Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Zweitligist SC Neustadt reitet auf Erfolgswelle

SCN-Kapitän Matthias Held (links) kann trotz seines Würzbuger Gegenspielers Paul Volkwein den Ball unbedrängt weiterspielen.
SCN-Kapitän Matthias Held (links) kann trotz seines Würzbuger Gegenspielers Paul Volkwein den Ball unbedrängt weiterspielen.

Im Pokalspiel des Zweitligisten SC Neustadt gegen den Erstligisten Würzburg stockt den Zuschauern öfter der Atem. Das Zweitligaspiel gegen Friedberg ist hingegen eine klare Sache.

Das war ein Knüller. Die zweite Runde um den Pokal des Deutschen Schwimmverbandes hat Zweitligist SC Neustadt mit einem 14:11 (3:3, 3:3, 3:3, 5:2)-Heimsieg gegen den Erstligisten SV Würzburg überstanden.

Rund 80 Zuschauer hielten dabei mehrmals die Luft an. In zahlreichen Momenten schien es, als kippe die Partie, und die Gäste könnten die nächste Runde erreichen.

Mihalache rechnet mit Sieg

Zunächst startete der SC Neustadt gut in die Partie und führte mit 2:0 durch Timo van der Bosch und Tim Schwarzkopf. Doch schnell wurden die Anhänger unruhiger: Nach dem guten Beginn klappten die Angriffe des SCN nicht mehr, die Gäste kamen in Ballbesitz und glichen aus. Beim 3:2-Führungstreffer, erneut durch van der Bosch, gab es eine erste Ermahnung für Gästetrainer George Mihalache. Der ehemalige SCN-Jugendtrainer sagte noch vor dem Spiel: „Wir müssen heute auf zwei wichtige Spieler verzichten. Wir haben ein junges Team. Aber ich denke, wir sollten gewinnen.“ Nach der Partie allerdings war Mihalache abgetaucht und lieferte daher auch nicht die vorher versprochene Spielanalyse.

Dritte Zeitstrafe droht

Zunächst schien sein Team noch auf dem Zug in Richtung Achtelfinale zu sein. Denn die Schiedsrichter pfiffen konsequent jedes Foul. Schnell hatten gleich drei SCN-Schlüsselspieler zwei Hinausstellungen kassiert. Damit mussten sich sowohl Matthias Held als auch Xaver Schädler und Luis Ananias mit ihren Aktionen in der Abwehr zurückhalten. Eine dritte Zeitstrafe hätte das Aus für den Rest der Partie bedeutet. SCN-Trainer Thorsten Preuß: „Es war anstrengend. Wir mussten aufgrund der Strafen immer wieder unsere Positionen umbauen, damit nicht noch die dritte Strafe kassiert wird.“ So beorderte er jeweils die vorbestraften Spieler vor die Abwehr. Denn normalerweise kassieren die Centerverteidiger am schnellsten die Wasserverweise. Also schluckten die fachkundigen Zuschauer bereits im zweiten Viertel besorgt, zumal das Gästeteam zwei Tore vorlegte. Mit einem Kraftakt glich der SCN zur Pause erneut aus. Mihalache und sein Team motzten derweil auf der Bank lautstark über den Spielverlauf. Es gab eine Gelbe Karte gegen die gesamte Bank, die später noch für weitere Konsequenzen sorgen sollte.

Das dritte Viertel gehörte SCN-Keeper Hendrik Hummel: Er klärte wiederholt die Angriffe der Gäste und leitete so eine starke SCN-Phase zur 8:6-Führung ein. SCN-Spieler Tim Schwarzkopf ärgerte sich danach aber schwarz. Er kassierte die dritte Zeitstrafe. Dabei wehrte er sich in der SCN-Abwehr nur gegen die hartnäckigen Stürmerfouls der Krefelder Spieler. Die Schiedsrichter legten dies allerdings anders aus. Der SCN kam erneut aus dem Takt, vergab seine Chancen vor dem Krefelder Gehäuse und kassierte über Konter den Ausgleich zum 9:9. In der kurzen Viertelpause forderte Timo van der Bosch seine Mitspieler auf: „Wir müssen ruhiger spielen vor dem Gästetor.“

Mihalache als HB-Männchen

Irgendwie konnten seine Teamkollegen diese kurze Ansprache trotz der Hochspannung und Hektik umsetzen, der SCN zog auf 13:10 davon. George Mihalache mimte derweil das HB-Männchen auf der Gästebank – die Unparteiischen zückten „Rot“. Er sollte die Coachingzone verlassen, allerdings diskutierte er noch minutenlang weiter mit den Schiedsrichtern. Mihalache übersah dabei, dass bereits im zweiten Abschnitt die Gelbe Karte im Spiel gewesen war und Rot daher die logische Konsequenz für sein Verhalten war.

Tipps von Jürgen Hermanns

Mit einem tollen Heber baute Luis Ananias die SCN-Führung sogar auf vier Tore aus, Würzburg konnte nur noch auf 11:14 verkürzen, und der SCN steht damit im Achtelfinale. SCN-Kapitän Matthias Held nach der Partie: „Wir haben alles reingeworfen, brutal gekämpft, es war ein richtiges gutes Spiel. Unsere Spieler mit je zwei Zeitstrafen mussten aufpassen, dass sie im Spiel bleiben. Schließlich hätte es ja auch zum Fünfmeterschießen kommen können.“ Torwart Hendrik Hummel, der als Ersatz für Joona Vagts im Gehäuse war: „In der Halbzeit bekam ich ein paar Tipps von Torwarttrainer Jürgen Hermanns. Nach den ersten guten Aktionen im dritten Viertel war mein Ego gepusht. So einen deutlichen Sieg hätte ich nicht erwartet.“ Timo van der Bosch, der diesmal von seinem Team besser ins Spiel eingebunden war und wie Luis Ananias vier Tore erzielte: „Würzburg war schneller als wir, aber wir haben gekämpft, haben als Mannschaft agiert.“ Und Trainer Preuß: „Ich bin überglücklich. Das Team war willensstark. Wir sind der Gästeführung hinterhergelaufen. Wir haben gekämpft bis zum Ende. Wir haben nur minimal durchgewechselt. Wir haben gezeigt, dass wir hier gute Arbeit leisten. Und Hendrik im Tor wurde immer heißer, er hatte am Schluss Klebstoff an den Händen.“ Die nächste Pokalrunde startet im Februar. Dann steigen auch die Teams der Bundesliga-A-Gruppe ein. Bei der Auslosung indes haben dann Zweitligisten wie der SCN weiterhin Heimrecht.

SCN gegen Friedberg auf Erfolgswelle

Bereits am Sonntag um 14 Uhr folgte im Moby Dick wieder der Zweitliga-Alltag mit der Partie gegen den VfB Friedberg. Der SCN ritt spürbar auf einer Erfolgswelle und gewann mit 21:3 (8:2, 4:0, 6:0, 3:1).

Bereits nach acht Spielminuten führte der Gastgeber im Stadionbad mit 8:2. Thorsten Preuß konnte entspannt durchwechseln und auch Spieler aus der zweiten Reihe einsetzen. Schwarzkopf glänzte mit sechs Treffern, van der Bosch und Held trafen je viermal, Luis Ananias dreimal.

Der SCN geht mit vier Zweitliga-Siegen ungeschlagen in die Weihnachtspause. Am Sonntag, 14. Januar, wird um 14 Uhr im Stadionbad das ausgefallene Spiel gegen Darmstadt nachgeholt. Am Samstag, 27. Januar, kommt Cannstatt zum Gipfeltreffen der beiden noch verlustpunktfreien Zweitligateams nach Neustadt.

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