 1981 angestoßen - zwei Jahre nach der Geburt des heutigen Ersten Bürgermeisters. Von Juni 1982 floss Strom ins Netz. Bis 2015 war es 33 Jahre im Dienst. Seit 2018 läuft dort der Rückbau - und dauert laut Projektleiter Matthias Aron wahrscheinlich auch noch zehn Jahre.

Die Kühltürme waren je 143 Meter hoch. Am Boden betrug der Durchmesser je rund 105 Meter, etwa 64 Meter waren es am oberen Ende. „Zwei Drittel des Materials werden weiterverwendet“, erklärte Aron - unter anderem soll mit den Baustoffen eine Lagerfläche auf dem Gelände entstehen.

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