Neustadt Zarter Schmelz und viel Gefühl
Deidesheim. Mit Operettenarien, Kunst- und Volksliedern begeisterte am Donnerstagabend der Tenor Volker Bengl das Publikum in der Deidesheimer Stadthalle. Unter dem Motto „Dein ist mein ganzes Herz“ setzte der 56-Jährige große Gefühle frei, brachte Gesichter zum Strahlen und sogar einige Damen dazu, ihr Taschentuch zu zücken.
Volker Bengl, am Klavier ebenso einfühlsam wie souverän begleitet von Frank Oidtmann, dem Kirchenmusikdirektor der Universität Tübingen, weiß, wie er sein überwiegend älteres Publikum mit der Interpretation bekannter und unbekannterer Lieder in eine Welt der Gefühle und schönen Erinnerungen entführen kann. Er weiß, seine Lieder charmant plaudernd anzukündigen, streut hier ein Anekdötchen ein, da ein wenig Hintergrundwissen und beschwört vor allem immer wieder die Liebe und die Sehnsucht; egal, ob diese sich auf Menschen richtet, auf in der Jugend der meisten Zuhörer so ferne Gegenden wie Italiens Süden, die Heimat oder einfach ein paar warme Sonnenstrahlen. Im schönsten Fall enthalten die Lieder gleich mehrere dieser Elemente. So schon bei der ersten Komposition, dem Frühlingssehnsuchtslied „Wenn in Florenz die Rosen blühn“. Vertont hat dieses Lied Gerhard Winkler, aus dessen Feder auch die „Caprifischer“ stammen und der „Frühling in Sorrent“. Eine Melodie, die – wie sich das Publikum erinnert – der Tenor Rudolf Schock bekannt gemacht hat, der wiederum einer der Lehrer Bengls war. Und dieser singt die Weise so bewegend, dass sogar die Zuhörer, die anfangs noch den Text kaum hörbar mitgeflüstert haben, schon nach den ersten Takten verstummen und sich ganz dem Genuss der Stimme hingeben. Zu große Rührung lässt Volker Bengl allerdings nicht aufkommen. Von Italien führt er sein Publikum mit dem kurzen Liedchen „Das Waldhorn“ von Friedrich Silcher zurück in die Heimat, besingt mit dem bekannten „In der Pfalz blühen uns’re Reben“ voller Inbrunst die Liebe zu der Region, aus der auch er selbst stammt. Ja, die Pfalz, streut er ein, sei „eine gute Gegend für Tenöre“, aus ihr stammte schließlich auch Fritz Wunderlich, einer der ganz Großen. Sehr überzeugend, aus dem Herzen kommend, doch ohne Schmalz und Schmäh interpretiert Volker Bengl dessen „Kusellied“, eine sehnsuchtsvolle Kindheitserinnerung an die gleichnamige Stadt in der Westpfalz. Liedern vom Abschiednehmen setzt der Tenor fröhliche Weisen entgegen wie ein von Johannes Brahms komponiertes Liebeslied über sein Mädel mit dem Rosenmund und „Augen wie die Nacht so schwarz“. So Bekanntes wie „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“ aus Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rössl“ lässt die Zuhörer mitsummen, mitbrummen und die Worte nachformen. Mit dem leicht frivol angehauchten und mit verführerischem Schmelz gesungenen „Hab ein blaues Himmelbett“ aus der Operette „Frasquita“ von Franz Lehár bringt er die Zuhörer zum Lächeln. Gebannt lauschen diese gegen Ende des Konzerts auch dem „Titelsong“ „Dein ist mein ganzes Herz“ und Lehárs „Wolgalied“. Auch das erklingt innig, ohne falsches Pathos, woran auch die sehr subtile Klavierbegleitung ihren Anteil hat. Vor dem Hintergrund des Gesangs wird diese oft gar nicht genug gewürdigt. Frank Oidtmann hat dankenswerterweise die Möglichkeit, das Publikum zusätzlich mit zwei Solo-Stücken zu erfreuen, darunter der Walzer „Wein, Weib und Gesang“ von Johann Strauß, den er so mitreißend spielt, dass einige Zuschauer schon zum Mitklatschen ansetzen. Dabei lohnt es sich, ihm zuzuhören, denn er legt von Übermut, feiner Überlegung und Koketterie bis zu leicht trunkenem Taumel eine Riesenvielfalt von Gefühlen in diese bekannte Melodie. Als Volker Bengl das Publikum schließlich bei „Kein schöner Land“ zum Mitsingen auffordert, wird das begeistert angenommen. Das Publikum beweist Textsicherheit und Stimmkraft, selbst wenn jetzt gegen die Tränen der Rührung in einigen Fällen noch einmal die Taschentücher gezückt werden.