Neustadt
Wochenspiegel: Von Ampelmännchen und Stadtradeln in Neustadt
Ampelmännchen: Bei Grün hüpft die Elwedritsche
Berlin hat im Osten der Stadt seine berühmten Ampelmännchen, denen sogar ein eigener Einkaufsladen gewidmet ist, in Mainz zeigen die Mainzelmännchen an, ob man gehen oder stehen soll. Und in Köln gibt es grünes (und natürlich auch rotes) Licht für die gleichgeschlechtliche Liebe. Dort zieren Piktogramme zweier Männer oder zweier Frauen die Lichtsignalanlagen – schön romantisch mit einem Herzchen. Und in Neustadt? Bislang gibt’s hier nur das langweilige Ampelmännchen, wie im Großteil der Republik auch. Doch das soll sich nach Willen der CDU-Fraktion im Stadtrat ändern. Die hat nämlich beantragt, Fußgängerampeln mit einem Sinnbild zu versehen, „das prägende Neustadter und Pfälzer Eigenheiten abbildet“. So soll ein Gestaltungswettbewerb ausgerufen werden für die Anlagen an den Zulaufstrecken der Weinfeste, Kerwen und öffentlichen Veranstaltungen in und rund um Neustadt. In Mainz habe die Umrüstung einer Ampel 40 Euro gekostet. Klingt machbar.
Und wie passend wäre doch ein Ampelmännchen mit einem Schoppenglas in der Hand (bei Rot), das den Schoppen bei Grün in den Kopf kippt? Oder eine Elwetritsche, die bei Rot steht und bei Grün geht – oder hüpft? Warten wir es ab, ob die Stadtratsmitglieder genauso angetan sind von der Idee wie wir. Und was die Straßenverkehrsordnung so alles hergibt.
Stadtradeln: Rauf auf den Sattel!
Gerade mal acht von 44 Ratsmitgliedern haben sich bislang fürs Stadtradeln angemeldet. Für alle Rechenfans: Das ist nur jedes 5,5. Mitglied. Und es sind nur 18 Prozent. Also ziemlich wenig. Dafür, dass viele Parteien – fernab der Bündnis-Grünen – endlich grünen Ideen folgen und sich mehr oder weniger engagiert dem Klimaschutz verschreiben, gibt es in Neustadt noch ziemlich viel Nachholbedarf, was das einfache Einsparen von Kohlenstoffdioxid betrifft. Also, liebe Entscheider mit Vorbildfunktion: Rauf auf den Sattel und in die Pedale treten! Das ist nicht nur gut für die CO2-Bilanz, sondern auch fürs Gewissen und die Gesundheit.
Und wer sich neben der Beigeordneten Waldtraud Blarr als „Radelstar“ anmelden möchte, also drei Wochen lang komplett aufs Auto verzichtet und stattdessen Fahrrad fährt, der bekommt als Belohnung eine hübsche Satteltasche. Da passt dann auch die Verpflegung für lange Arbeitstage – und lange Ratssitzungen – rein.
Stadtrat: Wie die Stimmung kippte
Der Stadtrat hat am Dienstag darüber entschieden, dass Ausschüsse künftig zwölf statt 13 Köpfe zählen. Damit ist gewährleistet, dass FWG und Grüne keine Mehrheit bilden, so wie es auch die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat vorgeben. Beide Fraktionen sind mit ihrer Zustimmung dafür einer zu erwarteten juristischen Schlappe zuvorkommen. Die CDU hätte nämlich gute Karten gehabt, die für sie nachteilige 13-Ausschüsse vor Gericht zu kippen.Dass FWG und Grüne – mit der Stimme von Stefan Huber-Aydemir von der Linkspartei – damit CDU, SPD und FDP an Einfluss nehmen wollten, ist nicht gut angekommen bei der „Opposition“. Und mag dafür gesorgt haben, dass Marc Weigel für sein Beigeordneten-Modell im CDU-Lager keine Mehrheit fand. „Das hat den Ausschlag dafür gegeben, dass die Stimmung bei uns gekippt ist“, bestätigt ein CDU-Ratsmitglied.
Dass Weigel sein Modell jetzt mit den Grünen und Huber-Aydemir im Stadtrat vermutlich doch durchbekommt, ist legitim. Dass müssen die Wahlverlierer sich zähneknirschend selbst eingestehen.