Neustadt Zwölf Zahnärzte für elf Millionen Einwohner
Zeitgemäße Röntgenmethoden, Alternativen zu Amalgamfüllungen und deren umweltgerechte Entsorgung, die komplexen Abläufe in einer hoch frequentierten Zahnarztpraxis und die Arbeitsabläufe in einem zahntechnischen Labor: Das alles haben vier Zahnärzte aus Ruanda in Neustadt, Bad Dürkheim und Ludwigshafen erleben können.
Der zweiwöchige Aufenthalt der vier Mediziner aus Afrika war auch mit einem kulturellem Programm gespickt: Hambacher Schloss, Speyerer Dom, Technikmuseum und andere Sehenswürdigkeiten wurden besucht. In Ruanda, dem Partnerland von Rheinland-Pfalz, werden elf Millionen Einwohner von nur zwölf Zahnärzten und etwa 250 „Dental-Therapeuten“, also schulisch ausgebildeten, zahnärztlich tätigen Personen, versorgt. Um hier Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, haben Dr. Franz-Josef Ratter aus Deidesheim und Dr. Jürgen Raven aus Maikammer 2009 das Projekt „Dental roots – raçines dentaires – Aktion Zahnwurzel“ (www.dentalroots.de) ins Leben gerufen. Die vier afrikanischen Gäste – Dr. Alphonsine Mukandoli Kankwanzi aus Kigali, Fidele Hagumubuzima aus Nyanza, Jean Marie Vianney Nahayo aus Ruli und Dr. Deogratias Uwayezu aus Ruhengeri – sind Leiter zahnärztlicher Stationen an Krankenhäusern. Während ihres Aufenthaltes in der Pfalz waren sie privat bei Kollegen untergebracht. In den beteiligten Praxen für Zahnmedizin in Bad Dürkheim (Cornelia Rieger), Neustadt (Walter Speicher, Wilfried Woop), Maikammer (Wolfgang Mack) und Ludwigshafen (Andreas Merk) sowie für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Neustadt (Stephan Michel) haben sie unter anderem viel über Prävention und Prophylaxe gelernt. Denn in Ruanda leidet die Zahngesundheit der Bevölkerung unter dem zunehmenden Verzehr von Süßigkeiten und Softdrinks. Darüber hinaus fehlen zum Beispiel eine ausreichende prothetische Versorgung und Behandlungsmöglichkeiten mit Implantaten. Die hierzulande standardmäßige Ausstattung der Praxen mit modernen Behandlungsstühlen, Lampen und Instrumenten ist in dem afrikanischen Land die Ausnahme. Im Labor für Dentaltechnik Willersinn & Lang in Ludwigshafen konnten die Gäste sehen, wie Inlets, Kronen und Prothesen passgenau hergestellt werden. „Durch die Spendenbereitschaft der rheinland-pfälzischen Zahnärzteschaft und die Unterstützung des Ministeriums des Innern, für Sport und Infrastruktur konnten wir inzwischen an drei Standorten in Ruanda vier moderne zahnärztliche Räume einrichten“, berichtet Raven. Den wissenschaftlichen und praktischen Austausch werde man fortsetzen. (stgi)