Neustadt
Wie die Stadt Neustadt für mehr Artenvielfalt sorgen will
Seit zweieinhalb Jahren vertritt Umweltdezernentin Waltraud Blarr die Stadt Neustadt im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, nun überni mmt sie den Posten der stellvertretenden Vorsitzenden. „Die Kommunen können vor Ort Maßnahmen ergreifen, um die Artenvielfalt zu fördern“, erklärt sie ihren Einsatz im Bündnis. Als Diplom-Ingenieurin für Landespflege ist sie in dem Bereich vom Fach.
Das Bündnis vergibt das Label „StadtGrün naturnah“ an Kommunen, die sich durch besondere Maßnahmen für die Artenvielfalt auszeichnen. Hier bekam Neustadt im vergangenen Jahr für seinen Bestand an Aktionen für die Artenvielfalt und den Katalog an geplanten Maßnahmen das Label in Silber verliehen.
Bei der Vergabe des Labels sei das „Eh-da-Projekt“, bei dem vorhandene Grünflächen in Lebensräume umgewandelt werden, gut angekommen, erzählt Blarr. Beispielsweise habe man den Zierrasen am Klinikum Hetzelstift in eine blühende Wiese verwandelt, die weniger häufig gemäht wird als zuvor. Insgesamt hat das Umweltbüro der Stadt 27 Rasenflächen für das Projekt auskartiert.
Bis das Label im Jahr 2022 neu vergeben wird, muss der Maßnahmenkatalog umgesetzt werden. „Wegen Corona ist das etwas ins Stocken gekommen“, sagt Blarr. Zum Beispiel habe man im Frühjahr dieses Jahres die Mitarbeiter des Bauhofs zum Thema schulen wollen. Wegen der Pandemie musste das auf das nächste Jahr verschoben werden.
Zu den geplanten Maßnahmen gehört auch der Entwurf einer Biodiversitätsstrategie, der aber von den Gremien der Stadt noch verabschiedet werden muss. Geplant ist die Abstimmung für das kommende Jahr. Der Entwurf sieht unter anderem vor, Dächer städtischer Gebäude zu begrünen, um die zunehmende Bebauung, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen erheblich reduziert, auszugleichen.
Was passiert mit den Schottergärten?
Ein Thema, das Blarr besonders am Herzen liegt, sind die Schottergärten. Die sind in den vergangenen Jahren immer stärker zum Trend geworden, bieten aber keinen Lebensraum und heizen sich im Sommer stärker auf als ein herkömmlicher Garten. Im Neubaugebiet Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf sei deshalb beabsichtigt, das Anlegen solcher Gärten zu verbieten. „Über die Coronazeit haben wir uns auch Gedanken gemacht, wie wir mit Altbeständen umgehen“, sagt Blarr. Man wolle vor allem informieren, wie man Schottergärten zurückbaut und seinen Garten an den Klimawandel anpasst, da es in den trockenen Sommern auch mit Rasenflächen immer mehr Probleme gibt.
Ebenso soll der Steilhang am Burgweg in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, um auf dem Lösshang einen Lebensraum für Wildbienen und heimische Pflanzenarten zu schaffen. Dazu müssten die Robinien, die momentan dort wachsen, und die Schicht aus Laub und Humus entfernt und neue Pflanzen gesät werden.
„Zum Teil handelt es sich da um eine bis zu zehn Meter hohe Lösswand“, sagt Klaus Hünerfauth vom Umweltbüro der Stadt. Um das Projekt, dessen Kosten Hünerfauth auf rund 20.000 Euro beziffert, zu finanzieren, hat sich die Stadt bei dem deutschlandweiten Wettbewerb „Naturstadt“ der „Kommunen für biologische Vielfalt“ beworben – allerdings ohne Erfolg. „Ob und wann wir das Projekt realisieren, kann ich nicht sagen“, so Hünerfauth.