Neustadt Zu viele Autos, zu wenige Wohnungen

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„Sind Sie modern?“ Brigitte Hayn, Landtagsabgeordnete der CDU, hat sich die Frage selbst vielleicht so noch nie gestellt. Aber: In Mainz ist sie in ihrer Fraktion Vorsitzende eines Ausschusses „Kunst, Kultur, Moderne“. In der RHEINPFALZ-Sommerredaktion beantwortet sie die Frage spontan mit Ja. Begründung: Das Gegenteil wäre altmodisch, und das will ja keiner sein. In dem Ausschuss beziehe sich die Bezeichnung aber auf Kunst und Kultur und den Umgang damit, erklärt Hayn. Es gehe beispielsweise darum, Kunst und Kultur schon früh zu vermitteln, und damit auch Lernfähigkeit, Offenheit und Toleranz zu fördern. „Das ist modern.“ Apropos Offenheit. Mit dieser Einstellung sei ihre Partei in der Stadt auch in die Koalitionsverhandlungen gegangen, so Hayn. Zwar habe sie eher mit einer großen Koalition als mit einer Jamaika-Koalition (mit Grünen und FDP) gerechnet, aber mit den „handelnden Personen“ könne man gut arbeiten. Mit Matthias Frey von der FDP sogar „sehr gut“. Im Landtag vermisse sie die Liberalen im Übrigen. (kkr) Wenn Werner Schreiner demnächst nach England fährt, nimmt er tatsächlich das Auto. Der langjährige VRN-Geschäftsführer ist zwar bekennender Bahn-Freak, aber dennoch Pragmatiker. In Spanien war er letztens aber mit dem Zug unterwegs. „Interrail für Senioren“, erzählt er grinsend in der RHEINPFALZ-Sommerredaktion. Mit einem Aufschlag von 100 Euro dürften ältere Herrschaften auch die schicken Schnellzüge benutzen. Madrid-Barcelona in zweieinhalb Stunden, da kriegt Schreiner glänzende Augen. Geschwindigkeiten bis zu 310 Kilometer pro Stunde hat die S-Bahn vor Ort natürlich nicht zu bieten. Schreiner findet dennoch, dass die Touristiker ihr mehr Aufmerksamkeit widmen sollten. Neustadt sollte in Verbindung mit dem Biosphärenreservat stärker auf Öko-Tourismus setzen, sagt er. (kkr) Günter Pritzl ist schon seit zehn Jahren auf der Jagd nach etwas, was es nicht gibt. Das sind andere Menschen auch, doch bei Pritzl hat es damit etwas Besonderes auf sich. Pritzl jagt Elwedritsche. Und zwar nicht alleine, sondern in der Gruppe, meistens sind es Touristen, die durch die Tourist-Info auf ihn aufmerksam werden. Und das ist auch der Grund, warum Pritzl in die Sommerredaktion kommt. Er will sich in aller Öffentlichkeit für die gute Zusammenarbeit bedanken. Und gleichzeitig bei den Neustadtern, die unter den Elwedritsche-Jägern eher selten sind, um Interesse werben. Elwedritsche-Jagen gebe es seit 1777, dieser „Sport“ habe also viel mit Tradition und Brauchtum zu tun. Was es zu bewahren gelte. (kkr) Ulrike Gauglitz ist immer unterwegs. Ob auf dem Arbeitsamt, bei der Stadtverwaltung oder auf Wohnungssuche – der Frau vom Arbeitskreis Humanitäre Hilfe für Asylbewerber geht die Arbeit nicht aus. Gerade weil auch aktuell in Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia oder im Irak der Krieg tobt und viele Menschen ihre Heimat verlassen. In der Sommerredaktion sitzt sie mit Rohullah Anmadzai, der gerade als Flüchtling anerkannt wurde. Nun sucht der Zahnarzt, der im Irak sowohl von der Regierung als auch von den Taliban verfolgt wurde, weil er die Missstände dort öffentlich anprangerte, einen Job. Aber für Gauglitz stehen noch andere dringliche Aufgaben an: „Uns fehlen geeignete Wohnungen für Asylbewerber“, sagt sie. Und als ob das nicht bereits eine schwierige Aufgabe wäre, hat die ehemalige Lehrerin noch ein Problem: Sie sucht Deutschlehrer, die ihren „Schützlingen“ Unterricht geben, damit sie sich schneller integrieren können. (jmr) Die Verkehrsplanung in Neustadt beschäftigt Alwin Müller aus Hambach. Er spricht sich für eine Einbahnstraßenregelung in der Innenstadt aus: Maximilian- und Talstraße sollten nur in einer Richtung befahren werden, an der Kreuzung der Maximilian- mit der Martin-Luther-Straße spricht er sich für einen Kreisverkehr aus. „Es soll gewährleistet werden, dass Autofahrer, die Neustadt nur passieren wollen, ohne viele Stopps durchkommen“, sagt er. Außerdem hält er eine „grüne Welle “ an den Ampeln für wichtig. Für den Winzinger Knoten präsentiert er gleich eine Lösung anhand einer mitgebrachten Zeichnung: einen Doppelkreisel. So könnten Fahrzeuge ohne großen Aufenthalt durch diesen Verkehrsknotenpunkt hindurchkommen. Die Umbaupläne, wie sie von der Verwaltung präsentiert wurden, bezeichnet er dagegen als „Monstrum“. (jmr) Gotthard Hellwig beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema Verkehr in Neustadt. Hellwig wohnt in der Sauterstraße und bestätigt, was schon andere Anwohner dieser Straße in der Sommerredaktion gesagt haben. „Es wird viel zu schnell gefahren. Ich wurde bereits mehrmals von einem nachfolgenden Auto bedrängt, als ich mich mit meinem Fahrzeug an die Tempo-30-Regel gehalten habe“, erzählt er. Seines Erachtens sind die Planungen zur Bundesstraße 39 zu Unrecht in der Schublade verschwunden. „Die Aussagen des ehemaligen BASF-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht kurz vor der Bürgerbefragung sind die Ursache für die anschließende Ablehnung der Tunnellösung gewesen“, glaubt Hellwig. Nun gebe es erst einmal keine Lösung für die innerstädtischen Verkehrsprobleme. Hambrecht hatte sich gegen eine Verlegung der B 39 an die Bahngleise ausgesprochen. (jmr) Endlich Ferien – jedenfalls für Schüler und Lehrer. Sabine Gareis, Lehrerin an der Ostschule, nimmt das jedes Jahr zum Anlass, um mit ihrer Familie auf dem Marktplatz ein Gläschen Sekt zu trinken. Sonne, Sommer, Urlaub statt Rechnen im Zahlenraum bis Hundert: Das muss gefeiert werden. Gestern blieb sie auf dem Rückweg erst mal in der Sommerredaktion „hängen“, wo Ehemann Hans, Medienberater und Verleger, die Gelegenheit nutzte, um auf zwei Neuerscheinungen hinzuweisen. In einem davon geht es um „Chancen nach der Trennung“. Der Autor: ein Pfarrer, Frank Witzel. Selbst zweimal geschieden, also ein Experte. „Was Gott auseinanderführt, soll der Mensch nicht zusammenhalten“, ist der Titel des Büchleins. (kkr) Mehr Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen wünscht sich Petra Baader, die selbst im Rollstuhl durch Neustadt unterwegs ist. „Etliche Geschäfte kann ich nicht betreten, weil keine Rampe da ist und ich die Stufen mit meinem elektrischen Rollstuhl nicht überwinden kann“, sagt Baader. Auch die Bordsteine seien in Neustadt zum Teil zu hoch. „Menschen mit Rollstuhl oder auch mit Rollatoren haben da ihre liebe Mühe und müssen teilweise einige Meter auf der Straße zurücklegen“, sagt sie. Das sei natürlich sehr gefährlich, so ihre Einschätzung. Ein weiterer Gefahrenherd ist ihrer Ansicht nach die Speyerdorfer Straße, wo das Gebüsch bis weit auf den Fußgängerweg hineinrage. Sie selbst sei bei dem Versuch, dem wuchernden Grün auszuweichen, vergangene Woche mit ihrem Rollstuhl gestürzt, erzählt Baader. Bei neuen Geschäften oder Straßenumbauten wünscht sie sich mehr Rücksicht auf Menschen, die mit Gehhilfen oder im Rollstuhl unterwegs sind. (jmr) Paul Habermehl ist mit großer Leidenschaft Historiker. Und so spannt er beim Besuch in der Sommerredaktion, wo er eigentlich über seine Ideen für die Zukunft der B 39 sprechen will, mal ganz locker den Bogen dieser Straße und anderer Neustadter Verkehrswege bis zurück in die Römerzeit. Aber nur als kleine Exkursion, denn tatsächlich geht es ihm gerade mehr um die Zukunft. „Man muss jetzt sehen, wie der ganze Verkehr geregelt werden kann, und meiner Meinung nach kann man das nur mit einem Tunnel sinnvoll lösen“, sagt der 80-Jährige. Das Thema Tunnel sei durch „die kleine Lösung“, die im vergangenen Jahr nach der Bürgerbefragung beerdigt worden ist, zwar negativ behaftet. Aber dennoch sei es die beste Variante. Habermehl denkt an „eine große Lösung“: vom Winzinger Knoten bis zur Talpost oder sogar noch ein Stückchen weiter bis an die Stelle im Schöntal, wo die Bahngleise die B 39 überqueren. Ein weiteres Thema, das den im Sommer stets mit Strohhut anzutreffenden Pensionär derzeit beschäftigt: die Hambacher 1150-Jahr-Feier im kommenden Jahr. Die Idee einer Festschrift habe sich zerschlagen, nun denkt Habermehl, der seit 1971 in Hambach lebt, über „ein Jubiläumsbuch“ nach. (ffg)

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