Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die „Waldschatten“ den Wald verjüngen

Florian Hofmann bringt Hinweisschilder an der eingezäunten Fläche an.
Florian Hofmann bringt Hinweisschilder an der eingezäunten Fläche an.

Die Mitglieder des Wandervereins „Waldschatten“ spazieren nicht nur durch den Wald, sie setzen sich auch für die Natur ein. Neben ihrem Engagement beim Wolfsburg-Verein setzen sie auf eine grüne Verjüngungskur.

„Tatort“ ist der Stadtwald in der Nähe der Hellerhütte und des Finstertals. Dort wählten die „Waldschatten“ zwei jeweils rund 100 Quadratmeter große Flächen aus, um sie zu verjüngen. In enger Zusammenarbeit mit Förster Klaus Burkhart, der für das Revier Spangenberg zuständig ist, versteht sich. „Das Projekt passt super zu uns. Wir bewegen uns im Wald, leben mit dem Wald, wir wollen etwas zurückgeben“, erzählt Florian Hofmann, Vorsitzender der „Waldschatten“.

Verjüngen bedeutet nicht etwa, Jungbäume zu pflanzen. Vielmehr haben die Vereinsmitglieder Eicheln gesät. Sämlinge passen sich laut Hofmann besser als „fertige Pflanzen“ an die klimatischen Verhältnisse an und bildeten beim Wachsen sofort entsprechende Wurzeln, um trotz Trockenheit zu überleben. Auch der Förster sieht dabei den großen Vorteil der Saat. Anders als bei der Pflanzung entwickele sich die Saat selbst, die Wurzel bleibe gesund, während eine Pflanzung durchaus Startprobleme für ein junges Bäumchen bedeuten könne.

15 Kilo Eicheln gesammelt

Zunächst haben die „Waldschatten“ 15 Kilogramm Eicheln gesammelt. „Sie mussten aus dem hiesigen Wald sein, um nicht die einheimischen Arten zu verfälschen“, betont Hofmann. Dabei achteten er und seine Mitstreiter darauf, dass sie Früchte von gesunden Bäumen entnehmen, also ohne Trockenschäden. „Wir hoffen damit auf bessere genetische Voraussetzungen“, so Hoffmann. Die Eicheln wurden kurze Zeit gewässert, um faule, hohle oder wurmbefallene Eicheln auszusortieren. Im Dezember folgte die Aussaat, „um einen Kältereiz zu erhalten“. Wie in der freien Natur üblich, setzten die „Waldschatten“ die Eicheln in kleine Furchen und bedeckten sie nur locker mit Laub. Genutzt wurden zwei Flächen im Stadtwald, die als „Käferfraßlöcher“ bezeichnet werden. Die Bäume, die dort vorher wuchsen, waren durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigt.

Förster Burkhart freut sich über das Engagement der jungen Neustadter. „Sie betreuen die Fläche selbstständig weiter. Eine Saat braucht mehr Pflege als Pflanzungen“, betont er. Burkhart setzt auf das Überangebot, das mit der großen Anzahl der Samen gemacht wurde, da nicht alle Triebe überleben und sich zu jungen Eichen entwickeln. Der Weg zum Baum ist hart und steinig. „Die Wurzel der Saat muss sich ihren Weg suchen. So beginnt die erste Selektion. Im Spiel sind auch andere Pflanzen als Konkurrenten um Licht und Wasser.“ Für Hofmann ist daher klar, dass die „Waldschatten“ regelmäßig nach ihren „Babys“ schauen und störende Pflanzen sanft entfernen. Burkhart: „Man muss dabei auch tolerant sein, neben den jungen Eichen bleibt Raum für die anderen Arten, die natürlich auskeimen.“

Frühlingserwachen zeitverzögert

Für ihn ist das Waldschatten-Projekt ein Ersatz für die im vergangenen Jahr wegen Corona ausgefallene öffentliche Pflanzaktion im Frühjahr. Grundsätzlich misst der Förster der Bürgerbeteiligung eine große Bedeutung bei. „Wald ist ein Generationenprojekt. Der Mensch sollte die Chance haben, praktisch mitzuwirken. Daher werden wir immer wieder mal Pflanzaktionen anbieten“, verspricht er.

„Das Frühlingserwachen dauert bei den Eichen immer ein bisschen länger. Die Eiche hat sowieso eine andere Strategie im Vergleich zum Buchensamen. Sie bildet zunächst eine kräftige Pfahlwurzel, um im Sommer Wasser zu erreichen.“ Unterirdisch werde zuerst eine zehn Zentimeter lange Wurzel wachsen, erst danach folge über der Erde ein sichtbarer Erfolg.

„Aufklärung ist wichtig“

Dass die „Waldschatten“ Geduld brauchen, um die Früchte ihrer Arbeit zu entdecken, hat auch Florian Hofmann kürzlich gemerkt. „Die Eicheln haben gekeimt. Die ersten Wurzeln sind nun ausgebildet“, informiert er. Der Saatbereich wird von einem Wildschutzzaun begrenzt, den Hofmann und seine Mitstreiter im Winter errichteten. Er brachte auch eine Tafel an, um die Wanderer vor Ort über das Projekt zu informieren. Dank einer Spende des Lions Clubs über 3000 Euro konnten die „Waldschatten“ die Kosten für die Tafeln in Höhe von 250 Euro finanzieren. Denn Hofmann weiß: „Aufklärung zu solchen Projekten ist wichtig.“

Er macht sich auch keine Illusionen darüber, mit diesen nur knapp 200 Quadratmetern Naturverjüngung den Wald und das Klima zu retten. „Das hat auch keinen direkten Effekt auf das Klima. Sondern es ist vor allem etwas Positives für den Wald. Die Aussaat hat den Vorteil, dass sich die Samen der Klimaveränderung und der Situation genau hier an dieser Stelle besser anpassen.“

Die jungen Engagierten zeigen, dass auch kleine Projekte einen Nutzen bringen. „Wir sind nur 35 Mitglieder. Wir wollen mit unseren Projekten anregen, dass auch andere Menschen etwas in dieser Art planen und umsetzen“, betont er. Auch Förster Burkhart setzt auf öffentliche Projekte: „Wir müssen dabei gut erreichbare Flächen anbieten, denn eine Anfahrt mit dem Auto in den Wald ist nicht zielführend. Für mich ist es aber immer wieder ein großes Glücksgefühl, beim Start einer Waldfläche mitzuwirken.“

Dort hinein werden angewurzelte Eicheln aus dem vergangenen Jahr gepflanzt.
Dort hinein werden angewurzelte Eicheln aus dem vergangenen Jahr gepflanzt.
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