Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Echte Rettungsinsel“: Spatenstich für neues Feuerwehrgerätehaus

Großes Aufgebot rund um den ersten Spatenstich. Viele Feuerwehrleute waren zum Termin gekommen.
Großes Aufgebot rund um den ersten Spatenstich. Viele Feuerwehrleute waren zum Termin gekommen.

Es geht endlich los: Mit dem symbolischen Spatenstich haben am Samstagnachmittag die Arbeiten am neuen Feuerwehrgerätehaus in Lachen-Speyerdorf begonnen. Ein emotionaler Moment für die Wehrleute, aber auch für die Politiker.

„17 Jahre wurde aktiv nach einer Lösung gesucht“, erinnerte Zugführer André Luipold an die lange Vorgeschichte beim Feuerwehrgerätehaus. Daher war der Spatenstich insbesondere für die drei Kameradinnen und 48 Kameraden der Lachen-Speyerdorfer Feuerwehr ein ganz besonderer Termin, sodass der gesamte Löschzug Lachen-Speyerdorf erschien – unterstützt von der Jugend- und Bambini-Feuerwehr, benachbarten Löschzügen, der Feuerwehr aus Lachen im Allgäu und anderen Rettungsdiensten.

„Ein Feuerwehr-Traum wird wahr“, griff Oberbürgermeister Marc Weigel die Überschrift der RHEINPFALZ auf. Das wirke, als wolle man hier nur Menschen glücklich machen. Glücklich sein dürften zwar alle, aber „das allein wird diesem Projekt nicht gerecht“. Sechs Millionen Euro, davon 300.000 Euro Fördermittel des Landes, werden verbaut, denn „hier soll ein wesentlicher Stützpunkt für den Brand- und Katastrophenschutz in der Stadt entstehen, der absolut erforderlich und geboten ist“, betonte Weigel. Dies sei auch im Sinne von Alt-Ortsvorsteher Günter Freytag, der am Tag vor dem Spatenstich verstarb. Diese Investition füge sich ein in eine Reihe vieler Investitionen in den Feuerwehr-Bereich der letzten Jahre. Dies seien zwar „sehr dicke Brocken“, fuhr Weigel fort, die Freiwillige Feuerwehr Lachen-Speyerdorf habe aber als Stützpunktfeuerwehr mit der stärksten Einheit im Südosten Neustadts eine herausgehobene Bedeutung, betreue das Industriegebiet, ein Pflegeheim und einen Autobahnabschnitt.

15 Meter hoher Übungsturm

Die aktuellen Räumlichkeiten seien eine Zumutung und würden der Bedeutung dieser Einheit nicht gerecht, so Weigel. Er lobte, dass seit 2018 eine Standortabwägung unter Berücksichtigung aller Belange erfolgt sei. Dieser Standort sei gerade unter Berücksichtigung des Abstands zu anderen Ausrückebereichen wichtig für den Brandschutz im Südosten Neustadts und werde auch künftigen Ansprüchen an den Brand- und Katastrophenschutz gerecht.

Amtsübergabe beim Spatenstich: der bisherige stellvertretende Zugführer Thomas Roth (links) und sein Nachfolger Walter Salm.
Amtsübergabe beim Spatenstich: der bisherige stellvertretende Zugführer Thomas Roth (links) und sein Nachfolger Walter Salm.

35 Stellplätze entstehen für die Einsatzkräfte auf dem Gelände des Bolzplatzes (wird verlegt), die Zufahrtskontrolle erfolgt entweder durch eine Schranke oder ein Tor. Die Erschließung erfolgt über die Haßlocher Straße, die Einfahrt zum Parkplatz ist unabhängig von der Ausfahrt der Einsatzgeräte, sodass hier keine Gefahrenlage entstehe. Fünf Einsatzfahrzeuge können in dem Gebäude geparkt werden, im Werkstattbereich könnte optional noch ein kleines sechstes Fahrzeug geparkt werden. Es gebe eine große Übungsfläche und einen 15 Meter hohen Übungsturm. Die Dachfläche werde begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Das Gebäude erhält eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, einen Speicher und ein Notstromaggregat, um bei einem Netzausfall autark zu sein. „Das wird eine echte Rettungsinsel“, betonte Oberbürgermeister Weigel.

Ortsvorsteher gerührt

Der Rohbau soll bis April 2024 fertiggestellt sein, die Inbetriebnahme ist für den Juli 2025 geplant. Neue Ideen für den bisherigen Standort gibt es noch nicht, erklärte Projektleiter Eike Müller von der Stadtverwaltung.

Ortsvorsteher Claus Schick lobte, dass der Neubau ein gutes Zeichen für die Freiwilligen sei. „Das Feuerwehrgerätehaus begleitet mich seit meinem Amtsantritt 2009, es gab viele scharfe Diskussionen“, blickte er auf den langen Prozess der Standortsuche zurück. Überall habe es heftige Widerstände gegeben. Die Politik habe aber zusammengehalten, wofür er sich bedankte. Durch den zentralen Standort gehe nicht mehr so viel wertvolle Zeit verloren, um zum Einsatzort zu kommen. Wie wichtig ihm dieses Projekt war, zeigte er danach, als er sichtlich bewegt und mit unterdrückten Tränen betonte, dass der neue Standort für das Gerätehaus ein wesentlicher Bestandteil dessen gewesen sei, was er politisch erreichen wollte. „Darum“, so Schick, der auch Landtagsabgeordneter ist, „verkünde ich jetzt hier offiziell, dass ich nicht mehr als Ortsvorsteher kandidieren werde.“

Zugführer André Luipold dankte allen Beteiligten. „Dieser Tag geht in die Geschichte ein“, meinte er mit Blick auf den Spatenstich. Insbesondere für die Jugend- und die Bambini-Feuerwehr sei dieser Neubau wichtig, denn „ihr werdet dieses Gebäude richtig beüben und mit Leben füllen.“

Auch für Thomas Roth, den langjährigen stellvertretenden Zugführer, der am Samstag sein Amt an seinen Nachfolger Walter Salm übergab, war dieser Tag besonders bedeutungsvoll, da er so den Spatenstich noch als stellvertretender Zugführer erleben konnte.

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