Neustadt Zuerst die Beinarbeit und das Ausatmen ins Wasser
Neustadt/Hassloch. Schwimmkurse für Kinder sind oft schnell ausgebucht. „Unser Hauptproblem ist, dass wir keine ehrenamtlichen Übungsleiter finden“, erzählt Dorothee Strobl-Berger, Übungsleiterin des SC Neustadt. „Wir würden die ja qualifizieren, aber die Person müsste zuerst willens sein zu helfen.“
In der Schwimmschule des SCN werden die Jungen und Mädchen in der Entengruppe ans Wasser gewöhnt, lernen dort dann den Kraulbeinschlag. 25 Schwimmschüler tummeln sich hier, weitere stehen auf einer Warteliste. In den nachfolgenden Gruppen lernen 15 bei den Delfinen, 15 bei den Walen, 20 bei den Haien die weiteren Schwimmtechniken. „Unser Einzugsgebiet ist Böhl-Iggelheim, Deidesheim, Niederkirchen, Lambrecht, Kirrweiler – aus der Neustadter Kernstadt kommen kaum Kinder“, weiß die SCN-Übungsleiterin. Sie ergänzt: „Wenn wir mehr Trainer hätten, könnten wir im Entenkurs viel mehr machen.“ Denn im Schwimmclub sei das Ziel, dass ein Trainer für maximal drei Kinder da sei. Unter den Enten seien auch reine Nichtschwimmer. Die meisten hätten zwar schon die Seepferdchen-Prüfung absolviert. „Aber sie beherrschen das Wasser nicht wirklich“, sagt Strobl-Berger. „Sie können nicht ins Wasser ausatmen, können nicht tauchen, nicht in Rückenlage auf dem Wasser liegen.“ Dies seien aber die Voraussetzungen, um richtig schwimmen zu lernen. Da die Kinder mit den Armen mindestens 70 Prozent der Fortbewegung schafften, mit den Beinen aber nur 30 Prozent, „sind wir gezwungen, Kindern zuerst die Beinarbeit beizubringen“, erläutert Übungsleiter Germanus Berger das Konzept. „Wenn sie die Beinarbeit können, haben sie auch eine stabile Wasserlage.“ SCN-Schwimmwart Peter Benker denkt ebenfalls, dass „wir im Winter im Entenkurs noch mehr Kinder unterbringen könnten, wenn wir mehr Trainer und auch mehr Wasserzeiten hätten“. Letztlich hänge es vom qualifizierten Personal ab. Anstelle des Entenkurses in der Wintersaison mit rund 15 Einheiten bietet der SCN im Sommer in den drei Wochen vor den großen Ferien von montags bis freitags ebenfalls einen Anfängerkurs an. Benker bezeichnet diesen „als viel effizienter“. Eines ist in beiden Kursen aber gleich: Brustschwimmen erlernen die Jungen und Mädchen erst zum Schluss. Benker: „Wir arbeiten nach dem Schwimmstar-Konzept.“ Dorothee Strobl-Berger erklärt: „Brustschwimmen ist für Kinder im Alter von fünf, sechs Jahren zu schwierig. Sie lernen nur die Brust-Bein-, aber nicht die Armbewegung, weil die gesamte Lage koordinativ zu anspruchsvoll ist.“ Peter Benker betont: „Uns ist wichtig, dass die Kinder nach dem Kurs, sollten sie ins Wasser fallen, nicht ertrinken, dass sie sich über Wasser halten können.“ Bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Neustadt sind die Kurse zumindest im Sommer auch voll. „Zusätzliche Wasserfläche kriegten wir vielleicht noch, aber dafür haben wir nicht genügend Übungsleiter“, sagt Torben Baum, Technischer Leiter der Neustadter Ortsgruppe. „Diejenigen, die Kurse leiten, sind nämlich auch ins normale Training eingebunden.“ Die DLRG nimmt Kinder ab sechs Jahren an. Bei Jüngeren erkundige man sich bei den Eltern, wie weit das Kind entwickelt sei. Baum: „Es gibt Kinder, die wollen nicht im Gesicht nass gespritzt werden.“ Man merke sofort, welche Eltern mit ihren Kleinen in der Freizeit ins Schwimmbad gingen. Wer im Kurs erfolgreich sei, könne dann in der ersten DLRG-Gruppe mitüben. Der DLRG-Nachwuchs hat beim Jugend-Engagement-Wettbewerb des Landes 500 Euro gewonnen (wir berichteten am 13. Februar). Damit wolle man im Sommer einen Wassergewöhnungskurs kostenlos für Zehn- bis 16-Jährige anbieten, deren Eltern sich einen solchen Kurs nicht leisten könnten, informiert Baum. Die DLRG profitiere von ihrer Nachwuchsarbeit: Man könne die Anzahl von rund 300 Mitgliedern gut halten, erzählt der Technische Leiter. Schwimmkurse bietet auch der Förderverein Mußbacher Schwimmbad in der Freibadsaison an. 2015 gab’s drei Kurse mit jeweils 17 Kindern. Es habe bei der Anmeldung – die immer am ersten Öffnungstag in der Sommersaison stattfinde – drei Schlangen gegeben, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Jürgen Abel. „Nach 20 Minuten war alles ausgebucht.“ In diesem Jahr öffnet das Mußbacher Freibad am 21. Mai. Die drei Kurse finden stets vor den Sommerferien, in der letzten Woche vor den Sommerferien und in der ersten Ferienwoche sowie in der zweiten und dritten Ferienwoche statt. Abel: „Wir könnten auch fünf Kurse anbieten oder die Teilnehmerzahl auf 25 erhöhen.“ Aber das wolle man nicht. Man wolle die Kinder individuell betreuen. So seien pro Kurs drei Übungsleiter dabei. Der Unterricht findet kompakt statt: 15 Tage am Stück jeweils eine Stunde. Der Lerneffekt sei groß, betont Abel. Zwei Drittel der Kleinen schafften es, spielerisch das Schwimmen zu erlernen. Im Sommer hat der Förderverein erstmals einen Wassergewöhnungskurs für Drei- und Vierjährige im Programm. Abel: „Das ist quasi die Vorstufe zum Schwimmkurs.“ Während beim Schwimmkurs die Eltern dem Becken fern bleiben müssten, seien im Wassergewöhnungskurs Väter und Mütter dabei. Im Förderverein ist man stolz auf eine Tatsache: Die Mußbacher Grundschule habe „prozentual gesehen den größten Anteil an schwimmfähigen Neustadter Kindern“, die eine weiterführende Schule besuchten, weiß Abel. „Die Grundschule nimmt aktiv unser Angebot an. Mindestens die dritte und vierte Klasse schwimmen bei uns im Bad.“ Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Kurse: Hier wird auch der eine oder andere für den Förderverein gewonnen. „Den ersten Kontakt zu unserem Öffentlichkeitsreferenten Christian Drews hatte ich vor drei Jahren, weil seine Tochter bei uns einen Schwimmkurs mitgemacht hat“, erzählt Abel. Der TV Mußbach hat erstmals ebenfalls einen Kinder-Schwimmkurs im Angebot. Vorerst jedoch nur für Vereinsmitglieder. Und nur für Kinder, die bereits erfolgreich einen Schwimmlernkurs absolviert haben. „Das Interesse ist riesengroß“, sagt Übungsleiter und Diplom-Sportlehrer Reinhard Wenz. Auf Anhieb haben sich 15 Jungen und Mädchen im Grundschulalter angemeldet. Sie lernen nun die Disziplinen Delfin, Rücken, Brust und Kraul. Allerdings hat Wenz große Defizite hinsichtlich der motorischen Grundfertigkeiten im Brustschwimmen festgestellt. Die meisten Kinder könnten nicht ins Wasser ausatmen und hätten Fehler beim Beinschlag. So habe man die Gruppe unterteilt: In der einen würden die Kleinen zum Kraulschwimmen hingeführt. In der anderen lernten sie zunächst den korrekten Brustbeinschlag. Wenz betont, dass Spiel und Spaß dabei wichtig seien. Schwimmkurse gibt es auch im Stadionbad in Neustadt sowie im Badepark in Haßloch. „De werden sehr gut angenommen“, betont der Neustadter Fachbereichsleiter Markus Schuler. Pro Kurs lernten im Schnitt zehn Kinder das Schwimmen. In diesem Winter habe man sieben Kurse angeboten. Im Badepark gebe es derzeit keine Warteliste, obwohl die Nachfrage groß sei, sagt Badepark-Teamleiter Stefan Kissel. Kaum sei ein Kurs im Verkauf, sei er ruck, zuck zu 90 Prozent ausgebucht. In beiden Bädern wird zuerst das Brustschwimmen gelehrt. Im Deidesheimer Freibad werden Seepferdchen-Kurse offeriert, sagt Schwimmmeister Andy Bories. Ein Kurs finde zwei Wochen lang von montags bis freitags statt. „Dann sitzt das auch“, ist Bories’ Erfahrung. Beim SV Deidesheim gibt es keine Kurse. „Wir haben zurzeit niemanden, der die Ausbildung dafür hat“, begründet Gerätewart Manfred Eichberger. (sab)