Neustadt Zwei Drittel Wein, ein Drittel Wasser

Eine fröhliche Schorle-Runde.
Eine fröhliche Schorle-Runde.

Bei der Deidesheimer Weinkerwe herrschte besonders in der Woigass zwischen Bahnhof und Marktplatz reges Treiben bis weit nach Mitternacht. Im Mittelpunkt stand der Riesling-Schorle. Gestern gab es erstmals eine Dindl-Modeschau auf der Schlossstraße. Im Weinprobierstand des Winzervereins Deidesheim, der seit 1974 von Karl Seelinger geleitet wurde und jetzt von seiner Stieftochter Sigrun Thiel bei der Kerwe fortgeführt wird, gibt es kaum einen ruhigen Moment. Ralf und Ramona Tuband sowie Sigrun Thiel hinter der Theke sind am frühen Samstagabend pausenlos mit dem Einschenken von Schorle beschäftigt. Die Plätze sind alle vollbesetzt, die beiden Servicekräfte Gudrun Titz und Constanze Claus im Dirndl boten da bei ihrer Arbeit auch schon einen Vorgeschmack auf die Modeschau am nächsten Tag. Da wandern immer wieder die Wein- und Wasserflaschen zwischen Theke und Kühlschrank. Das hat Gründe: Der Schorle muss kalt und frisch sein. Während an der einen oder anderen Ausschankstelle mehrere Gläser zumindest mit Wein halb befüllt waren, um dann im Rekordtempo mit Mineralwasser nachgefüllt wurden, ist dieses Vorgehen für die meisten erfahrenen Betreiber tabu. „Jeder Schorle muss frisch sein“, erzählt Thiel. Sie stößt gerade mit Rolf Hertel an. „Für mich ist ein Schorle, wenn ein junger fruchtiger Riesling im Glas ist“, erzählt Hertel. Sein Glas ist ein wenig von der Kälte beschlagen, und der Schorle blubbert von der Kohlensäure im Glas. „Der größten Fehler wäre, an der Qualität des Mineralwassers zu sparen“, sind sich Thiel und Ralf Schubing am benachbarten Stand einig. Der Schorle im 0,5-Liter-Glas braucht eine Weile, bis er ausgetrunken ist. Es sei denn, er wird in der Runde weitergereicht. Dann ist er auch ein Kommunikationsmittel. „Man kommt dadurch miteinander ins Gespräch“, sagt Eric Steffens. Der Student für Weinbau und Oenologie ist ein ausgesprochener Rieslingschorle-Fan und testet mit Freunden bei der Deidesheimer Kerwe den Schorle. Stichwort: Riesling. Diese Rebsorte wird an fast allen Ausschankstellen für den Schorle verwendet. Dennoch gibt es auch Ausnahmen. „Wir spüren schon, dass jüngere Leute auch was anderes ausprobieren wollen. Ein Schorle mit einem Gewürztraminer oder mit einem Weißburgunder wird schon nachgefragt“, erzählt Thiel. Während die 47-Jährige auf die Weine des örtlichen Winzervereins setzt, hält Ralf Schubing den Gutsriesling vom örtlichen Weingut Andres für den Schorle bereit. Da hat auch die Kerwekommission ein Auge darauf. Ausschließlich Weine der örtlichen Winzer und mindestens mit dem Anspruch Qualitätswein dürfen ausgeschenkt werden. Dennoch gibt es beim Schorle Unterschiede in Sachen Qualität. Auch sind die Geschmäcker und Vorlieben eben unterschiedlich. Andere setzen statt auf Riesling auf einen lieblichen Weißherbst. Ein großes Thema ist das Maßverhältnis zwischen Wein und Wasser im Schorle. Der Pfälzer Schorle ist nun mal zwei Drittel Wein und ein Drittel Wasser. Das wussten selbst so manche Einheimische nicht. „Ich möchte nicht so fetten Schorle“, meinte Karsten Völker. Der Hesse wurde am Stand der TSG Deidesheim erstmals aufgeklärt. „Halb und Halb ist bei uns ein dünner Schorle“, meinten die Jungs hinter den Tresen und grinsten. In einem Punkt gibt es noch keine Einigkeit unter den Ausschankstellen. Nur ganz wenige setzten auf das moderne Dubbeglas. Bei Ralf Schubing kommt nur noch das Dubbeglas zum Einsatz. Nicht nachweisbar ist die Behauptung, dass der Schorle im Dubbeglas länger gekühlt bleibt. Das Dubbeglas ist aber im Vormarsch. „Es gibt schon Leute, die ausdrücklich das Dubbeglas wollen“, erzählt Thiel.

Zwei Modelle bei der Dirndl-Schau.
Zwei Modelle bei der Dirndl-Schau.
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