Neustadt Zur Sache: Fußball-Weltmeister erste prominente Fahrgäste

„Das Wunder von Bern“: Für die erste pfälzische Sesselbahn oberhalb von Edenkoben grenzte es an ein Wunder, dass die Lauterer Fußballweltmeister von 1954 der gerade eingeweihten Bahn die Aufwartung machten. Otmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel waren die ersten prominenten Fahrgäste. Es war ein gewagtes, ja verrücktes Abenteuer, vom Schloss Ludwigshöhe zur Rietburg (550 Meter) eine Sesselbahn hochzuziehen. Zwei waschechte Edenkobener, Hermann Alles und Ludwig Urschbach, gründeten im Spätjahr 1953 eine Interessengemeinschaft zum Bau einer Sesselbahn. Erst als neben zwei weiteren Edenkobenern – Ludwig Mattern und Julius Dietz – dann Zigarettenfabrikant Oskar Lehr seine finanzielle Beteiligung zusagte, konnte die Realisierung des Projekts ins Auge gefasst werden. Am 7. April 1954 wurde die „1. Pfälzische Sesselbahn GmbH Edenkoben” gegründet und notariell beurkundet, schon zwei Tage später folgte der Bauauftrag an die im Seilbahnbau weltweit bekannte Firma Pohlig in Köln. Ein Sonderkurier überbrachte am Samstag, 31. Juli 1954, aus Mainz die Inbetriebnahmegenehmigung – zehn Minuten vor dem offiziellen Start. Da der Südwestdeutsche Fußballverband den früheren Kavaliersbau des Schlosses Ludwigshöhe zu einem „Schlosshotel Ludwigshöhe” umgebaut und am 1. Juli 1954 seine Sportschule mit der bewirtschafteten Südwesthalle eingeweiht hatte sowie eine Zufahrtsstraße ausgebaut wurde, entwickelte sich die Ludwigshöhe schnell zu einem beliebten Ausflugsziel. 1956 wurden sage und schreibe 900 Busse an der Sesselbahn registriert. Ab 1957 konnten Sesselbahn-Besucher in der neuen Rietburg-Höhengaststätte Einkehr halten und von dort zu den Wanderhütten und Gaststätten im Edenkobener Tal aufbrechen oder auf dem 1963 errichteten Hilschweiher zu Bootsfahrten starten. Im Sonnenjahr 1959 mit dem Jahrhundertwein steuerten nicht weniger als 60 Sonderzüge und 1165 Busse die weinfrohe Stadt Edenkoben nebst Ludwigshöhe an. Als 1961 urplötzlich das Schlosshotel und die Südwesthalle ihre Pforten für den Publikumsverkehr schlossen und an die Bundeswehr verpachtet wurde, eröffnete die Sesselbahn-Gesellschaft an der Talstation ein Terrassen-Café und legte hinter der Bergstation ein Wildgehege an. Die Rietburg gilt als „Aussichtsterrasse der Deutschen Weinstraße” schlechthin.
