Neustadt Zwei Männer, eine Meinung

Neustadt. Nach zwei Abstiegen in Folge müssen sich die Fußballer des VfL Neustadt in der Bezirksliga Vorderpfalz neu sammeln. Knapp zwei Wochen vor dem Rundenstart, der ihnen Aufsteiger TSG Deidesheim als Widersacher beschert, steht ein echter Härtetest auf dem Programm. Und für Spielertrainer Florian Schwertl das Wiedersehen mit einem alten Bekannten.
Die bisherigen Testspielergebnisse des VfL können sich sehen lassen. Den A-Klasse-Vertreter ASV Harthausen bezwang die Elf von der Haidmühle 2:0, den B-Klasse-Klub DJK SW Frankenthal 7:3. Kein Vergleich aber zu jenem Verein, den der VfL morgen (15 Uhr) empfängt: Der SV Morlautern ist gerade in die Oberliga aufgestiegen. Um eine Niederlage wird der neuformierte VfL kaum herumkommen, im schlimmsten Falle droht eine ordentliche Abreibung. Spielertrainer Florian Schwertl hat keine Bedenken, dass eine Schlappe seinen Schützlingen aufs Gemüt schlagen könnte. Nein, er begrüßt die zu erwartende Unterlegenheit sogar, sie scheint mit Absicht gewählt zu sein. „Wir werden hinterherlaufen und Lehrgeld bezahlen“, sagt Schwertl, „sie werden uns ein paar Spielzüge zeigen, bei denen wir staunen. Das ist gut für die Jungs. Dann merken sie, dass es noch ein paar andere Fußballer auf dieser Welt gibt.“ Klingt so, als neige manch ein VfL-Akteur zu einem übertriebenen Selbstwertgefühl. Das wollte Schwertl jedoch nicht zum Ausdruck bringen, im Gegenteil: Er ist mit seinen Schützlingen sehr zufrieden und „generell überrascht“, wie willig die Spieler seien – und wie weit schon der eine oder andere Junge sei, der noch bei den A-Junioren spielen könne, beispielsweise Pascal Leonhardt. Abgesehen von belastungsbedingten kleineren Blessuren lief die Vorbereitung störungsfrei. Allein Daniel Neu wird wegen einer Knieverletzung länger fehlen. Rajmond Lapp, von einem Oberarmbruch genesen, steigt wieder ins Training ein. Zweimal nacheinander ist der VfL Neustadt aus einer Spielklasse gestürzt und in der Bezirksliga gelandet. Schwertl kennt die Liga nicht, er hat so tief noch nicht gespielt. Mit Prognosen hält er sich deswegen zurück. „Für uns geht es zunächst einmal darum, uns in der Liga zu festigen und den VfL wieder attraktiver zu machen für Spieler aus der Umgebung“, sagt er. „Wenn uns das gelingt, können wir für die nächste Saison vielleicht den einen oder anderen holen, der uns wieder ein Stück weiterbringt. Dann kann man über andere Ziele nachdenken.“ In der Bezirksliga sei es vor allem wichtig, eine fitte Mannschaft zu haben, „und das bekommen wir hin.“ Schwertl wird die Position eines defensiven Mittelfeldspielers bekleiden. In Stein gemeißelt sei dies nicht, „wenn sich jemand anbietet, der das besser macht, bin ich der Erste, der das Feld räumt.“ So weit wird es wohl nicht kommen. Während der 90 Minuten wird Schwertl auf dem Rasen ackern, dann ist es an Torsten Conrad, an der Seitenlinie die Geschicke zu lenken. Er und Schwertl sind gleichberechtigte Trainer. „Wir besprechen uns immer, aber in den Spielen ist er derjenige, der die Order ausgibt. Die Halbzeitansprache liegt eher bei mir“, sagt Schwertl. Einer aber muss im Zweifelsfall die Entscheidung treffen. Wer hat das letzte Wort, wenn die Sichtweisen sich unterscheiden? „Das gab es bis jetzt noch nicht, dass wir nicht einer Meinung waren“, sagt Schwertl, „und selbst wenn: Wir könnten das ausdiskutieren.“ Übrigens: Mit dem Morlauterer Trainer Karl-Heinz Halter hat Schwertl vor zehn Jahren beim TuS Hohenecken zusammengearbeitet. Lange ist’s her. „Aber er wusste noch, wer ich bin. Er hat gesagt: An die Guten könne er sich immer erinnern. Ein typischer Halter-Spruch. Das Wiedersehen mit ihm wird bestimmt lustig.“