Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Wolfgang Neidhöfer, neuer Dirigent beim Musikverein Haßloch, setzt auf „ehrliche Musik von freilaufenden Musikern“

Wolfgang Neidhöfer wurde 1973 an der Mosel geboren und lebt heute mit seiner Familie in Worms, wo er die städtische Musikschule
Wolfgang Neidhöfer wurde 1973 an der Mosel geboren und lebt heute mit seiner Familie in Worms, wo er die städtische Musikschule leitet.

Wolfgang Neidhöfer schwingt seit knapp einem Jahr als neuer Dirigent beim Musikverein Haßloch den Taktstock. Als Leiter des Konzertanten Blasorchesters hat er die Nachfolge von Franz Zimnol angetreten, der das Ensemble zuvor 30 Jahre lang geleitet hat. Mit seinen 40 Musikern ist „der Neue“ gerade mitten in den Vorbereitungen zu einem ganz besonderen Frühjahrskonzert, das Musik und Werke aus bildender Kunst und Film verbindet.

Nach Haßloch geholt wurde Neidhöfer von Tatjana Geiger, der Leiterin der Musikschule Haßloch, die den Kontakt zum Musikverein und Orchester herstellte.

Neidhöfer wurde 1973 in Zell an der Mosel geboren und lebt seit neun Jahren mit seiner Familie in Worms. Zur Musik kam er schon früh über einen Jugendchor und den Musikverein seiner Heimatstadt, wo er die Tuba als sein Instrument entdeckte und die Lehrgänge D und C des Kreis- und Landesmusikverbands absolvierte. Berufsmusiker wurde Neidhöfer aber erst im zweiten Anlauf: Nach dem Abitur machte er zuerst eine Lehre als Bürokaufmann, ehe er an der Musikhochschule Augsburg die Fächer Tuba, Blasorchesterleitung und Instrumentalpädagogik studierte.

Der Vorgänger spielt weiter im Orchester mit

In Worms leitet er heute die städtische Lucie-Kölsch-Musikschule, ist also quasi ein Kollege von Tatjana Geiger. Als stellvertretender Landesmusikdirektor im Landesmusikverband Rheinland-Pfalz organisiert er außerdem die Grundkurse für künftige Orchesterleiter. Eigene Erfahrungen am Dirigentenpult sammelte er als Chef mehrerer Vereinsblasorchester und Jugendblasorchester im Raum Augsburg/Ulm/Oberschwaben, darunter der Stadtkapelle Günzburg und des Jugendblasorchesters Ochsenhausen-Ummendorf.

Mit seinem neu übernommen sinfonischen Blasorchester in Haßloch sieht sich der Dirigent noch in der Aufbauphase. Der Altersschnitt in dem Laienorchester sei hoch, die „Corona-Delle“ immer noch spürbar. Zur Gewinnung neuer und jüngerer Mitspieler will der Verein neue Konzepte ausprobieren, wie etwa ein offenes Projekt im Sommer. Das Blasorchester probt jeden Freitag von 19.30 bis 22 Uhr in der Aula des Hannah-Arendt-Gymnasiums.

Seine Hauptaufgabe als neuer Dirigent sieht Neidhöfer darin, die Laienmusiker in ihren unterschiedlichen Stärken zu fördern und ein homogenes Klangideal anzustreben. Er habe ein gut aufgestelltes Orchester mit 40 ambitionierten Musikerinnen und Musikern übernommen und trete gerne in die Fußstapfen seines Vorgängers. Franz Zimnol hatte die konzertante Abteilung des 1958 gegründeten Haßlocher Musikvereins von 1993 bis 2023 geleitet und spielt auch weiterhin als Posaunist mit.

Musikalische Bilder zu Rembrandt und „Cobra“

Was den eigenen Musikgeschmack betrifft, so ist Neidhöfer stilistisch breit aufgestellt. Er liebt die Romantik, Gustav Mahler und englische Brassbands, was sich künftig wohl auch in der Repertoireplanung zeigen wird. In englischen Brassbands hat der Tubist früher selbst mitgespielt. Nur elektronische und computergenerierte Klänge seien nicht so seins: „Ich liebe Musik, die ehrlich gemacht ist von freilaufenden Musikern.“

Aufregende Hörerlebnisse verspricht der Dirigent auch für das diesjährige Frühjahrskonzert des Musikvereins, das am Samstag , 13. April, stattfindet und den Titel „Bilder in der Musik“ trägt. Dabei will das konzertante Blasorchester historische und moderne Gemälde als aufregendes Hörerlebnis erfahrbar machen und mit bekannten Musicalmelodien und Filmmusiken bewegte Bilder vor dem inneren Auge erstehen lassen.

Bereits 1950 strebte die internationale Künstlergruppe „Cobra“ (benannt nach den Heimatstädten der Gründungsmitglieder Copenhagen, Brüssel, und Amsterdam) die Verbindung von Malerei und Musik an und engagierte den niederländischen Komponisten und Arrangeur Jan Bosveld, der zu neoexpressionistischen Gemälden wie „Obhobning“ (Anhäufung), „La Jeune Fille et la Mort“ (Das junge Mädchen und der Tod), „Le Rhythme Joyeux de la Ville“ (Der fröhliche Rhythmus der Stadt) und „Orgeldraaier“ (Drehorgelmann) akustische Abbilder entwarf, die nun auch in Haßloch auf dem Programm stehen. Einen Kontrast dazu bilden die Gemälde „Die Nachtwache“ von Rembrandt und „Der Liebesbrief“ von Vermeer , die Johan de Meij, der holländische Meister der sinfonischen Blasmusik, in einer Partitur umsetzte. Unsterbliche Musical-Melodien und Film-Soundtracks von Leonard Bernstein, Klaus Badelt und Hans Zimmer runden das Konzert ab. Erläuternde Zwischentexte und großflächige Hintergrundprojektionen sollen es zu einem Erlebnis für die Sinne machen.

Termin

„Bilder in der Musik“, das Frühjahrskonzert des Musikvereins Haßloch mit dem Konzertanten Blasorchester unter Leitung von Wolfgang Neidhöfer, findet statt am Samstag, 13. April, ab 19.30 Uhr in der Aula des Hannah-Arendt-Gymnasiums in Haßloch statt. Der Eintritt ist frei.

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