Neustadt Wohin die Reise beim Tourismus geht

Die Ortsgemeinde St. Martin hat wie die Ortsgemeinde Kirrweiler ihre Mitgliedschaft beim Erlebnisland, Verein Südliche Weinstraße Maikammer, gekündigt. Mit der Fusion habe dies nichts zu tun, es sei lediglich eine Chance, sich alle Optionen offen zu halten. Das sagte der St. Martiner Ortsbürgermeister Timo Glaser (CDU) bei der Einwohnerversammlung in St. Martin und bei der Mitgliederversammlung des Vereins in Maikammer.
Um Arbeitsabläufe zu verbessern und die Effizienz zu erhöhen, sei die Idee entstanden, die Zusammenarbeit zwischen den Tourismusvereinen von Edenkoben und Maikammer zu intensivieren. Und im Zuge der Fusion der beiden Verbandsgemeinden „wurde angedacht, beide gleich zusammenzuführen“, sagte Timo Glaser und legte die Vorgehensweise dar: Um gute Wege und Lösungen zu finden, sei eine externe Agentur beauftragt worden, den Ist-Zustand sowie Stärken und Schwächen zu analysieren, Chancen und Risiken herauszuarbeiten und Kosten und Nutzen abzuwägen. In Workshops vor Ort, denen als Basis die Ergebnisse der Analyse dienen, sollen die endgültigen Strukturen herausgearbeitet werden: Zwei Vereine unter einem Dach, Fusion der beiden Vereine oder Eigenständigkeit beider Vereine. Im Anschluss werde ein Organisations- und Finanzierungskonzept erstellt und das Ganze der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Ortsgemeinderat wird laut Glaser dann die endgültige Entscheidung treffen. „Wir müssen grundsätzlich abwägen, was für unsere Gemeinde am sinnvollsten ist“, betonte er. Wichtig sei ihm eine professionelle Außendarstellung „für unsere Marke St. Martin“. Auf jeden Fall bleibe St. Martin Mitglied im Dachverband des Vereins Südliche Weinstraße. Verbandsbürgermeister Karl Schäfer erinnerte daran, dass Tourismuswerbung grundsätzlich Sache der Orts- und nicht der Verbandsgemeinde sei. Bei Gründung der Verbandsgemeinde vor 43 Jahren hätten sich die drei Ortsgemeinden aber entschlossen, die Aufgabe in eine Hand zu legen. Und erst im Februar dieses Jahres hätten die drei Ortsgemeinden sich dafür ausgesprochen, einen Kooperationsverbund einzugehen, der als Voraussetzung für die Bewerbung beim Bund-Länder-Städtebauförderprogramm nötig ist. Als ein Kooperationspunkt wurde dabei der Tourismus genannt. Bereits 1972 ist laut Schäfer beschlossen worden, dass sich die Gemeinden die Kosten im Verhältnis 40:40:20 teilten, wobei Kirrweiler den geringsten Anteil hält: In diesem Jahr sind das je 70.000 Euro und 35.000 Euro. 1991 seien die drei Ortsgemeinden aus steuerlichen Gründen aus dem Verein ausgeschieden, hätten aber weiterhin ihren Obolus geleistet. Jetzt allerdings stehe der Verein vor einer neuen Herausforderung: Nach der neuen EU-Richtlinie, die ab 2016 gilt, dürfen öffentliche Gelder wie aus Steuermitteln und private Gelder wie aus Mitgliedsbeiträgen nicht mehr in einem Verein vermischt werden. Damit werde sich der Verein noch beschäftigen müssen. Schäfer verdeutlichte, dass in diesem Jahr die Ausgaben gedeckt seien, im nächsten Jahr würden die 105.000 Euro von Kirrweiler und St. Martin fehlen. „Die 300 Vereinsmitglieder können diesen Ausfall nicht kompensieren.“ Die Mitarbeiterinnen in den Verkehrsämtern in Maikammer und St. Martin müssen sich aber nicht um ihre Jobs sorgen, wie er und Glaser versicherten. Die Stellen würden dann über den kommunalen Haushalt finanziert. Dass die Situation für die Kolleginnen und sie nicht einfach sei, verdeutlichte die Geschäftsführerin des Büros für Tourismus, Christiane Schneider. „Seit etwa zweieinhalb Jahren sind wir in einer Art Schwebezustand, weil wir überhaupt nicht wissen, wie es weitergeht.“ Sie fragten sich, ob es sich noch lohne, bestimmte Projekte anzustoßen und die geplante Zertifizierung des Büros anzugehen. Einige Mitglieder äußerten Unmut über die Kündigung der zwei Ortsgemeinden. „Wenn jemand nicht zufrieden war mit der Arbeit des Büros, hätte er es ja mitteilen können“, meinte ein Mann, der die Arbeit des Verkehrsamts sehr lobte. Die steigenden Übernachtungszahlen sprächen für sich. Ein anderer fürchtete Beitragserhöhungen ab 2016. Sobald die Ergebnisse der Agentur vorlägen – voraussichtlich im November –, würden die Mitglieder informiert, sagte Vorstandsmitglied Peter Hiery. „Und dann können wir entscheiden, wohin die Reise geht.“ (giw)