Neustadt
Wieso Linken-Direktkandidat Härtel in den Landtag möchte
Wofür, warum und für wen? Diese Frage stelle er sich bei allem, was er tue, immer wieder aufs Neue, sagt Gottfried Härtel. „Das sind für mich wichtige Bewertungskriterien, die ich jeder Sache zugrunde lege. Seien es die alltäglichen Dinge, die Friedens- oder die Sozialpolitik“, sagt der 59-Jährige. Er sei immer an Lösungen interessiert, daher sei er vor etwa zehn Jahren auch bei den Linken eingetreten. „Die waren mir einfach am konsequentesten“, betont Härtel.
Als Kind bei einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, habe er später als Zeitsoldat bei der Bundeswehr gedient und dabei „den heißen Krieg mit der Sowjetunion miterlebt“. Nicht zuletzt deswegen setzt er sich heute für eine Entmilitarisierung ein. „Ramstein muss weg und Büchel geschlossen werden“, fordert Härtel.
Über Bausünden in der Stadt
Nicht aber nur das: „Die Landespolitik müsste die dörflichen Strukturen viel mehr stärken. Es konzentriert sich alles nur noch auf die Städte“, bemängelt Härtel. Beispiel Neustadt: Hier werde für viel Geld versucht, Bausünden wie den Klemmhof zu erhalten. „Ich würde solche Ruinen wie auch den ehemaligen Hertie abreisen.“
Wichtige Aufgaben im ländlichen Bereich würden dagegen vergessen. Dazu zählt Härtel den Erhalt von Banken, Postfilialen, Bibliotheken und Arztpraxen, aber auch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Es könne nicht sein, dass schon um 17.30 Uhr der letzte Bus ins Elmsteiner Tal fahre. „Wie soll man denn da nach der Arbeit noch einkaufen gehen?“, fragt Härtel provokativ. Er plädiere für eine engere Taktung des ÖPNV gerade Richtung Tal. Dafür würden seiner Ansicht nach kleinere Busse auch völlig ausreichen.
Von Beruf Solartechniker
Dass Härtel politisch praktisch denkt, mag sich auch mit seinem Beruf erklären: Der gebürtige Badener ist Solartechniker und hat sich auf das Thema Photovoltaik spezialisiert. In die Pfalz sei er vor etwa 20 Jahren gekommen. „Ich habe hier eine Ausbildung zum Gäste- und Tourimusführer gemacht und so auch die europäische Rolle von Rheinland-Pfalz besser kennengelernt.“
Wieso er als selbst genannter Hobbypolitiker den Schritt nach Mainz wagt? „Die Landespolitik kann auf die Kommunen einwirken. Wichtig ist dabei aber, dass die Beschlüsse weiter unten auch wirklich ankommen.“ Genau dafür wolle er sich einsetzen. Auch, was das Thema finanzielle Ausstattung der Kommunen angehe. „Die Frage, was die Kommune braucht, sollte immer oberste Priorität haben“, sagt Härtel.
Was Härtel in seinem Wahlkreis schätzt
Wichtig wäre dem Neustadter außerdem, das Gesundheitssystem zu entprivatisieren: „Dass Krankenhäuser rein auf den ökonomischen Gewinn fixiert sind, darf einfach nicht sein“, sagt Härtel. Die Kliniken müssten alleine dem Zweck der Gemeinnützigkeit dienen und die Krankenkassen sich nicht selbst bereichern, sondern Geld lediglich verwalten.
Etwas Positives kann er seinem Wahlkreis dann aber auch noch abgewinnen: „Die Offenlegung des Speyerbachs ist eine gute Sache.“ Für mehr Wohn- und Lebensqualität müsse aber auch das Kleingewerbe gefördert werden. „Indem wir nicht nur die Großen unterstützen, würden wir auch die Kaufkraft wieder zurück aufs Land ziehen“, ist Härtel überzeugt.