Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Willkomm fordert Streamingangebot für Kunst und Kultur

Ein Treppenhauskonzert mit Tom Keller und Band könnte bald als Streamingangebot verfügbar sein.
Ein Treppenhauskonzert mit Tom Keller und Band könnte bald als Streamingangebot verfügbar sein.

Die Corona-Krise entzieht Künstlern derzeit die Lebensgrundlage. Einerseits fehlen Räume, um Werke auszustellen. Anderseits fehlen die Kunden, weil die Menschen zu Hause bleiben sollen. Die Willkomm-Gesellschaft und der Stadtverband für Kultur fordern deshalb bei der Stadt Unterstützung ein. Eine erste Antwort kann Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer geben.

In einem Brief unter dem Titel „Überleben der lokalen Kulturszene sichern“ hat sich die Willkomm-Gemeinschaft an Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel, an Bürgermeister und Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer sowie den Stadtrat gewandt. Der Anlass: die Corona-Krise, die den lokalen Kulturschaffenden jede Möglichkeit genommen habe, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. „Gleichzeitig wird unserer Stadt die wichtige soziale Funktion des kulturellen Austausches genommen.“

Der Vorschlag von Winfried Walther, Sabine Omlor, Manfred Oesterle und Andreas Böhringer aus dem Willkomm-Vorstand und dem Vorsitzenden des Kultur-Stadtverbands, Pascal Bender: Die Kulturabteilung, eventuell auch die Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) sollen kurzfristig ein Online-Forum ermöglichen, in dem sich lokale Künstlerinnen und Künstler – unter Beachtung der Corona-Auflagen – durch Live-Auftritte und aufgezeichneter Auftritte präsentieren können, um Geld zu verdienen.

Kaiserslautern als Vorbild

Die Initiatoren verweisen auf Kaiserslautern als Modell. Dort habe das 17-Uhr-Livestream-Angebot des Kulturreferats nach den ersten 14 Tagen bereits 30.000 Zuschauer erreicht. „Als Erlösmodell wäre zu prüfen, ob eine Gebühr für den Abruf, ein Abomodell oder eine Beteiligung über Spenden sinnvoll wäre“, sagen Willkomm und Kultur-Stadtverband.

Nach ihrer Überzeugung hat Neustadt bereits die erforderlichen technischen Ressourcen, um so etwas zu ermöglichen. Es gebe innovative Unternehmen, die sowohl die Infrastruktur bereitstellen als auch die Vermarktung begleiten könnten. „Onlinelessons.tv und auch andere Firmen wären bereit, die Kulturabteilung zu unterstützen“, heißt es.

Verwaltung berät sich am Montag

„Wir haben das Ansinnen vernommen und werden prüfen, was machbar ist“, sagt Bürgermeister Röthlingshöfer auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Er könne die Intension des Vorschlags sehr wohl nachvollziehen. Allerdings obliege es der Verwaltung, über die weitere Vorgehensweise zu entscheiden. „Wir werden uns zu Beginn der kommenden Woche zusammensetzen und den Antrag besprechen. Es ist technisch alles ja nicht ganz einfach“, stellt er fest. Bis Ende der kommende Woche könne eine Lösung gefunden sein.

Zudem verweist Röthlingshöfer auf die Sitzung des Hauptausschusses am 28. April. Dort werde beispielsweise über eine Soforthilfe für Künstler gesprochen. „Das wäre dann eine freiwillige Leistung der Stadt“, erklärt der Bürgermeister. Er sieht keine Probleme im Hinblick auf den städtischen Haushalt zukommen. „In diesen Zeiten dürften die Auflagen der Aufsichtsbehörde entsprechend angepasst werden“, denkt er.

Weitere Möglichkeit der Hilfe

Röthlingshöfer erinnert aber auch an die Möglichkeiten, über das Arbeitslosengeld (ALG) II an Unterstützungen zu kommen. „Ich weiß, dass ich mich damit nicht gerade beliebt mache, aber fast jeder, der gerade von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen ist, kann hier einen Anspruch gelten machen“, verweist er auf die Anträge. Die entsprechenden Hürden seien gerade im Hinblick auf die derzeitigen Verhältnisse entsprechend angepasst worden. „Mir ist klar, dass Künstler Probleme mit dieser Form der Unterstützung haben. Aber ich kann ihnen versichern, dass ALG II nichts mehr mit der früher so verpönten Sozialhilfe gemein hat“, erklärt Röthlingshöfer.

Martin Franck, einer der TKS-Geschäftsführer, stellt eine Unterstützung in Aussicht. Allerdings könne die TKS nur unterstützen, wenn sie den entsprechenden Auftrag dazu von der Stadt erhalten habe. „Wir sind aber jederzeit bereit, um zu helfen“, verspricht Franck.

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