St. Martin
Wieder deutlich mehr Übernachtungen
Die Corona-Pandemie hat in allen Tourismusregionen in Deutschland für eine deutliche Delle bei den Gäste- und Übernachtungszahlen gesorgt. Auch in Rheinland-Pfalz war die Branche 2020 und 2021 von den Folgen der Reise-Einschränkungen stark betroffen. Im vergangenen Jahr ging der Tourismus zwar wieder auf Erholungskurs, konnte aber das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreichen. Die Anzahl der Gäste lag nach Angaben des Statistischen Landesamts im Vergleich zu 2019 um 13 Prozent, die der Übernachtungen um 8,6 Prozent niedriger.
Eine bessere Entwicklung als das Land verzeichnet St. Martin. „Wir haben zwar einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr erwartet, aber dass wir nun wieder Zahlen wie vor der Pandemie schreiben, damit hat keiner gerechnet“, freut sich Daniela Kauf, Leiterin der Tourist-Info des beliebten Weinorts an der Südlichen Weinstraße. Mit 55.221 Gästen und 138.175 Übernachtungen im Jahr 2022 liegen die Zahlen nach ihren Angaben wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Die Gästezahlen seien im Vergleich zu 2021 um 38 Prozent gestiegen, die Anzahl der Übernachtungen habe sich um 30 Prozent erhöht.
Erfreuliche Entwicklung setzt sich fort
Im Blick auf die bereits eingegangenen Online-Buchungen und die Anfragen für dieses Jahr erwartet Kauf eine weiterhin sehr gute Entwicklung. Bis 2019, „unserem Rekordjahr“, habe St. Martin stets wachsende Gäste- und Übernachtungszahlen verzeichnet, sagt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Hätten vor einigen Jahren im Schnitt rund 115.000 Gäste in St. Martin übernachtet, liege man jetzt bei rund 130.000.
Stößt der 1700-Einwohner-Ort mit einer Bettenkapazität von rund 900 mit einem solchen Ansturm allmählich an seine Grenzen? Die Leiterin der Tourist-Info bejaht das zwar, weist aber auch darauf hin, dass St. Martin in den vergangenen fünf Jahren viele Betten hinzubekommen habe. Zwei neue, kleine Hotels seien entstanden, und einige Hoteliers hätten an- oder umgebaut und auf diese Weise weitere Übernachtungskapazitäten geschaffen. Derzeit bieten nach ihren Angaben etwa 100 Betriebe Zimmer an – knapp über 60 Ferienwohnungen und -häuser sowie rund 40 Hotels und Gästehäuser.
Das Interesse an Ferienwohnungen gehe zurück, sagt Daniela Kauf. Das hänge damit zusammen, dass die meisten Gäste als Kurzurlauber oft nur für ein Wochenende nach St. Martin kommen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liege seit Jahren bei zweieinhalb Tagen. Nur 2021 sei sie einmal auf 2,8 Tage geklettert: „Das ist der einzige positive Effekt, den Corona mit sich gebracht hat“, sagt Kauf.
Ein Dreivierteljahr im Voraus buchen
Wie generell in der Pfalz sind das Frühjahr und vor allem der Herbst die Jahreszeiten, in denen die meisten Touristen nach St. Martin kommen. „Im Juli gehen die Zahlen dann runter, weil die Pfalz kein Zielgebiet im Sommer ist. Ab Mitte oder Ende August steigen sie bis zum Höhepunkt im September und Oktober wieder an“, erläutert die Touristikexpertin. Dann sei häufig keine Unterkunft mehr frei. Ein Dreivierteljahr oder sogar ein Jahr im Voraus müsse buchen, wer in dieser Zeit noch ein Zimmer in St. Marin finden wolle.
Zum größten Teil verzeichne die Tourist-Info Gäste aus Deutschland, viele von ihnen aus einem Umkreis von nicht mehr als drei Fahrtstunden. Aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kommen nach Angaben von Kauf die meisten Touristen. Aber auch Urlauber von der Nordseeküste, die wegen der langen Anfahrt länger als die durchschnittlichen zweieinhalb Tage bleiben, seien darunter. Hauptgruppe der ausländischen Touristen seien die Niederländer.
Treue Stammgäste
„Eher älter, über 70 oder 75“ seien die Stammgäste, die in manchen Fällen sogar schon 40 Jahre und länger ihrem Urlaubsort St. Martin die Treue halten. In letzter Zeit hat Kauf aber auch festgestellt, dass sich jüngere Leute für einen Kurzaufenthalt in St. Martin interessieren. „Das liegt wohl daran, dass das Angebot verjüngt worden ist.“