Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Zentrale Kita-Anmeldung fällt vorerst Sicherheitslücke zum Opfer

Für über Zweijährige gibt es in Neustadt derzeit genug Plätze, aber nicht immer wohnortnah.
Für über Zweijährige gibt es in Neustadt derzeit genug Plätze, aber nicht immer wohnortnah.

Ein zentrales Online-Anmeldesystem für Kita-Plätze: Das hat die CDU-Fraktion im Stadtrat beantragt. Indes ist ein solches Verfahren bereits auf dem Weg. Dass es noch nicht für 2022/23 klappt, freut keinen.

Das bisherige System macht allen viel Arbeit. Ein Kind wird für die Wunsch-Kindertagesstätte angemeldet, dort wird die Anmeldung von Hand erfasst. Doch weil die Eltern nicht sicher sein können, ob es mit diesem Platz klappt, meldet man das Kind zusätzlich in einer oder mehreren weiteren Einrichtungen an. Steht zudem die Vergabe an, wissen die Kita-Leitungen nicht, ob die Anmeldung noch aktuell ist oder das Kind anderswo untergekommen ist. Etliche Telefongespräche sind notwendig. Für alle Beteiligten Doppelarbeit und eine unbefriedigende Situation.

Software vorhanden

Ein zentrales Anmeldesystem würde die Lage für alle erleichtern, sagt die CDU. Online basiert natürlich, wobei sie auf eine Software verweist, die bereits von vielen Kommunen eingesetzt werde. Dazu sollten die freien Kita-Träger, beispielsweise Kirchengemeinden, möglichst ins Boot geholt werden. Darüber hinaus sollten einheitliche Kriterien für die Platzvergabe erarbeitet werden.

Bei der Stadt rennt die CDU damit offene Türen ein. Genau gesagt, ist der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales zusammen mit der IT-Abteilung seit Monaten dabei, diese Software in Betrieb zu nehmen. 2021 wurde sie gekauft, es gab eine Testdatenbank, Kita-Personal wurde geschult, wie Fachbereichsleiter Alf Bettinger auf Anfrage darlegt. Mit den freien Trägern sei vereinbart, dass ihnen das System dann kostenlos bereitgestellt wird.

Alles auf Abwehr

Die Hiobsbotschaft ereilte den Fachbereich Ende 2021: Das WebKita-System zur Anmeldung musste laut IT-Abteilungsleiter Jochen Dehm außer Betrieb genommen werden, da es von einer neuen, gefährlichen Sicherheitslücke betroffen gewesen sei. Diese mache Unternehmen sowie Behörden angreifbar. Daher musste Dehm zufolge vorsorglich ein kompletter Server der Stadtverwaltung abgeschaltet werden, um auszuschließen, dass sich ein Angreifer bereits im System eingenistet hat. Es sei nun in Gänze neu aufgesetzt worden, jetzt würden alle Daten neu eingegeben, was seine Zeit brauche.

Bettinger hofft, dass nach der Sommerpause online angemeldet werden kann. Die Platzvergabe werde dann Anfang 2023 anhand dieser Daten erfolgen. Da es weniger Arbeit bedeute, könnten die Eltern früher informiert werden. Profitieren will auch die Verwaltung selbst, da die Daten Grundlage für die jährliche Kita-Bedarfsplanung seien.

Alleinerziehende haben Vorrang

Bereits Mitte 2021 geändert wurden indes die Kriterien, nach denen Kita-Plätze vergeben werden. Das sei wegen des neuen Kita-Gesetzes in Rheinland-Pfalz notwendig gewesen, so Bettinger. Der Stadtrat habe daher im Juni 2021 einer geänderten Satzung zugestimmt. Bei der Platzvergabe für Kinder im Alter über zwei Jahren hätten Alleinerziehende, die berufstätig oder in Ausbildung seien, erste Priorität. Dann folge das Alter der Kinder, wobei gelte: Je älter das Kind, desto größer der Anspruch. Nachgeordnete weitere Kriterien seien Berufstätigkeit der Eltern, Geschwisterkinder in derselben Kita, Wohnortnähe.

Laut Bettinger gibt es im gesamten Stadtgebiet genug Plätze für über Zweijährige, allerdings nicht immer am Wohnort. Daher sei das neue Ranking in Absprache mit den freien Trägern und dem Stadtelternausschuss vereinbart und von den Gremien auch abgesegnet worden. Das System werde laufend überprüft, bis ausreichend Kita-Plätze vorhanden seien.

Wichtig ist das vor allem beim Angebot für unter Zweijährige, wo die Nachfrage die Platzanzahl nach wie vor übersteigt. Die Lösung sieht Bettinger nur mittelfristig: wenn neben geplanten Erweiterungen die Kita-Neubauten realisiert sind. Dazu gehören unter anderem Projekte in der Erfurter Straße, am Jahnplatz, auf dem Sulo-Gelände und von St. Pius auf der Hambacher Höhe.

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