Hintergrund
Zwei Vereine räumen auf: Arbeitseinsatz im Diedesfelder Weg
„So was mache ich zu Hause nicht“, sagt Ekatarina Popova und lacht trotz ihres mühevollen Jobs. Sie kratzt mit einer Schaufel Gras und Kräuter weg, die zwischen den Pflastersteinen rund um das Fußball-Spielfeld des FC 23 Hambach hervorlugen. „Mit der Schaufel geht’s aber ganz gut“, betont die stellvertretende Vorsitzende des Jugendfördervereins Schlosskicker. „Wir haben halt nicht überall genug Geräte.“
Dabei bringen nicht nur die Fußballer im Diedesfelder Weg ihr Gelände auf Vordermann. Auf der anderen Straßenseite sind Helfer des Fördervereins Hambacher Schwimmbad ebenfalls im Einsatz. Nicht ganz zufällig. Als Ende März Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) Ehrenamtliche unter anderem in Neustadt besucht hatte, waren die Vorsitzenden beider Vereine aus dem Diedesfelder Weg, Carsten Conrad (FC 23) und Thomas Hocker (Förderverein), ins Gespräch gekommen. „Wir haben da ausgemacht, dass wir an einem Tag gemeinsam aufräumen und uns gegenseitig mit Helfern und Geräten aushelfen“, erzählt Conrad.
Saubere Parkplätze
Zumal die teils zugewucherten Parkplätze neben dem Schwimmbad nicht nur von Freibadgästen genutzt werden. Conrad: „Wir nutzen die Schwimmbad-Parkplätze mit, wenn das Bad geschlossen ist. Wenn bei uns nichts los ist, nutzen auch Schwimmbadgäste sowie Touristen unsere Parkplätze.“
Mit der gemeinsamen Säuberungsaktion ist es nun wieder möglich, dass alle Besucher genug Platz für ihre Autos finden, hatten doch bereits viele Büsche angefangen, den Parkplatz zu erobern. Das Laub vom Winter kehren zudem Helfer beider Vereine zusammen. „Wir machen auch die Abläufe fürs Wasser frei“, betont Thomas Hocker. Und so nebenbei sammeln die Ehrenamtlichen jede Menge Müll ein, den andere Leute achtlos ins Gebüsch geworfen haben. „Abgenagte Hähnchen, benutzte Kondome, Zigarettenschachteln“, zählt der Vorsitzende einen Teil auf.
Ein Glück für den Förderverein, dass Familie Schmidt einen Traktor mit Anhänger besitzt und die Geräte im Gebäude des Bades unterstellt. „Wenn wir das alles mit der Hand laden müssten, das wäre eine Katastrophe“, stellt Simon Schmidt mit Blick auf den vielen Grünschnitt und die Laubhaufen fest. Diese Mengen in Wertstoffsäcken wegzufahren, das ginge gar nicht, ergänzt Hocker. Helferin Anja, die mit einem Rechen das Laub zusammenkratzt, betont ebenso, dass „es ohne Geräte nicht ginge“.
Getöse neben dem Spielfeld
Apropos Geräte: Um die Äste von Bäumen und Büschen neben dem Spielfeld zu schreddern, hat sich der FC 23 Hambach für diesen Tag eigens einen Häcksler gemietet. Lautes Getöse schallt über das Fußballgelände. Die AH-Fußballer Hassan Koshocan, Oliver Rapp, Michael Weber und Michael Schmidt füttern den Häcksler – die Äste haben sie bereits im Februar abgeschnitten und in zwei Ecken angehäuft. „Zu schneiden war schlimmer“, verrät Oliver Rapp. „Das Schreddern macht die Maschine ja fast alleine“, fügt er grinsend hinzu.
Spezielle Putzfee
Ohne spezielles Gerät geht es auch nicht auf dem Freibad-Gelände. Um Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken vom Winterdreck zu befreien, hat der Förderverein seit vergangenem Jahr Dobby im Einsatz. Den etwa 16.000 Euro teuren Putzroboter hätten sie sich eigens anfertigen lassen, erzählt Thomas Hocker. Mit einem starken Wasserstrahl und etwas Reinigungsmittel löst Dobby gerade die am Beckenboden haftenden Algen, die sich über Herbst und Winter im 50-Meter-Becken gebildet haben, Zentimeter für Zentimeter. „Früher haben wir davon Muskelkater bekommen, das wegzuwischen“, weiß Hocker noch gut. „Muskelkater kommt jetzt von anderen Arbeiten“, ruft ihm lachend Wolfgang Fischer zu, der Dobby kontrolliert.
„Wir müssen nachreinigen“, erklärt Hocker, wieso hinter Dobby zwei Helfer mit Schrubbern wischen. Aber früher hätte es trotz der Hilfe von 15 Wasserballern des SC Neustadt, laut Fischer „Jungs mit Muckis“, zwei bis drei Tage gedauert, das große Becken zu reinigen. „Dobby braucht auch seine Zeit, aber es geht schneller.“ Und Dobby putzt außerdem die Fliesen und Pflastersteine rund um die Becken sowie im Eingangsbereich. „Wir hoffen, dass er lange hält“, sagt Hocker mit Blick auf den Putzroboter.
Michael Schwarztrauber kämpft derweil mit einem von Laub verstopften Ablauf am Becken. Und Charlotte Sauer reinigt in einer Chlorbrühe die Gitter vom Überlauf rund um das Becken. Zwei Stunden müssten die Gitter in der Brühe einweichen, verrät sie. Dann würden sie mit einem Dampfstrahler abgesprüht. Thomas Hocker hofft, dass nächste Woche „hoffentlich“ die Endreinigung des 50-Meter-Beckens erfolge. „Dann fangen wir mit dem Kinderbecken an.“
Essen ist wichtig
40 bis 50 Helfer, so schätzt der Förderverein-Vorsitzende, sind bei der Putz- und Aufräumaktion dabei. „Eine Frau vom SC Neustadt hat uns sogar Kaffeestückchen vorbeigebracht“, betont er. Der SCN nutze das Freibad in der Übergangszeit, in der das Stadionbad noch geschlossen sei.
Überhaupt Essen. Auch das gehört zum Arbeitseinsatz dazu. Übrigens hüben wie drüben. „Wo soll ich das Essen aufbauen?“, fragt Steven Hartenstein in den Kiosk des FC 23 Hambach hinein, wo Uwe Bialojahn und Schreiner Andreas Kimmel, zugleich Jugendtrainer im FC 23, gerade die Theke verkürzen, damit es Platz für eine Spülmaschine und einen Kühlschrank gibt. „Das klassische Arbeitsessen“, nennt es Hartenstein. „Dreierlei Leberkäse und Brötchen.“ Und das Essen sei nicht nur zum Hungerstillen. „Der Austausch gehört dazu. Das ist Clubgemeinschaft.“ Uwe Bialojahn nennt es schlicht „Vereinsleben“.
Im Förderverein gibt es ebenso „für alle was zu essen, wenn wir fertig sind“, sagt Thomas Hocker. Dabei werde viel miteinander geredet. „Gemeinsam macht es einfach Spaß.“ Es gebe sogar Leute, die fragten, wann es mit der nächsten Arbeit losgehe, freut er sich über das Engagement.
Nicht alle helfen
40 bis 50 Leute packen an diesem Tag im Förderverein mit an. Im FC 23 Hambach sind es nur etwa 25 Helfer. „Bei knapp 800 Mitgliedern ist das bitter“, stellt Carsten Conrad kritisch fest. Zum Arbeitseinsatz im Oktober seien knapp 70 gekommen. So erzählt ein junger Vater einem neu ankommenden Helfer ebenfalls etwas enttäuscht: „Beim letzten Arbeitseinsatz waren wir viel mehr. Schade, keiner hat Lust.“ Thomas Hocker bringt die Bedeutung der Vereine auf den Punkt: „Ohne Ehrenamt wäre es nicht möglich, dass wir ein solches gesellschaftliches Angebot hätten.“