Gewichtheben
Wieso auch die Helfer der TSG Haßloch zum Supercup fit sein müssen
„Wir sind seit 7 Uhr am Start“, erzählen Cindy Klein und Lisa Eichner. Beide Frauen helfen im Foyer des TSG-Sportzentrums in Haßloch – die TSG Haßloch richtet den DGJ-Supercup, eine Art deutsche Meisterschaft der Länderauswahlmannschaften, mit 132 jungen Gewichthebern und Gewichtheberinnen aus. Klein und Eichner sowie weitere Helfer belegen 260 Brötchen für den ersten Wettkampftag mit Paprika, Schinken, Käse oder Salami. Am zweiten Tag sind es noch mal 260 Brötchen. Selbst gebackene Kuchen bieten sie ihren Gästen ebenfalls an. „Zehn Kuchen haben wir pro Tag verbraucht.“
Die Helferinnen sind am ersten Wettkampftag früh im Einsatz, obwohl sie am Tag zuvor bis spät in den Abend hinein bereits geholfen haben. „Nach dem Bühnenaufbau waren wir erst um halb elf zu Hause“, sagt Klein.
Helfen von früh bis spät
Nicht nur die jungen Sportler müssen beim DGJ-Supercup im TSG-Sportzentrum in Haßloch fit sein, auch die Helfer des Ausrichters TSG Haßloch. Larkin Klein, die krank war und deshalb nicht an die Hantel geht, erzählt, dass sie am Donnerstag ab 15 Uhr die Bühne für die Heber im Sportzentrum aufgebaut hätten. „Die Bühne haben wir zu viert aufgebaut – von da aus haben wir dann den Boden mit Teppich ausgelegt und Stühle sowie Tische aufgestellt.“ Laut Abteilungsleiter Dennis Eichner sind es insgesamt 18 Tische mitsamt 108 Stühlen plus zusätzliche 50 Stühle direkt vor der Bühne. Alles habe sehr lange gedauert, weil auch Elektrik und Technik hätten getestet werden müssen, sagt Larkin Klein. Und verrät, „dass dann was nicht geklappt hat“.
Aber zu Wettkampfbeginn funktioniert alles. „Alles gut, alles super“, stellt Gerhard Schmidt, seit 53 Jahren Trainer des Athletikclubs Weinheim, zufrieden fest. Auch Kampfrichter Volker Drechsel „kann nicht meckern“: „Ich bin zum ersten Mal in Haßloch – ich kann mich zur Organisation nicht negativ äußern.“ Was Abteilungsleiter Dennis Eichner am Ende besonders freut: „Wir waren im Zeitplan und wurden von allen Seiten gelobt.“
Helfer nehmen sich Urlaub
Nachdem es am frühen Morgen schon großen Andrang an der Getränke- wie Kuchentheke gegeben hat, ist inzwischen auch der Grill vor dem Eingang in Betrieb. Für die beiden Wettkampftage seien es „bestimmt 200 Steaks“, überlegt Grillmeister Walter Klein, Larkins Vater. Außerdem gebe es Bratwürstchen. Er habe sich extra einen Tag Urlaub genommen, um helfen zu können, sagt Klein.
Mathias Eichner hingegen wartet auf seine Ablösung. Der Scheibenschieber muss am Nachmittag arbeiten. Er sei nur bis 13.45 Uhr vor Ort, „dann kommen die Kinder aus der Schule und übernehmen“. Übernehmen einen anstrengenden Job: Die Scheibenschieber müssen Scheiben zwischen 0,5 und 25 Kilogramm Gewicht auf die Hantelstangen bringen – je nachdem, wie viele Kilos in den einzelnen Versuchen die Jugendheber bewältigen wollen.
Anstrengendes Scheibenschieben
Während Eichner immer von rechts auf die Bühne eilt, um die rechte Seite der Hantelstange mit dem richtigen Gewicht zu bestücken, ist Frank Einholz auf der linken Seite aktiv. „Wahrscheinlich heben wir hier mehr Kilos als im Training“, sagt Eichner lachend über seinen schweißtreibenden Job. „Es ist aber nicht nur das Heben, auch das Hoch- und Runterrennen.“ Einholz stimmt ihm zu: „Mit Sicherheit bekomme ich Muskelkater in den Beinen – vom Hoch- und Runterrennen.“
Denn vor jedem neuen Versuch eilen die beiden Scheibenschieber auf die Bühne. Erst vier Stufen hinauf, dann wieder vier Stufen hinunter. „Es ist eine deutsche Meisterschaft – wir müssen die Hanteln immer neu ausrichten und die Verschlüsse festziehen, auch wenn es das gleiche Gewicht ist wie zuvor“, betont Mathias Eichner. „Aber wenn wir etwas können, dann Scheiben schieben“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Bundestrainer beobachtet
Währenddessen beobachtet Nachwuchsbundestrainer David Kurch aufmerksam das Geschehen auf der Bühne. Und auf seinem Laptop. Wenn Bundeskaderathleten an die Hantel gehen, „verfolgen wir die Biomechanik“. Auf seinem Computerbildschirm sind dann zwei Diagramme zu sehen: Das erste zeigt den Weg, den die Hantel in einem Versuch zurücklegt, das zweite zwei Kurven, die Geschwindigkeit und Kraft darstellen. Am besten sei es, so Kurch, „mit wenig Krafteinsatz so viel wie möglich zu heben“. Von den Kaderathleten würden Profile angelegt, „wie die Leistungsentwicklung ist, wo die Leistungsreserven sind“. Kurch bezeichnet das Gewichtheben lachend als Laborsportart: „Wir haben ein einheitliches Sportgerät, haben keinen Gegner, keinen Einfluss vom Wetter – die Wettkampfbedingungen sind für alle gleich.“
Vor Wettkampfbeginn hat der Bundestrainer bereits von allen Teilnehmern die Körpergröße stehend und sitzend gemessen, um später deren biologisches Alter zu ermitteln. „Um Spätentwicklern gerecht zu werden“, erklärt Kurch. „Und um Talente mit Momentaufnahmen nicht abzuservieren.“ In Deutschland sei es die Frage, „ob wir ein Talent wirklich in unsere Sportart kriegen können“. Kurch erklärt: „Weltweit haben wir einen Antidopingkampf, den wir noch nicht gewonnen haben und auch nicht gewinnen werden.“
Mehr Mädchen erwünscht
Auf deutschen Meisterschaften der Erwachsenen treten laut Kurch zur Hälfte Frauen, zur Hälfte Männer an. „Im Nachwuchs- und Juniorenbereich ist das Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln. Es könnten noch mehr Mädels sein.“ Er wünscht sich, mehr Frauen im Ehrenamt als Trainer oder Funktionäre zu gewinnen. „Ich begrüße es, wenn wir die weibliche Seite mit ins Boot nehmen für unsere Sportart.“ Gerhard Schmidt stellt derweil beim Beobachten der „größten Talente Deutschlands zwischen 13 und 17 Jahren“ fest, dass mittlerweile die Mädchen fast besser seien als die Jungs. „Frauen haben aufgeholt“, betont der Weinheimer.
Auf dem Wettkampf in Haßloch hebt der Nachwuchs nicht nur Gewichte. Die jungen Sportler müssen auch ihre Athletik beweisen: im Dreierhopp, Sternlauf und Kugelschockwurf. Es gehe hier um Beweglichkeit, Schnelligkeit, Koordination und Kraft – Athletik sei die Vorbereitung zum Gewichtheben, erklärt Volker Drechsel, Kampfrichter mit Bundeslizenz aus Chemnitz. Im Sternlauf gehe es um Schnelligkeit, im Kugelschocken um Kraft, im Sprung um Beinkraft und Beweglichkeit. Drechsler beobachtet, „dass wir hier in einem normalen Niveau sind“.
Geringes Zuschauerinteresse
Auch wenn die besten Nachwuchsheber Deutschlands in Haßloch antreten, viele Stühle im TSG-Sportzentrum bleiben leer. „Es sind viele Trainer der Jugendlichen hier, ein paar Eltern und wenige Interessierte – leider ist es so“, sagt Volker Drechsler. An einem Freitagmittag die Leute in die Halle zu bekommen, sei schwer, ergänzt David Kurch. Drechsler aber weiß, dass das Zuschauerinteresse im Gewichtheben nicht grundsätzlich gering ist: „Ob Speyer, Mutterstadt oder Obrigheim – bei den Erwachsenen sind die Bundesliga-Wettkämpfe meist gut besucht.“