Neustadt „Wir stecken in einem Umbruch“

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NEUSTADT. Moritz Oeler hat das Wasserballspielen in Neustadt erlernt. Danach wurde der 28-jährige erst mit dem SV Cannstatt Deutscher Meister, ehe er 13 Titel (siebenmal Meister, sechsmal Pokal) folgen ließ. Er mauserte sich zum besten deutschen Wasserballer, hat in rund 250 Länderspielen die DSV-Auswahlkappe getragen. Er ist Kapitän des Nationalteams – natürlich auch bei der derzeit laufenden Europameisterschaft in Budapest.

Mit welchen Absichten, Zielen und in welcher Stimmung ist die Mannschaft zur EM gekommen?

Unser Ziel ist die WM-Qualifikation, also ein Platz unter den Top-Acht. Uns war und ist klar, dass die Gruppe super hart und schwer wird. Entsprechend haben wir versucht, uns physisch und mental darauf vorzubereiten. Mit Trübsal kommt man da sicher nicht weiter. Wie war für Sie das Wiedersehen mit Ihrer zwischenzeitlichen Heimat, Sie haben ja 2013 ein Jahr für Vasas Budapest gespielt ... Klar kennt man hier einige Leute, auch vom ungarischen Team, und ich freue mich immer in diese tolle Stadt zurückzukommen. Zeitlich ist das allerdings immer ein Spagat, denn das Turnier geht hier natürlich ganz klar vor. In den beiden ersten Partien gegen die Favoriten Kroatien und Serbien gab es jeweils Fünf-Tore-Niederlagen? Wie haben Sie die Spiele erlebt? Wir wussten, dass es hart wird, aber natürlich will man trotzdem die beste Leistung abliefern. Das gelang uns gegen Kroatien noch nicht so gut, aber gegen Serbien lief es schon besser. Auch, wenn das Ergebnis dies vielleicht nicht so erscheinen lässt. Serbien ist hier der Titelfavorit Nummer 1. Luft nach oben sehe ich bei uns eindeutig. Die gilt es nun gegen die weiteren Gegner abzurufen. In den Matches gut mitgehalten, gegen Kroatien ein Viertel gewonnen, gegen Serbien drei nur mit je einem Tor verloren – reicht das, um zufrieden zu sein? Zufrieden ist man nach so einem Spiel nicht. Trotzdem muss man aber auch die Leistung Kroatiens und Serbiens anerkennen, keine Frage. Man lernt ja bekanntlich von den Besten. Worin waren die anderen besser? Wo fehlt es dem deutschen Wasserball? Man darf nicht vergessen, dass wir uns immer noch in einem Umbruch befinden. Es kostet nun mal Zeit und Kraft, wieder ein starkes Team aufzubauen. Das Team ackert hart, um an alte Erfolge anzuschließen, aber das geht nun mal nicht von heute auf morgen. Was macht Ihnen Hoffnung für den Fortgang der EM? Wie sehen Sie die Chancen gegen Spanien, Ungarn und Frankreich? Wir werden alles geben was wir können, soviel steht fest. Wichtig ist es, unser Team nach vorne zu bringen, was sich nicht allein im Ergebnis widerspiegelt. Spanien ist stark derzeit, gegen Kroatien haben sie ein Remis geschafft, hätten durchaus gewinnen können. Natürlich werden wir unsere Chance suchen, das haben wir in den letzten Jahren gegen Spanien meist geschafft. Gegen Ungarn zu Hause wird es sicherlich nicht leichter, aber morgen Abend mit der wohl tollsten Kulisse, die man sich in dieser Sportart wünschen kann – Margareteninsel, volles Haus –, wird jeder besonders motiviert sein. Gegen Frankreich wollen wir gewinnen und dazu haben wir ganz sicher das Zeug. Das Weiterkommen wird extrem schwer – welches realistische Ziel bleibt? Wie gesagt, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft sollte dabei herausspringen, wenn wir unser Potenzial in die richtige Richtung lenken. Sind Sie bislang mit Ihrer Leistung zufrieden – nach zwei Spielen ohne Tor? Bei solchen Spielen steht primär die Abwehr im Fokus. Trotzdem bin ich eigentlich auch im Angriff zu Hause, was mir die letzten beiden Spiele jedoch noch nicht in letzter Konsequenz geglückt ist. Ich arbeite daran. Natürlich kümmern sich die Gegner besonders um einen, den sie kennen, das kommt dazu. Wer die Tore schießt, ist im Endeffekt aber völlig egal. In welcher Form üben Sie als Kapitän Einfluss auf die Mannschaft aus? Das sind verschiedene Aufgaben, die man da hat. Einerseits eine offizielle, die auch die Kommunikation mit Leuten außerhalb des Teams beinhaltet (Presse, Trainer, Manager) und andererseits der innere Kern der Mannschaft, wo man immer wieder versucht, zu motivieren, aufzubauen, Tipps zu geben. Natürlich kostet das auch Kraft und ich merke, wie mühsam es ist, diese Rolle wirklich angemessen auszufüllen, so wie ich es selbst von einem anderen erwarten würde. Das merkt man allerdings erst, wenn man den Job selbst mal macht.

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