Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso der SC Neustadt Matteo Ananias nach Cannstatt wechseln lässt

Matteo Ananias wechselt nur für ein halbes Jahr zum SV Cannstatt. Seine Neustadter Trainer unterstützen dies.
Matteo Ananias wechselt nur für ein halbes Jahr zum SV Cannstatt. Seine Neustadter Trainer unterstützen dies.

Der Neustadter U16-Wasserballer Matteo Ananias wechselt für ein halbes Jahr zum SV Cannstatt. Trainer und Manager im SC Neustadt haben ihm diesen Wechsel sogar empfohlen.

Für die Wasserballer des Zweitligisten SC Neustadt beginnt die neue Saison erst im November. Auch die U18-Mannschaft des SCN hat noch Spielpause. Doch die Jugendspieler der U16 haben am 23. und 24. September ein Vorrundenturnier zum Einzug in die Zwischenrunde um die deutsche Mannschaft vor sich. Sie trainieren momentan an fünf Wochentagen im Hambacher Schwimmbad. Ein wichtiger Spieler wird der U16 allerdings für die kommenden Aufgaben nicht zur Verfügung stehen. Matteo Ananias wechselt für ein halbes Jahr zum SV Cannstatt.

Lange hin- und hergerissen

Dieser Entscheidung ging ein langer Abstimmungsprozess voraus. Ananias: „Manche aus unserem SCN-Team finden das vielleicht nicht so gut. Ich selbst war auch echt hin- und hergerissen und habe lange überlegt, ob ich das machen soll. Es ist mit dem Trainerteam und Manager Michael Heinz abgeklärt, das Team hat mir den Wechsel empfohlen. Sie stehen auch alle hinter mir.“ Matteo Ananias ist nach Einsätzen gegen die süddeutsche Jugendauswahl schon lange mit vielen Spielern aus Baden-Württemberg befreundet. Er betont, er kenne die Jungs dort sehr gut. Sogar ein Wechsel ein, zwei Jahre vorher sei einmal angedacht gewesen. Doch er sei froh, dass er das nicht zu früh gemacht habe. Denn er habe in den vergangenen Monaten noch sehr viel im SCN gelernt. Geplant ist, dass er nach der U16-Endrunde mit Cannstatt ab Januar für das U18-Team des SCN antritt.

92 Kilogramm

Der 15-Jährige wird noch im Dezember 16 Jahre alt. Coach Peter Jacqué erklärt, Matteo habe sich „schlecht gejährt“. Wäre er nur ein paar Tage später im Januar geboren, dann wäre er auch im kommenden Jahr immer noch für die U16 spielberechtigt und dort aufgrund seiner Entwicklung ganz sicher ein Kandidat für das Nationalteam. Matteo bringt momentan 92 Kilogramm auf die Waage und ist bereits 1,90 Meter groß. Die körperliche Statur hat im Ringen um die beste Position im Wasserball eine große Bedeutung. Papa Lars Ananias war auch Wasserballer, der 20-jährige Bruder Luis spielt im Männerteam des SCN eine wichtige Rolle. Matteo erzählt: „Ich habe allerdings nie ein Spiel meines Vaters gesehen, er hat vor unserer Geburt mit dem aktiven Sport aufgehört. Wir Brüder sind zuerst zum Schwimmen gekommen, und ich habe freitags immer schon im Wasserball-Jugendteam bei meinem Bruder mitgespielt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich dann ganz zu den Wasserballern wechsele. Wasserball passt einfach zu unserer Familie.“ Papa Lars engagiert sich bereits einige Jahre als Trainer sowie Betreuer und ist Ansprechpartner für die Presse.

Schaulaufen mit Cannstatt

Für den befristeten Wechsel zu den Cannstattern gibt es von Trainer Peter Jacqué noch gewichtige Argumente. Den Sprung ins Nationalteam könnte Matteo mit einem gelungenen Schaulaufen mit dem SV Cannstatt schaffen. Jacqué erklärt: „Matteo ist ein sehr guter Spieler, aber bei uns in der Pfalz bekommt ein Spieler nicht so viel Aufmerksamkeit vom Jugendtrainerstab des Deutschen Schwimmverbandes wie etwa die Spieler aus Baden-Württemberg.“ Die Vereine dort spielten meist in der Endrunde oder in der A-Gruppe der U18-Bundesliga. Peter Jacqué: „Wir haben zwar mehrmals die Endrunde der Jugendmeisterschaften erreicht, aber da war dann der Jugendbundestrainer überrascht, dass er unsere Spieler gar nicht kannte. Durch den Wechsel nach Cannstatt, das bereits als Gruppenerster der Südgruppe für die Zwischenrunde qualifiziert ist, gibt es vielleicht für Matteo eine Teilnahme an der Endrunde. Cannstatt wurde im Vorjahr mit der U16 deutscher Vizemeister.“

Chance auf Nationalkader?

Jacqué führt weiter aus, dass es nur für Kadermitglieder weitere Zuschüsse gibt, so dass der SCN darauf setzt, dass sich Matteo Ananias vielleicht auch für Einsätze im Nationalkader empfehlen kann.

Die ersten Ausrufezeichen hat der 15-jährige Neustadter gerade bei einem Turnier mit der Auswahl Baden-Württembergs in Lloret de Mar in Spanien gesetzt. Mit offizieller Schulbefreiung ging es für eine Woche zu dem internationalen Turnier. Baden-Württemberg war mit 25 Spielern vor Ort und bildete zwei Mannschaften. 20 der 25 Teilnehmer stellte dabei der SV Cannstatt. Und Ananias glänzte mit 35 Treffern in acht Begegnungen. Er sagt: „Ich weiß es nicht genau, aber es kann sein, dass ich die meisten Tore erzielt habe.“ Jedes Spiel dauerte nur zweimal 15 Minuten. Sein Team wurde Vierter unter 14 Mannschaften.

Im Team Baden-Württemberg

Matteo gesteht: „Die ersten beiden Spiele war ich schon etwas aufgeregt, weil ich nicht wusste, was so kommt. Dann wurde ich lockerer und habe es richtig genossen. Mit den Jungs habe ich ja schon oft in Auswahlteams gespielt. Es passt einfach. Jeder weiß, was der Gedankengang des anderen ist. Jeder kennt die Stärken des anderen. Dafür, dass wir uns so wenig sehen, hat es echt gut geklappt.“

Jetzt trainiert der Zehntklässler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums fünfmal unter der Woche mit dem SCN, nach Cannstatt fährt er nur zu Trainingsspielen oder ab und zu am Wochenende.

Stichwort: Turnier in Lloret de Mar

Das Turnier in Lloret de Mar, „Be water my friend“ – „Wasser sei mein Freund“, wird seit 2013 in verschiedenen Altersklassen für Mädchen- und Jungenmannschaften ausgetragen. Der Gedanke bei der Gründung war damals, jungen Wasserballern auch international die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Teams zu messen. Aus Deutschland waren 2023 in der Kategorie U15 drei Teams am Start. Weitere Mannschaften kamen aus Spanien, Frankreich, Serbien und Italien. Baden-Württemberg wurde mit Team 1 Dritter. Team 2 mit Matteo belegte Rang vier, der OSC Potsdam wurde Fünfter. Turniersieger wurde Barcelona.

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