Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sehen sie die Entwicklung beim 1. FC 08 Haßloch, Herr Hurrle?

Verweist auf die neue Männer-Mannschaft und baldige Erfolge in den Jugendligen: Jürgen Hurrle.
Verweist auf die neue Männer-Mannschaft und baldige Erfolge in den Jugendligen: Jürgen Hurrle.

Die 2013 gegründeten CCH Cheerleader verhalfen dem 1. FC 08 Haßloch zu überregionaler Bedeutung. Die Fußballabteilung ist weit von früheren Erfolgen entfernt. Vorsitzender Jürgen Hurrle prophezeit den Fußballern dennoch eine gute Zukunft.

Herr Hurrle, als Sie im Dezember 2013 zum Zweiten Vorsitzenden gewählt wurden, gehörte die Erste Fußballmannschaft nach den Zeitspannen 1965 bis 1969 und 1983 bis 1985 zum dritten Mal seit der Wiedergründung als eigenständiger Verein lediglich der A-Klasse an. In dieser Saison droht ihr als derzeitiger Drittletzter der Bezirksliga Vorderpfalz erneut ein Abstieg in die drittunterste Spielklasse. Wie konnte es zu dieser Situation kommen?
Der Verlauf in der Vorrunde ist für alle Verantwortlichen unerklärlich. Nach zwei Siegen hintereinander ist aber das Selbstvertrauen wieder zurückgekommen. Für mich ist das bisher schlechte Abschneiden reine Kopfsache.

Eine alte Fußballweisheit lautet: „Wenn im Herbst die Blätter fallen, wackeln auch die ersten Trainerstühle.“ Stand der neue Trainer Fabian Eck nach teilweise desaströsen Ergebnissen wie der 1:10-Heimniederlage gegen Speyer und der 1:8-Schlappe in Deidesheim zur Disposition?
Wir haben nach wie vor Vertrauen zu Trainer Fabian Eck und seinem Team. Er ist ein guter Trainer, der zu uns passt. Er hat ebenso wie sein gesamter Stab wie auch Spielleiter Helge Walburg für die nächste Saison bereits verlängert. In der Winterpause werden wir den Kader noch verstärken, denn wir wollen den Abstieg unbedingt vermeiden.

Im Gegensatz zur Ersten sieht es für die Zweite Mannschaft sehr gut aus. Nach der vergangenen Saison wäre sie fast von der B- in die A-Klasse aufgestiegen, scheiterte aber in den Relegationsspielen an der FG 08 Mutterstadt II. Strebt 08 diesen Aufstieg im kommenden Jahr an?
Ziel der Zweiten Mannschaft ist es, unter die ersten Fünf der Tabelle zu kommen. Sie musste im vergangenen Sommer von der Staffel Ost in die West-Gruppe wechseln, deren Stärke wir nicht so gut einschätzen konnten. Ich bin der Meinung, dass sie diesmal den Aufstieg schaffen könnte. Voraussetzung ist aber auch, dass die Erste Mannschaft den Klassenverbleib in der Bezirksliga schafft. Denn für die A-Klasse dürfen wir nicht zwei Teams melden. Dank an Trainer Ingo Reich, seit dessen Amtsantritt es aufwärts geht, und sein Team sowie Spielleiter Daniel Walter. Da insgesamt 60 Spieler zur Verfügung stehen, haben wir erstmals sogar eine Dritte Mannschaft gegründet.

Ist die Dritte Garnitur, die der C-Klasse Ost angehört, für Sie auch wichtig?
Ja. Daniel Walter hat durch sein Projekt „Dritte Mannschaft“ viele Spieler im FC 08 gehalten und einige neue Spieler und Mitglieder dazugeholt. Diese Mannschaft will einfach nur Spaß am Fußball haben. Ich sehe dieses Team genauso positiv wie unsere wiedergegründete Ü32-Mannschaft, die mit ihrem Trainergespann Timo Hubach/Thomas Dambach am vergangenen Samstag das Halbfinale um den Kreispokal erreicht hat.

Außer dem Tabellenplatz der Ersten Mannschaft scheint die Jugendabteilung sportlich das größte Sorgenkind des Vereins zu sein. Der FC 08 war lange im Raum Neustadt die Nummer eins, stellte oft gleichzeitig zwei Junioren-Verbandsligisten und fütterte die Kader der Aktiven regelmäßig mit Eigengewächsen, die sofort den Sprung von den A-Junioren sogar zum Stammspieler in der Verbandsliga Südwest schafften. Trotz Jugendspielgemeinschaft mit dem VfB Haßloch gehören die A-Junioren nur noch der Kreisliga Rhein-Mittelhaardt an und belegen Tabellenplatz zehn. Sind Ihre Ansprüche nicht höher?
Unsere Jugendabteilung boomt. Wir haben einen großen Zulauf an Jugendlichen und Kinder. Die Zusammenarbeit innerhalb der JSG sowie mit den Jugendleitern Torsten Quell (08), der bei uns einen guten Job macht, und Patrick Wilhelm (VfB) funktioniert gut. Zur Zeit betreuen wir 350 Jugendliche und erfüllen damit eine gesellschaftliche Aufgabe.

In welchen Altersklassen gab es die meisten Neuzugänge?
Nach dem Loch, das Corona verursacht hatte, haben wir inzwischen mehr Jugendliche im Verein als zuvor. Einen besonders hohen Zulauf verzeichneten die E-, F- und G-Junioren. Letztere hatten im Sommer 17 Kinder, jetzt sind es 56. Im Jugendbereich haben wir 48 Trainer, Cotrainer und Betreuer, davon drei mit Trainerlizenz. Früher hatten wir nur um die 35 Übungsleiter.

Das hört sich so an, als zähle mehr Masse als Klasse ...
Bei uns steht Breitenarbeit im Vordergrund, aber auch der Leistungsgedanke spielt eine Rolle. Wir sind ein Ausbildungsverein. Zurzeit befinden sich neun Spielerinnen und Spieler des FC 08 beziehungsweise der JSG in Nachwuchsleistungszentren, sieben beim 1. FC Kaiserslautern und jeweils einer beim Karlsruher SC und SV Sandhausen. Ich bin stolz auf unsere Jugendarbeit und auch darauf, dass wir Jugendpartnerverein des FCK sind.

Welche Ziele haben Sie konkret?
Für die A-Junioren haben wir mit Bodo Schulz einen neuen erfahrenen Trainer gewonnen, der zuvor schon zweimal bei uns war. Er hat eine Mannschaft von null auf 20 Spieler aufgebaut. In zwei bis drei Jahren planen wir mit dieser Mannschaft den Wiederaufstieg in die Landesliga. Die B-Junioren sind Zweiter der Kreisligatabelle und haben gute Aussichten, bereits in dieser Saison aufzusteigen. In der gleichen Situation befinden sich die D-Junioren.

Von der Partnerschaft mit dem 1. FC Kaiserslautern hat man immer weniger gehört.
Leider wechselte oft unser Ansprechpartner im Nachwuchsleistungszentrum des FCK auf dem Fröhnerhof, was die Kommunikation erschwert hat. Unsere Jugendtrainer werden aber regelmäßig vom FCK geschult.

Der Hartplatz präsentiert sich in einem katastrophalen Zustand. Er mutiert immer mehr zu einer Wiese. Ausgestattet ist er aber mit einem tollen LED-Flutlicht. Das erscheint wie ein Schildbürgerstreich.
Wir haben das LED-Licht am Hartplatz installiert, weil wir diesen in einen Naturrasenplatz umwandeln möchten.

Auf der Mitgliederversammlung im Januar hieß es noch, es sollte ein Hybridrasenplatz entstehen. Nach großen Diskussionen wurde keine Entscheidung getroffen. Es sollte im Juli eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit nur diesem Thema als Tagesordnungspunkt stattfinden. Warum kam es nicht dazu?
Aus finanziellen Gründen haben wir uns zwischenzeitlich dazu entschieden, einen kostengünstigeren dritten Naturrasenplatz herzustellen. Aufgrund nicht eingegangener Pachtzahlungen des vergangenen Wirts sind uns Einnahmen im fünfstelligen Bereich verloren gegangen.

Wie sehen Sie die derzeitige Situation des Vereins insgesamt?
Der 1. FC 08 Haßloch hat etwa 850 Mitglieder, davon etwa 500 in der Fußballabteilung. Aushängeschild sind inzwischen die Cheerleader, die vor einem Jahr mit einem Team in Japan Vizeweltmeister wurden. Unser American-Football-Team Haßloch 8-Balls spielt in der Oberliga Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland. Im Fußball haben wir auch C-Juniorinnen und einen Kindergarten, darüber hinaus elf Schiedsrichter, davon sieben im Jugendbereich. Wir investieren viel in die Infrastruktur, was früher vernachlässigt wurde. Darauf bin ich stolz.

Interview: Thomas Dill-Korter

Zur Person

Jürgen Hurrle (79) war 21 Jahre lang Erster Beigeordneter und in dieser Funktion auch Sportdezernent der Gemeinde Haßloch. Seit Juli 2016 ist er Vorsitzender des 1. FC 08 Haßloch. Während die 2013 gegründeten CCH Cheerleader dem Traditionsverein zu überregionaler Bedeutung verhalfen, ist die Fußballabteilung weit von früheren Erfolgen entfernt. Hurrle prophezeit aber auch den Fußballern eine gute Zukunft.

Termine

Bezirksliga: FV Freinsheim - TuS Niederkirchen (Sonntag, 15.30 Uhr), TSG Deidesheim - SV RW Seebach, FC Speyer 09 - 1. FC 08 Haßloch (Sonntag, 16 Uhr), TSG Deidesheim - TuS Mechtersheim II (27. November, 19.30 Uhr);
A-Klasse: TuS Maikammer - TSV Lingenfeld (Freitag, 19.30 Uhr), VfB Haßloch - FC Lustadt, VfL Neustadt - TuS Friedelsheim (Sonntag, 16 Uhr);
Frauen-Verbandsliga: 1. FFC Niederkirchen - DSG Breitenthal (Sonntag, 14 Uhr).

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