Neustadt Zusatzspeicher für den Klärschlamm
Ständiger Regen und Gewitter haben den Baubeginn verzögert. Jetzt soll es aber losgehen mit dem Erdaushub: Auf dem Gelände der Kläranlage bei Niederkirchen entsteht ein neues Schlammsilo. Ziel ist es, die Schlammbehandlung zu verbessern und so auch künftig Geruchsbelästigungen für die westlich davon liegenden Wohngebiete in Niederkirchen zu vermeiden.
Das neue Silo wird sieben Meter hoch, hat einen Außendurchmesser von 14,50 Metern und kann 800 Kubikmeter Schlamm speichern. Es wird mit einem Rührwerk und einer Füllstandsmessung ausgestattet, berichtet Jürgen Scherz, Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik von der Westpfälzischen Ver- und Entsorgungs GmbH (WVE). Es entsteht direkt neben dem vorhandenen, gleich großen Schlammspeicher. Die WVE hat den Bau geplant und überwacht ihn. Die Verbandsgemeindewerke Deidesheim investieren dafür rund 500.000 Euro. Aufträge für den Bau und die Elektro- wie Maschinentechnik sind bereits Ende April vergeben worden. Wasserrechtliche Genehmigungen mussten dafür eingeholt werden; sie sind inzwischen von den Fachbehörden erteilt worden. Zum Beginn der Weinlese Anfang September soll alles fertig und in Betrieb gegangen sein, informieren Friedrich Schalk, Leiter der Verbandsgemeindewerke, und Andreas Riewe, Betriebsleiter der Kläranlage. Das neue Silo erfüllt seine Funktion vor allem während der Weinlese, wenn die Belastung der Kläranlage am höchsten ist. Denn dann kommt es zu Engpässen bei der weiteren Behandlung des Klärschlamms. An der Kläranlage Niederkirchen wird der Klärschlamm gepresst und danach in 15 Behältern verrotten lassen. Das Ergebnis ist Klärschlammkompost. Er wird im Landschaftsbau zur Rekultivierung verwendet (nicht in der Landwirtschaft). Die Hauptabnehmer seien Landschaftsbauer und Baumschulen, erklärt Schalk. Niederkirchen sei die einzige Kläranlage in Rheinland-Pfalz, in der der Klärschlamm kompostiert werde. Wenn während der Weinlese besonders viel Klärschlamm entsteht, muss bisher mehr Schlamm aus dem Silo entnommen und auf die Rottebehälter verteilt werden. Es bleibt nicht genug Zeit, den Schlamm gründlich verrotten zu lassen. Und ein nicht ausreichend verrotteter Kompost kann beim Umsetzen und Verladen lästige Gerüche verursachen. Damit also auch während der Weinlese die Rottecontainer gleichmäßig beladen werden können, hat die WVE GmbH den Bau des zweiten Silos vorgeschlagen. Die WVE, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Kaiserslautern, hatte im Frühjahr 2015 den Betrieb der Kläranlage untersucht und Verbesserungsvorschläge gemacht. Als erster Schritt war das Belüftungssystem in den beiden Kombibecken erneuert worden. Damit soll vor allem Energie eingespart werden. Neben dem zweiten Silo wird ein Schacht gebaut für eine Entleerungspumpe sowie eine Bodenplatte für einen neuen Abluftfilter. Der soll künftig die Abluft aus beiden Silos und dem Mischbehälter (Klärschlamm wird mit Sägemehl vermischt) reinigen. Beim Filter setzt man künftig auf Aktivkohle. „Sie ist wirksamer als der bisherige Biofilter“, erklärt Friedrich Schalk. Aktivkohle wirke gleichmäßig, auch unabhängig vom Wetter. Die Kläranlage bei Niederkirchen reinigt das Abwasser aus der gesamten Verbandsgemeinde Deidesheim. Das Abwasser aus Deidesheim, Ruppertsberg und Niederkirchen läuft über den Kanal zur Kläranlage, das Abwasser aus Forst und Meckenheim wird dorthin gepumpt. Die Kläranlage der Verbandsgemeinde Deidesheim ist auf eine Normallast von 20.000 Einwohnergleichwerten angelegt. Die Durchschnittsbelastung während der Weinbaukampagne liegt bei 50.000 Einwohnergleichwerten. Dieser Wert dient als Maß für die Schmutzfracht, die mit dem Abwasser in eine Kläranlage gelangt. Er vergleicht die Schmutzfracht aus gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieben mit jener aus dem häuslichen Abwasser einer einzelnen Person. |ff