Wasserball
Zweitligist SC Neustadt macht sich eine alte Weisheit zunutze
Fünf Fünfmeter bekommt der SC Neustadt im Spiel der Zweiten Wasserball-Liga Süd gegen Bundesliga-Absteiger SV Weiden zugesprochen. Kapitän Matthias Held verwandelt nur drei davon. Am Ende ist dies unbedeutend. Wegen einer starken SCN-Abwehr gelingt den Gästen in den letzten beiden Vierteln kein einziges Tor.
Spiele werden in der Abwehr gewonnen, lautet eine alte Ballsport-Weisheit. Der SC Neustadt beweist in seinem ersten Saisonspiel 2023/2024, dass dieser Spruch stimmt. Vor allem in den beiden letzten Vierteln drängen die Gastgeber mit ihrer Pressdeckung ihre angreifenden Gäste mehr und mehr zurück. Die Oberpfälzer kommen entweder in der 30 Sekunden langen Angriffszeit nicht zum Wurf oder verlieren den Ball: Tim Schwarzkopf nimmt im dritten Viertel in der Abwehr seinem Gegenspieler Denis Reichert den Ball ab, kontert auf der rechten Seite vor das Gästetor, passt zum in der Mitte lauernden Xaver Schädler. Der trifft zum 8:7. „Mit der Pressdeckung haben wir die Möglichkeiten genutzt, Konter zu schwimmen“, freut sich SCN-Coach Thorsten Preuß. „Und wir haben viele Wasserverweise provoziert.“
Ausschluss für einen Weidener
Fünf sind es am Ende für Weiden, drei für Neustadt. Gästespieler Nikolaj Neumann muss gegen Ende des zweiten Viertels gar für den Rest der Partie aus dem Wasser. Die guten Unparteiischen entscheiden auf eine Rolle gegen ihn. „Er hat eine Entscheidung meines Kollegen Daniel Waas kommentiert, wurde dafür verwarnt – und dann hat er dies abgewinkt“, erklärt Schiedsrichter Michael Staehle später den Ausschluss. Ansonsten, sagt Staehle, sei es eine disziplinierte Begegnung gewesen.
Dass Matthias Held die Strafwürfe ausführt, ist für Thorsten Preuß o. k., „wenn er sich das zutraut“. Er sei der Kapitän, betont er. Den ersten verwandelt Held sicher mit einem Wurf nach links unten zum 4:3. Den zweiten Fünfmeter, jetzt wirft er nach oben rechts, hält Keeper Christopher Klein. Fünf Minuten später der nächste Strafwurf: Erneut zielt Held nach unten links, verkürzt auf 5:7 und leitet damit eine erfolgreiche Neustadter Aufholjagd ein. 24 Sekunden vor Ende des zweiten Viertels zielt Held beim nächsten Fünfmeter nach rechts und gleicht zum 7:7 aus. Im letzten Viertel bringt Weidens Coach Sean Ryder, 2012 Olympiateilnehmer in London, für Klein Tormann Andrii Lobodynskyi. Und der pariert prompt Helds fünften Fünfmeter.
Ruhige Neustadter
Zu diesem Zeitpunkt führt Neustadt bereits mit 10:7. Dass die Gastgeber im zweiten Viertel zeitweise mit drei Treffern zurückliegen, macht ihren Trainer nicht nervös. „Wir haben gesagt, wir müssen vorne mehr Musik machen“, verrät Preuß später. Die Spannung, die sein Team im Angriff dann aufgebaut habe, „hat sich auf die Abwehr übertragen“. Schon in der Spielfeldmitte greifen die Neustadter ihre Gäste an, lassen ihnen kaum Platz. Und bleiben vor allem ruhig. Noch im zweiten Viertel gleichen sie aus (7:7) mit den zwei Fünfmetern von Held und dem Treffer von Philipp Guth von der rechten Seite (6:7). Bester SCN-Schütze ist am Ende Timo van der Bosch mit fünf Toren.
„Meine Sorge war, dass Joona hält und Selbstvertrauen gewinnt“, verrät Preuß. Joona Vagts ist der 16-jährige SCN-Tormann. Er ist aber von Beginn an hellwach. Schon im ersten Viertel scheitern Robert Reichert und Nikolaj Neumann an Vagts. Er pariert den Wurf aus halbrechter Position von Neumann im zweiten Viertel ebenso wie den des Centerspielers Reichert im dritten Viertel. Preuß bescheinigt nicht nur seinem jungen Keeper eine gute Leistung, sondern dem gesamten Team: „Jeder hat für sich einen kleinen Part übernommen, wo es geglänzt hat.“
Nur wenige Zuschauer
Das einzige Neustadter Manko: Den ungefährdeten 11:7 (3:3, 4:4, 2:0, 2:0) sehen nur wenige Zuschauer. „Für Neustadt sehr wenige Zuschauer“, stellt Gästetrainer Sean Ryder verwundert fest. „Samstagabends kommen mehr“, weiß Thorsten Preuß. und ahnt, warum sich nur einzelne für den Saisonauftakt des SCN interessieren: „Es sind wie im Frühling 16 Grad draußen – die Leute wollen nach dem vielen Regen raus.“