Neustadt Zur Sache: Die Sicht der Jäger

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„Die Dinge, die wir in der Natur haben, gehören dazu“, findet Jagdpächter Hanno Ramstetter aus Deidesheim. Die Wildschweine hätten sich aufgrund der milden Winter stark vermehrt und suchten fruchtbare Weidegründe mit saftigem Gras und Obst, gerade in diesem trockenen Sommer. Den Tieren werde der Weg geradezu geebnet: „Was sollen sie im Wald, wenn die Winzer gutes Grünfutter in die Zeilen pflanzen?“ meint er. Früher seien die Wildschweine auf der Suche nach Silvanertrauben gekommen, dann wieder im Wald verschwunden. Nach der Lese seien die Wingerte unkrautfrei geblieben. Er empfiehlt als besten Schutz konsequentes Einzäunen von allem, was einem wertvoll ist, wie es mit Gemüsegärten immer schon üblich war. Die beiden Deidesheimer Jagdpächter, Bodo Clemenz und Hanno Ramstetter, haben im Jagdjahr vom 1. April bis heute in einem Gebiet von 600 Hektar 38 Wildschweine erlegt, Keiler und Bachen. Auch nachts dürfe mit Sondergenehmigung der Unteren Jagdbehörde unter Zuhilfenahme einer Handlampe geschossen werden. Gerade dieser Tage hätten sie ein Tier um halb eins in der Nacht geschossen, berichtet Ramstetter. Die Wildschwein-Population nehme überhand, denn eine Bache werfe zweimal pro Jahr bis zu acht Frischlinge, die strenge Winter nicht alle überlebten. Doch in den jüngsten zehn milden Wintern seien die meisten durchgekommen. Die große Trockenheit der vergangenen Monate ist schuld daran, dass es in diesem Jahr besonders große Probleme mit Wildschweinen gibt, die die Weinberge leer fressen, erklärt Kreisjagdmeister Jörg Sigmund (Südliche Weinstraße). Er befürchtet, dass es noch schlimmer wird, wenn weitere Traubensorten reifen. Weil im Pfälzerwald kaum mehr Nahrung zu finden ist, weiche das Schwarzwild auf Trauben und Fallobst aus. „Diese Probleme werden anhalten, bis im Wald die ersten Eicheln herunterfallen“, prophezeit Sigmund. Die Jäger versuchten ihr Bestes, um das Schwarzwild zu dezimieren, aber ihnen seien weitgehend die Hände gebunden. Erfahrungsgemäß stürmten die Wildschweine erst bei Dunkelheit in die Wingerte, um sich satt zu fressen. Er habe deswegen gerade eine Ausnahmeregelung beantragt, dass die Jäger vorübergehend mit künstlichen Lichtquellen, zum Beispiel Scheinwerfern, jagen dürfen. Das ist normalerweise verboten. Grundsätzlich per Gesetz untersagt sind auch Nachtsichtgeräte. „Damit das Wild auch mal seine Ruhe hat“, meint der Kreisjagdmeister. Eine Entlastung verspricht sich der Kreisjagdmeister an der Südlichen Weinstraße ab Mitte oder Ende Oktober, wenn die großen Treibjagden beginnen. (piw/rire)

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