Meckenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein altes Haus zur modernen Oase wird

Stuart Rich und Charlotte Ducker lieben alte Gebäude.
Stuart Rich und Charlotte Ducker lieben alte Gebäude.

Sie gebürtige Britin, er Australier: Nun sind Charlotte Ducker und Stuart Rich in der Pfalz gelandet. Die beiden lieben alte Häuser und sind in Meckenheim fündig geworden.

Als Charlotte Ducker und Stuart Rich vor mehr als zwei Jahren das kleine Häuschen in der Meckenheimer Hauptstraße zum ersten Mal betraten, waren die Räume so niedrig, dass der groß gewachsene Rich gerade so aufrecht darin stehen konnte. Dass es da aber im wahrsten Sinne des Wortes Luft nach oben gab, merkte der gebürtige Australier schnell. „Ich habe an die Decke geklopft und gehört, dass es hohl klingt“, erzählt er. Und weil die beiden sich sofort in das alte Haus verliebt hatten, vertrauten sie auf Richs Einschätzung und kauften es.

Und Rich hatte Recht. Die Decke in den unteren Räumen war abgehängt, und als die neuen Eigentümer die Rigipsplatten entfernten, war der Raum gleich etwa 15 Zentimeter höher. Und man konnte die schönen alten Holzbalken sehen. Überhaupt: Das Haus sei von innen her sozusagen eingepackt worden, erzählt Ducker. „Wir haben erst einmal zwei Monate lang altes Dämmmaterial und Abdeckplatten herausgerissen.“ Dadurch seien die Räume auch größer geworden, denn jede Wand sei mit einer gut 15 bis 20 Zentimeter dicken Schicht bedeckt gewesen – auch die Innenwände.

Obwohl Ducker und Rich von Haus aus keine Renovierungsfachleute sind, brachten sie einiges an Erfahrung mit. Denn die beiden, die für die Schweizer Bildungsgruppe SBW Haus des Lernens AG arbeiten, betreuten als Geschäftsführer der Internationalen Schule Westpfalz die Renovierung der Schule in Landstuhl. Diese ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht, das unter Denkmalschutz steht. Das Projekt weckte ihre Leidenschaft für alte Gebäude. Und sie beschlossen, sich selbst so etwas zu kaufen. Das Richtige zu finden, sei allerdings nicht einfach gewesen. „Wir haben viele Häuser angesehen“, erzählt Ducker. Doch etwas Passendes war lange nicht dabei – bis die beiden nach Meckenheim kamen.

Freundliche Menschen

„Wir lieben den Ort“, schwärmt Ducker. Die Menschen seien freundlich, es gebe viele Hofläden, und außerdem liege der Ort verkehrstechnisch günstig. Ducker, gebürtige Britin, ist inzwischen Geschäftsführerin der Fortuna Sora Real Estate GmbH mit Sitz in Neustadt, die sich um die Gebäude der Internationalen Schule in Neustadt und der Westpfalz kümmert. Rich dagegen ist bei SBW Haus des Lernens nun für internationale Projekte zuständig und kann einen Teil seiner Arbeit von Zuhause aus erledigen. Der gelernte Grundschullehrer hat viel von der Welt gesehen, bevor er in der Pfalz landete, und er liebt sein neues Zuhause mit den Sandstein-Mauern und den alten Holz-Balken. „Daran kann man die Geschichte des Gebäudes ablesen“, schwärmt er. Gebaut worden sei es um 1850, doch es sei mehrfach erweitert worden. Die heutige Form gehe wohl auf das Jahr 1908 zurück.

Die Sanierung sei langwierig gewesen, und sie hätten sehr viel gelernt in dieser Zeit, erzählen die beiden. Zunächst einmal beauftragten sie einen Energieberater. Und stellten dann aber fest, dass die Handwerksbetriebe, die sie anschließend kontaktierten, von vielen Maßnahmen abrieten. Beispielsweise von dreifach verglasten Fenstern. Das funktioniere im Neubau, sagt Ducker, aber nicht bei einem alten Häuschen, dessen Charme man völlig zerstören würde, würde man die Außenwände dämmen. Doch sehr gut gedämmte Fenster und schlechter isolierte Außenwände führten leicht zu Schimmelbildung. Und so haben die Eigentümer sich für doppelt verglaste Fenster entschieden.

Keine Zentralheizung

Auch beim Thema Heizung war die Entscheidung nicht einfach. „Eine Wärmepumpe hätte nicht funktioniert, das wäre nicht warm genug geworden“, erklärt Ducker. Außerdem habe es in dem Haus nie eine Zentralheizung gegeben, deshalb seien auch keine Heizungsrohre vorhanden. Nach Prüfung verschiedener Alternativen entschied das Paar sich schließlich für eine Warmluftheizung, die mit Holz betrieben wird und extra für das Haus designt wurde. An diese Heizung, die im Wohnzimmer steht, sind die danebenliegende Küche mit Essbereich sowie die darüberliegenden Zimmer über Öffnungen angeschlossen. Lediglich zwei Zimmer im hinteren Bereich des Hauses – Schlafzimmer und Büro – seien zu weit entfernt. Dort sei die Wärmeversorgung nur über eine elektrische Heizung möglich.

Ein großes Glück bei der Sanierung war, dass sowohl die Grundkonstruktion als auch das Dach gut erhalten und stabil waren. Letzteres soll nun gut gedämmt werden. Da es nicht ausgebaut werden solle, werde der Boden isoliert, erklärt Ducker.

Was auch noch ansteht, ist die Neugestaltung des Hofs. Auch wenn die beiden inzwischen ein bisschen renovierungsmüde sind – auf den Hof freuen sie sich. „Das war mit ein Grund, warum wir uns für das Haus entschieden haben“, sagt Ducker. Und Rich schwärmt von kommenden Grillabenden und Frühstück im Freien.

Info

In der Region gibt es viele spannende Häuser. In loser Folge wollen wir unter dem Stichwort „Einblicke“ ungewöhnliche Wohnhäuser, Wohnungen und Arbeitsplätze vorstellen. Wenn Sie uns gerne die Tür öffnen würden, melden Sie sich bitte per E-Mail an redneu@rheinpfalz.de.

Küche und Essbereich werden von der Warmluftheizung im Wohnzimmer mitgeheizt.
Küche und Essbereich werden von der Warmluftheizung im Wohnzimmer mitgeheizt.
Aus dem 19. Jahrhundert und doch sehr modern: der Flur im oberen Stockwerk.
Aus dem 19. Jahrhundert und doch sehr modern: der Flur im oberen Stockwerk.
Das Schlafzimmer ist im hinteren Teil des Hauses untergebracht.
Das Schlafzimmer ist im hinteren Teil des Hauses untergebracht.
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