Neustadt Wortgewaltig für das Brauchtum geworben
DEIDESHEIM. Im Ruhestand war er viel beschäftigt. Das konnte die RHEINPFALZ noch vor zweieinhalb Jahren, zum 75. Geburtstag von Werner Leim feststellen. Erst eine schwere Krankheit hat das zuletzt geändert. Nun ist Werner Leim, der sich in der Kommunalpolitik, beim Weinbauverein, vor allem aber für das Brauchtum in Deidesheim so stark engagiert hat, im Alter von 77 Jahren gestorben.
Der ehemalige Vorstandssprecher der VR-Bank Mittelhaardt sei die „Galionsfigur“ der Bank in Deidesheim gewesen, sagte Stadtbürgermeister Manfred Dörr, als Leim vor zwölf Jahren in Ruhestand ging. Unermüdlich hat er sein Wissen um Finanzen danach ehrenamtlich eingebracht. So führte er die Geschäfte beim Weinbauverein Deidesheim, rechnete die Finanzen ab beim örtlichen Krankenpflegeverein und bei der Weinbruderschaft der Pfalz. Bei der Bank zu sein, hat für Werner Leim aber nicht nur Umgang mit Zahlen bedeutet. Kundennähe war ihm wichtig. Von der Lehre bei der Raiffeisenkasse bis zum Bankenvorstand hat er fast ausschließlich in Deidesheim gearbeitet. Nicht nur deswegen dürfte er zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Deidesheim überhaupt zählen. Besonders das Brauchtum hat ihm immer wieder öffentlichkeitswirksame Auftritte beschert. Zahlreiche Weinproben hat er besprochen, bei Führungen die Stadt und ihre Weinberge vorgestellt. Unvergessen seine Rolle als sprachgewaltiger und leidenschaftlicher Geißbockversteigerer. Auch beim traditionellen Empfang des Geißbocks an der Stadtgrenze spielte er mit. Werner Leim war auch schriftstellerisch tätig, hat zum Beispiel Theaterstücke für den Gesangverein geschrieben. Nicht zuletzt war er Präsident der Pfälzer Schoppenkämpferrunde, die sich nimmermüde für den Erhalt des Schoppenglases (0,5 Liter) Wein stark machte. Dem Stadtrat gehörte dem FWG-Mitglied Werner Leim seit 1964 mit Unterbrechungen, insgesamt aber über 30 Jahre an. Stets hat ihn die Sorge um die Verschuldung der Stadt umgetrieben, hat er sich engagiert für eine bessere Ausstattung der Kommunen im Lande eingesetzt. Auch bürokratische Auswüchse und Beschränkungen der kommunalen Selbstverwaltung hat er immer wieder heftig kritisiert. Im Verbandsgemeinderat gehörte er zu der Minderheit in der FWG-Fraktion, die die Abwahl von Verbandsbürgermeisterin Marion Magin im Jahr 2011 nicht unterstützte. Werner Leim wollte eigentlich im Ruhestand ein Buch schreiben über allerlei Geschichten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in Deidesheim so abgespielt haben. „Keine Zeit bisher“, sagte er, als er 75 Jahre alt wurde. Jetzt ist auch dieses Kapitel für immer beendet. Werner Leim wird am Freitag, 20. Januar, auf dem Friedhof in Deidesheim beigesetzt. Zuvor beginnt um 14.15 Uhr ein Sterbeamt in der katholischen Pfarrkirche. |ff