Neustadt
„Wird auch eine Stange gebaut?“: Neugierige Besucher auf Feuerwehr-Baustelle
Eike Müller, Leiter der Abteilung Hochbau, muss am Samstag viel reden. Etwa 30 Besucher wollen etwas über den Neubau neben dem Kreisel am Jahnplatz wissen. Zwei Stunden ist die Baustelle geöffnet. „Die meisten sind gleich am Anfang gekommen, einige waren schon vor 10 Uhr da“, erzählt Müller.
„Wird auch eine Stange gebaut?“, will der dreijährige Julius wissen. Über die Antwort „Nein“ von Müller ist Julius etwas enttäuscht, denn in seinen Bilderbüchern rutschen die Feuerwehrmänner immer an einer Stange vom Obergeschoss zu den Fahrzeugen, wenn sie einen Einsatz haben. „Und wo schlafen die?“, erkundigt sich Julius. Seine Eltern Melanie und Wolfgang Schindeldecker erklären ihm, dass die Feuerwehrleute zu Hause schlafen. In den Bilderbüchern schlafen sie im Feuerwehrhaus.
Boden extra aufbereitet
„Warum wurde erst ausgebaggert, die Erde abgefahren, dann wieder gebracht und mit der Erde das Loch wieder aufgefüllt?“, erkundigt sich Wolfgang Schindeldecker. Müller erklärt, dass ursprünglich keine Baugrube vorgesehen gewesen sei. Mit einer dicken Bodenplatte sollte der Untergrund „maximal versiegelt“ werden. Nach Baubeginn im Oktober 2023 sei festgestellt worden, dass die Erde durch Regen sehr nass und schlammig ist, deshalb sei sie ausgebaggert, mit einem Kalk-Zement-Gemisch aufbereitet und wieder in die Grube gefüllt worden, erklärt Müller. Bodenplatte, Außen- und Zwischenwände sind aus Stahlbeton.
Müller berichtet, dass das Feuerwehrhaus knapp 1000 Quadratmeter Grundfläche hat. Mit einer Fläche von 420 Quadratmetern ist die Fahrzeughalle der größte Raum. Hier sei Platz für fünf Feuerwehrautos, außerdem sei ein Werkstatt- und Lagerbereich vorgesehen. „Der kann bei Bedarf zu einem weiteren Stellplatz umgebaut werden“, erklärt Müller. Melanie Schindeldecker möchte wissen, wie viele Fahrzeuge die Lachen-Speyerdorfer Feuerwehr hat. Vier seien es derzeit, in Kürze komme ein Auto mit Drehleiter dazu, antwortet Zugführer André Luipold. Die vorhandenen Fahrzeuge würden teils durch neue Modelle ersetzt. „Wenn alle neuen Fahrzeuge da sind und das Gebäude fertig ist, sind wir der modernste Löschzug in der Stadt“, freut sich Luipold.
Mit PV-Anlage und Wärmepumpe
Das Architekturbüro Friess + Moster habe das Gebäude so geplant, dass die Feuerwehrleute bei einem Einsatz so wenig Zeit wie möglich brauchen, bis sie losfahren können, erläutert Müller. Auf der Nordseite wird ein Parkplatz angelegt, von dort kommen die Männer und Frauen direkt in den Sanitär- und Umkleidebereich und dann durch einen Gang in die Fahrzeughalle. Außerdem sind ein aufteilbarer Schulungs- und Aufenthaltsraum, ein Büro sowie eine Küche in dem einstöckigen Gebäude vorgesehen. Und es gibt einen Turm, hier können die Feuerwehrleute Übungen für Einsätze absolvieren.
Der Rohbau sei weitgehend fertig, nun sei das Dach an der Reihe, danach komme die Technik und dann der Innenausbau, so Müller. Geplant ist ein begrüntes Flachdach mit PV-Anlage. Mit dieser Anlage, Batteriespeicheranlage und Wärmepumpe sei das Feuerwehrhaus energetisch vollkommen autark und könne so auch bei einer Katastrophe genutzt werden – als Anlaufstelle für die Bürger oder als Krisenzentrum. In etwa einem Jahr soll das Lachen-Speyerdorfer Feuerwehrhaus fertig sein.