Neustadt Wochenspiegel:

Gerade noch rechtzeitig zu Ostern haben die Neustadter Kulturschaffenden ihrem Kulturdezernenten und Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer ein besonders hübsches Ei ins Nest gelegt: Bei der Stadtverwaltung soll sich eine Halbtagskraft ausschließlich um kulturelle Belange kümmern. Weil die Ehrenamtlichen allein das Programm nicht mehr stemmen könnten und zu viel Energie mangels Koordination verpuffen würde. Bei der Mitgliederversammlung des Stadtverbands für Kultur am Dienstag hat der Kulturdezernent den Wunsch zumindest nicht sofort abgebügelt. Ohnehin wurde diese Forderung schon beim ersten Neustadter Kulturforum im März formuliert – wo der Kreis der Akteure zum Teil identisch war. Andererseits hatte jene Veranstaltung wenig Neues erbracht. Vielleicht deshalb, weil sie wie eine Unternehmensanalyse aufgezogen wurde. Das gilt zwar seit Jahren auch in Sachen Bürgerbeteiligung als chic, ist dabei aber selten effektiv. Doch erst wenn klar ist, was wünschenswert und was davon realistisch wäre, kann es auch um Stellen gehen. Und um Überzeugungsarbeit im Stadtrat. Die Frage nach Unterstützung durch die Stadt im Ehrenamt – sie plagt nicht allein die Kulturschaffenden. Erinnert sei nur an die Betreuenden Grundschulen und die Kümmerer für Asylsuchende. Im Unterschied zur Kultur ist die Stadt bei solchen Aufgaben aber stärker in der Pflicht. Denn gehen ihr diese engagierten Bürger von der Fahne, muss sie selbst die Lücken schließen. Kein Wunder also, dass sie die Betreuenden Grundschulen von Verwaltungsaufgaben entlasten will und für die Asyl-Ehrenamtlichen nach Strukturen sucht, in denen sie sich aufgehoben fühlen. Bei der Kultur ist halt alles ein bisschen freiwilliger. Und erst, wenn das Angebot nicht mehr nur gefühlt, sondern tatsächlich dünn geworden ist, wissen viele, was sie an ihm hatten. Besser spät als nie, mögen sich die Beschicker des Neustadter Wochenmarkts diese Woche gedacht haben. Obwohl die Verlegung an den Saalbau im Advent nie wirklich ein Thema war und die Weihnachtsmarktpläne der Touristgesellschaft schon weit gediehen sind, haben sie sich noch einmal zu Wort gemeldet. Dabei wurde eine Unterschriftenaktion von Anfang März präsentiert: Stolze 1368 Kunden hatten sich bereits vor knapp vier Wochen gegen einen kurzzeitigen Standort Hetzel-/Bahnhofsplatz ausgesprochen. Möglicherweise ist es in Neustadt einfacher, Unterstützung für etwas zu erhalten, was gar nicht geplant ist, als für Projekte, die noch der Hilfe bedürfen. Wer dank der Wetterkapriolen versucht ist, in Depressionen zu verfallen: Nehmen Sie es sportlich. Hilft eh’ alles nichts. Nester lassen sich auch bei Regen suchen, und das – vor allem kulturelle! – Neustadter Angebot zu Ostern bietet viel Abwechslung. Im Trockenen. Garantiert.